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Syrien

Apokalypse in Aleppo

Nach schweren Angriffen auf die umkämpfte Stadt sind jetzt alle Krankenhäuser zerstört, Verletzte bleiben unversorgt.

21.11.2016
  • MARTIN GEHLEN

Aleppo. Rund um die Uhr krachen die Bomben und Raketen. In Todesangst kauern die Menschen in ihren Wohnungen. Kein Winkel in dem von Assad-Truppen eingeschlossenen Ostteil von Aleppo ist mehr sicher, dort harren immer noch 250 000 Einwohner aus, darunter 100 000 Kinder. Seit dem Wochenende sind nun alle Kliniken zerstört. Als letztes traf es das einzige Kinderhospital, mehr als 40 Menschen starben.

„Es ist ein Inferno, sie wollen Aleppo ausradieren“, sagte einer der überlebenden Ärzte. Videobilder eines zufällig anwesenden Al-Dschasira-Reporters zeigen, wie zwei Schwestern in dichtem Explosionsstaub Frühgeborene aus den Inkubatoren bergen und mit den Kleinen im Arm in Tränen ausbrechen. Verletzte wissen nicht mehr wohin, Operationen sind unmöglich geworden, in dem belagerten Aleppo arbeiten nur noch 29 Ärzte. „In all den Jahren habe ich noch nie solche schrecklichen Bilder gesehen von Verletzungen, von Menschen auf den Fluren der Notaufnahme, Tote und Lebende Seite an Seite“, erklärte dem „Guardian“ der britische Kriegschirurg David Nott, der selbst in Aleppo operierte.

Auch die Teams der Weißhelme, deren Freiwillige mehr als 2000 Artilleriegranaten einschlagen hörten und 250 Luftangriffe zählten, sind von dem Ausmaß der Verwüstung völlig geschockt. Die letzte Hilfsstation der Retter wurde am Samstag dem Erdboden gleichgemacht. „Diese Zerstörung lebenswichtiger Infrastruktur lässt die eingeschlossenen Menschen ohne jede medizinische Hilfe und überlässt sie dem Tod“, klagte die örtliche Gesundheitsbehörde in einem Notruf an die Welt.

Fakten auf dem Schlachtfeld

UN-Syrienvermittler Staffan de Mistura reiste am Sonntag zum syrischen Außenminister Walid al-Moallem. Dort plädierte er dafür, dass sich alle dschihadistischen Kämpfer aus Aleppo zurückziehen sollten, um die Lage zu beruhigen, und man den moderaten Aufständischen eine Art Selbstverwaltung gewähren könnte – eine Idee, die der Außenminister ablehnte. „Wie kann es sein, dass die Uno Terroristen belohnen wollen?“, empörte sich Moallem, dessen Regime alle Gegner als Terroristen diffamiert. Keine Regierung werde sich auf so etwas einlassen.

Russland und das Assad-Regime hatten in der Schlussphase des US-Präsidentenwahlkampfes eine Feuerpause erklärt. Nun nahmen sie ihre Luftangriffe wieder auf – brutaler denn je. Die beiden kalkulieren, dass durch den Wechsel im Weißen Haus und an der Spitze der Uno alle politischen Initiativen zu Syrien bis zum Frühjahr ruhen, so dass sie in den nächsten drei Monaten auf dem Schlachtfeld Fakten schaffen können. Vor allem eine Rückeroberung von Aleppo könnte die Schlagkraft der Rebellen schwächen und den Machtanspruch des Regimes sichern. Martin Gehlen

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21.11.2016, 06:00 Uhr

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