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Im Notfall gibt's Arznei durch die Nachtdienst-Klappe

Apotheker treten am Mittwoch in den Warnstreik

Die baden-württembergischen Apotheker planen für Mittwoch eine ganztägige Protestaktion, um auf ihre Finanzierungsprobleme hinzuweisen. Auch im Kreis Tübingen wollen sich viele Apotheken beteiligen.

10.09.2012
  • Renate Angstmann-Koch

Kreis Tübingen. Erste Warnstreiks gab es bereits in Esslingen und im Bezirk Sigmaringen. Nun sollen die Aktionen ausgeweitet werden. Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg hat seine Mitglieder aufgerufen, ihre Apotheken am Mittwoch geschlossen zu lassen. An den Aktionen wollen sich auch deren rheinland-pfälzische und saarländische Kollegen beteiligen. Der Protest richtet sich gegen eine aus Sicht des Verbands unzureichende Honoraranpassung.

„Wir wollen auf unsere Finanzierungsprobleme hinweisen. Die Honorierung ist seit dem Jahr 2004 stehen geblieben, doch die Kosten steigen. Es tut sich eine immer weitere Schere auf“, sagt Christian Wittlinger von der Hölderlin-Apotheke, Sprecher des Notdienstbezirks Tübingen. Derzeit müssten bundesweit vier Apotheken täglich schließen. Nun wolle man die Kunden darauf aufmerksam machen, dass sie immer häufiger vor verschlossenen Türen stehen könnten, wenn sich diese Entwicklung fortsetzt.

Man wolle die Aktion in Tübingen „ziemlich geschlossen durchführen, sagt Wittlinger – also nach Möglichkeit mit allen zwanzig Apotheken des Notdienst-Bezirks, zu dem auch Kusterdingen und Entringen gehören. „Die Bereitschaft ist riesig, bis hin zum richtigen Streik“, berichtet Wittlinger: „Wir wollen ein deutliches Signal setzen.“

Während die Apotheken-Honorare seit 2004 stagnierten oder heruntergefahren worden seien, stiegen schon allein die Personalkosten um 18 Prozent. Darüber wollen die Apotheker am Mittwoch mit ihren Kunden ins Gespräch kommen. Zwar werden die Türen der meisten Apotheken im Kreis wohl verschlossen bleiben – doch es soll überall eine Notdienstbereitschaft im Einsatz sein. Denn die Apotheken haben den gesetzlichen Auftrag, die Bevölkerung flächendeckend und ganztägig mit Arzneimitteln zu versorgen. „Wir wollen das Ganze nicht auf dem Rücken der Patienten austragen“, versichert Wittlinger.

Ähnlich wird es in Rottenburg aussehen. In der Kernstadt gibt es acht Apotheken. „Bei mir wird der Dienst durch die Notdienst-Klappe stattfinden“, sagt Michael Hailer von der Moriz-Apotheke, der die Notdienste im Bezirk Rottenburg organisiert. „Wir werden uns beteiligen, weil das Anliegen berechtigt ist. Unser Verband redet sich seit Jahren den Mund fusslig.“ Wie sich seine Kolleginnen und Kollegen verhalten werden, vermöge er allerdings nicht zu sagen: „Apotheker sind große Individualisten.“ Das Zeichen der Aktion solle sein, „dass es bei dieser Entwicklung gut möglich ist, dass die Versorgung schlechter wird.“

Auch in Mössingen und den Steinlach-Gemeinden werden am Mittwoch wohl die meisten Apotheken-Türen verschlossen bleiben. „Da bislang kein angepasstes Honorarangebot vorgelegt wurde, gehen wir mit den Warnstreiks in die nächste Runde“, wird der Präsident des Landesapothekerverbands Fritz Becker in einer Pressemitteilung zitiert. Nach Plänen aus dem Bundeswirtschaftsministerium solle der Fixzuschlag, den Apotheker je abgegebener „Rx-Packung“ erhalten, um 25 Cent steigen. Die Apotheker forderten hingegen eine Anhebung um 1,04 Euro.

Die Politik zwinge die Apotheker zu Maßnahmen wie die Protestaktion, die wohl zu Wartezeiten führen werde. „Nur wenn spürbar wird, dass das Fehlen der Apotheke ein ‚Versorgungsengpass’ ist, können wir unserer Forderung nach einer gerechten Honoraranpassung Nachdruck verleihen.“ 2006 hatten die Tübinger Apotheker zusammen mit den Ärzten schon einmal protestiert.

Apotheker treten am Mittwoch in den Warnstreik

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10.09.2012, 12:00 Uhr

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