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Abgesunkene Erfahrung

Arbeiten von Margot Spuhler und Brigitte Tharin in der Kulturhalle

Tübingen. Auf den ersten Blick könnte man sie für Bronze oder Stein halten. Aber sie sind schon aus Ton, die Skulpturen Margot Spuhlers, die derzeit in der Kulturhalle ausgestellt sind. Nur werden sie eben mit einer Geheimrezeptur behandelt, bevor sie im Freilandofen gebrannt werden.

18.07.2012

Die Spezialbehandlung der Tonerde beginnt sogar noch früher. Die Künstlerin schlägt, schmeißt und stampft die Erde, kneten wäre zu gewöhnlich, wiewohl sie darin auch sehr viel Erfahrung hat: Als Heilpraktikerin lässt Margot Spuhler dies ihren Kunden angedeihen.

Ob es eine Sirene, ein Eremit oder ein ruhender Fels wird – da lässt sie die Formassoziation ein Wörtchen mitreden. Aber nur begrenzt, wie ihre imposante Reihe flacher Köpfe zeigt. „Der Strom“ heißt die Arbeit, jeder Kopf eine Stromschnelle, ein Ensemble Schwarmintelligenz? Es sieht aus wie eine Ausgrabung, Bestandteil einer frühen Kultur. Das ist bezeichnend insofern als Margot Spuhlers Arbeiten stets etwas Archaisches anhaftet, schlicht und wesentlich, reduziert, in sich ruhend, manchmal rätselhaft, verschlossen.

Die Paarung mit den Bildern Brigitte Tharins ist gelungen. Zum einen, weil auch Tharin ihre ganz eigene Technik hat, dem Öl mit Asche zu Leibe rückt – so dass man bisweilen an Kalkstein oder Schiefer denkt oder eine Radierung vermutet, wo tatsächlich Malerei am Werk war. Zum anderen, weil sie so zu einer gedämpften Farbigkeit und einer aufs Wesentliche reduzierten Formensprache kommt. Ein paar Kringel und Haarrisse, als wären es Höhlenzeichnungen oder Adern einer Versteinerung. Das wirkt so elementar wie die Arbeiten Margot Spuhlers. Betritt man die Kulturhalle, verlässt man solchermaßen unser buntes Heute, wird weggesaugt in einen Raum, der scheinbar Zeugnis ablegt von einer anderen Welt.

Noch eine Gemeinsamkeit: Spuhler folgt den Formen, die ihre Hände hervorbringen, Tharin versieht ihre Bilder immer wieder mit Blindzeichnungen. Beide folgen also phasenweise dem inneren Bild unter Umgehung der Kopfkontrolle, versuchen dem dominanten optischen Sinn durch andere Sinne auf die Spur zu helfen: einmal durch Haptik, das andere Mal durch suchende, ahnende Motorik. Abgesunkene Erfahrung.Peter Ertle

Info: Arbeiten von Margot Spuhler und Brigitte Tharin in der Kulturhalle, Nonnengasse 19, noch bis 4. August, Mi-Fr 15 -18 Uhr, Sa 11-14 Uhr.

Arbeiten von Margot Spuhler und Brigitte Tharin in der Kulturhalle
Margot Spuhler, „Sirene“, gebrannte Erde. Bild: Sommer

Arbeiten von Margot Spuhler und Brigitte Tharin in der Kulturhalle
Brigitte Tharin, ohne Titel.

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18.07.2012, 12:00 Uhr

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