Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Apotheken
im Wandel
Der Apothekerverband fürchtet nach dem Urteil Umsatzeinbußen. Foto: Bildquelle
Urteil

Apotheken im Wandel

Die Preisbindung für Medikamente in Online-Apotheken ist aufgehoben. Dass die Preise generell fallen, ist nicht zu erwarten.

09.11.2016
  • DPA

Berlin. Deutschlands Apothekenbranche ist verschnupft. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Oktober stärkt die ausländische Online-Konkurrenz, was Existenzängste unter den 20 000 Apotheken vor Ort schürt. Das Bundesgesundheitsministerium will Krankheitssymptome der Branche per Gesetz kurieren.

Der Online-Handel von Apotheken hat in Deutschland zwei Gesichter: Während das Internet-Geschäft mit Schönheitscremes oder Schwangerschaftstests wächst, schwächelt der Absatz verschreibungspflichtiger Mittel, sogenannter Rx-Präparate. Laut Marktforschungsinstitut IMS Health wuchs der Internetabsatz rezeptfreier Präparate 2015 in Deutschland um 7 Prozent, während es bei Rx ein Minus von 14 Prozent gab. Ein Grund: Im Netz gab es keine Preisvorteile für Asthmasprays, Blutdrucksenker oder Anti-Krebs-Mittel. Solche Medikamente kosteten in Deutschland überall das gleiche. Egal ob im Internet oder vor Ort.

Bis 2012 hat allerdings der Online-Händler DocMorris Kunden Gutschriften für eingereichte Rezepte erteilt. Das verbot die Bundesregierung, denn Rx-Medikamente waren dadurch nicht mehr überall gleich teuer. Die EU-Richter grätschten nun dazwischen, sie halten die deutsche Gesetzgebung für einen unangemessenen Eingriff in den EU-Binnenmarkt. Ausländische Online-Händler wie DocMorris und Europa Apotheek führten daraufhin wieder das Bonussystem ein, Kunden werden bei der Rezeptgebühr so um mindestens 2 EUR pro Medikament entlastet.

Es gibt keinen Wettbewerb

Der Apothekerverband Abda warnt daraufhin, nationale Gesundheitssysteme seien in Gefahr. Der EuGH verschaffe „ausländischen Versandanbietern einen nicht nachvollziehbaren und völlig ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil“, empört sich Abda-Präsident Friedemann Schmidt. DocMorris-Chef Olaf Heinrich sagt hingegen, durch das EuGH-Urteil sei für seine Firma mit zuletzt rund 300 Mio. EUR Jahresumsatz nur ein Nachteil ausgeglichen worden. „Zwischen dem Einreichen des Rezepts und dem Erhalt des Medikaments vergehen durch den Postweg zwei Tage – diesen Nachteil gegenüber stationären Apotheken müssen wir über die Boni aus der eigenen Marge ausgleichen.“

Doch es ist nicht zu erwarten, dass die Preise für Medikamente jetzt generell fallen. Zum einen bleiben die Preise von Herstellern und Großhändlern unangetastet, die müssen die Versicherten aber ohnehin nicht direkt schultern. Zudem bleibt der Thekenpreis in stationären Apotheken und bei Versandhäusern mit Sitz in Deutschland gebunden, sie dürfen nur 3 Prozent des Einkaufspreises plus 8,35 EUR pro Packung berechnen. Wettbewerb gibt es beim Rx-Preis unter Vor-Ort-Apotheken also nicht, nur über frei verfügbare Präparate machen sie sich Konkurrenz.

Die Bundesregierung reagierte auf das Urteil des EuGH verschnupft. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) warnte vor negativen Folgen für die Verbraucher – etwa wenn die Apotheke um die Ecke dicht macht, weil Patienten ihre Rezepte an die Online-Konkurrenz schicken. Dadurch könnten sich Wege zu Apotheken verlängern. Die Behörde erarbeitet derzeit ein Gesetz zum generellen Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Mitteln. Das wäre schlecht für DocMorris und Europa Apotheek sowie für die 200 deutschen Versandapotheken. DocMorris droht schon jetzt mit Klage.

Verbotspläne in der Schublade

Es ist aber fraglich, ob die Verbotspläne Gesetz werden. Selbst von der SPD kam Kritik, deren Gesundheitsexperte Karl Lauterbach lehnt das Verbot ab – aus seiner Sicht ist die Möglichkeit zu Bestellungen im Internet gerade in ländlichen Regionen wichtig.

Dass reihenweise Apotheken wegen der Konkurrenz im Internet schließen müssen, scheint unrealistisch. Der Online-Marktanteil in der Apothekenbranche liegt bei nur wenigen Prozent – er ist nur eine Nische. Vielleicht wird die Preisbindung irgendwann generell gekippt. Dann könnten die Preise auf dem Land steigen und die Beratung des Apothekers dort besser honoriert werden – dies würde manchen Standort sogar attraktiver machen für Betreiber. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

09.11.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball