Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Fritz Bauer ist der neue Namenspatron auf dem Österberg

Anwohner wehren sich vergebens: Scheefstraße wird umbenannt

Es bleibt bei der Umbenennung der Scheefstraße in Fritz-Bauer-Straße. Der Gemeinderat hat die Widersprüche gegen seinen Beschluss zurückgewiesen.

21.12.2014
  • Gernot Stegert

Tübingen. Der Gemeinderat hielt den Tübinger Oberbürgermeister Adolf Scheef (1927-1939) für so belastet, dass er ihm im Juni 2013 zusammen mit Paul von Hindenburg und Theodor Haering die Ehrenbürgerwürde entzog und im Juni 2014 beschloss, die Scheef- in Fritz-Bauer-Straße umzubenennen. Dagegen regte sich Widerspruch von Anliegern, den diese im Sommer schriftlich einlegten. Ihr Hauptargument: Die Interessen der Anwohner, vor allem eine Liste mit 130 Unterschriften, seien nicht ausreichend bei der Entscheidung berücksichtigt worden. Die Verwaltung und jetzt auch die Mehrheit im Gemeinderat sahen das anders. Nur CDU, Tübinger Liste und Jürgen Steinhilber lehnten den Widerspruch nicht ab.

„So ausführlich wurde noch kein Straßenumbenennungsverfahren durchgeführt“, sagte Bruno Gebhart-Pietzsch (AL/Grüne) und verwies auf viele öffentliche und nichtöffentliche Sitzungen. Dorothea Kliche-Behnke (SPD) befand, der Gemeinderat habe „große Sorgfalt walten lassen“. Die „CDU-Österberg-Connection“ solle endlich ihren Frieden mit dem Beschluss machen. Albrecht Kühn (CDU) hatte zuvor zwar Fritz Bauer für seinen Beitrag zur Aufklärung der Nazi-Verbrechen gewürdigt, aber auch gesagt: „Scheef hat als OB die Stadt geprägt.“ Zudem sei die Mehrheit der Anwohner gegen eine Umbenennung. Das bewog auch Christian Wittlinger (Tübinger Liste) dazu, den Widerspruch nicht zurückzuweisen. Dietmar Schöning (FDP) nannte das Verfahren zur Umbenennung der Straße zwar „kein Ruhmesblatt“. Doch sei die Milch verschüttet. Alles wieder rückgängig machen, wolle er nicht.

Die Linke enthielt sich, weil sie zwar für die Umbenennung in Fritz Bauer-Straße ist, aber die Entscheidung im Paket mit Ex-Oberbürgermeister Hans Gmelin (1954-1974) getroffen haben will. Dieser war in seiner Position als Gesandtschaftsrat von 1941 bis 1945 in der Slowakei in die Deportation von Juden in Konzentrationslager einbezogen. Gerlinde Strasdeit sagte: „Die Straßenumbenennung eines kleinen Nazis wird vorgenommen und gleichzeitig die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft eines großen Nazis weiter rausgeschoben.“ Gmelin werde „aufgrund seiner verwandtschaftlichen Verflechtungen in Tübingen weiter verharmlost. Die Scheefstraßen-Umbenennung dient als Alibi für Geschichtsaufarbeitung.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.12.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball