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Das politische Buch

Arbeit am eigenen Denkmal

Erhard Eppler: Links leben. Erinnerungen eines Wertkonservativen. Propyläen Verlag. 336 Seiten, 22 Euro.

19.11.2015
  • FABIAN ZIEHE

An einem wie ihm, sagt Erhard Eppler selbst, verträgt die SPD "höchstens zwei oder drei". Mit diesem Selbstbild kann der 89-jährige gebürtige Ulmer gut leben. Er, den Spötter das "gute Gewissen der SPD" nennen, sieht sich am Ende seines politischen Weges. So zieht er Bilanz: "Links leben. Erinnerungen eines Wertkonservativen" heißt seine Autobiographie.

Bis heute verehren ihn kirchennahe wie friedens- und ökologiebewegte Kreise. Eppler ist kein Volkstribun. Er bildet den gebildet-bürgerlichen Flügel der SPD ab. Ein Intellektueller, der keiner sein will - wohl, weil ihm oft vorgeworfen wurde, ein Mann der Rede, nicht der Realpolitik zu sein. Dass er Entwicklungshilfeminister und Chefprogrammatiker einer Volkspartei werden würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Doch stellt er selbst fest: Ein Sozi, der sich wie ein Brandt oder Schröder aus kleinen Verhältnissen nach oben gekämpft hat, ist er nicht. Der Lehrersohn Eppler genoss viel Bildung, bis er in den Hitlerkrieg musste, den er gerade so überlebte.

Dass er sich später nicht mit dem Lehrerjob zufrieden gab, verwundert nicht: Eppler bemüht sich zwar eifrig, die Kreuzwege zu schildern, als wählte er stets den Pfad der Pflichterfüllung. Aber er zweifelt nicht, dass er wie gemacht für diesen Weg war. Ob Aussöhnung mit Ost und West, ob Entwicklungs-, Umwelt- oder Friedenspolitik: Er habe stets früh alle Notwendigkeiten erkannt - nur habe man ihm zu oft nicht geglaubt. Er pflegt das Selbstbild des "zu früh Gekommenen". Zwischen den Zeilen lassen sich Eitelkeiten wie Kränkungen herauslesen. Er, der unter Kiesinger und Brandt den Entwicklungshilfe-Blick in "den Süden" geschärft hatte, wurde von Schmidt durch schnöde Etatpolitik abserviert.

Keiner habe seine Mahnungen für mehr Ökologie hören wollen, sein Widerstand gegen den Nato-Doppelbeschluss fand zu wenig Gehör. Sein Grundsatzprogramm habe allein den Grünen genutzt, um den Sozis ihr Versagen vorzuhalten. Er, Eppler, habe das Siechtum der SPD kommen sehen. Doch: Keiner habe es hören wollen.

Selbstkritik? Die gibt es. Doch bemängelt er an sich meist anderes als seine Kritiker. Dass er gerade als Landespolitiker, als SPD-Chef und Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, gegen die CDU kein Land sah, wischt er auf vergleichsweise wenigen Seiten beiseite. In der Summe liefert das Buch wenig Neues, dafür viel Erwartbares. Epplers Vermächtnis - es dient primär der Pflege des eigenen Denkmals.

Arbeit am eigenen Denkmal

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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