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Kampf um Köpfe

Arbeitgeberpräsident setzt auf ausländische Fachkräfte

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht Deutschland kluge Köpfe aus dem Ausland und eine bessere „Willkommenskultur“, sagte Dieter Hundt in einem Vortrag an der Universität.

12.07.2012
  • Micha Betz

Tübingen. Mit Dieter Hundt trat am Dienstagabend eine zentrale Figur der deutschen Wirtschaft ans Rednerpult im Kupferbau. Der Arbeitgeberpräsident war von den Organisatoren der Studium Generale Ringvorlesung „60 Jahre Baden-Württemberg – 60 Jahre Migration“ eingeladen worden und sprach zum Thema Fachkräftemangel.

Zunächst lobte Hundt die wirtschaftliche Situation in Deutschland. War das Land vor zehn Jahren in der ausländischen Presse noch als „kranker Mann Europas“ bezeichnet worden, habe sich die Bundesrepublik durch Reformen, wie die Agenda 2010, „selbst aus dem Sumpf gezogen“.

Mitarbeitermangel bedroht den Wohlstand

Gegenwärtig erlebe man hierzulande „ein wahres Beschäftigungswunder“. In manchen Regionen Baden-Württembergs könne man praktisch von einer Vollbeschäftigung sprechen, so Hundt. Doch die positive Entwicklung sei durch den zunehmenden Fachkräftemangel bedroht.

In naturwissenschaftlichen und technischen Branchen fehlten derzeit etwa 210 000 Fachkräfte. Aktuelle Studien zeigten, dass 40 Prozent der deutschen Unternehmen Probleme bei der Stellenbesetzung hätten. „Auf einen Ingenieur kommen momentan sechs offene Stellen“, sagte Hundt, der selbst promovierter Maschinenbauingenieur und Aufsichtsratsvorsitzender der Allgaier Werke in Uhingen ist.

Das Thema Fachkräftemangel betrifft nicht nur Berufsgruppen mit Hochschulabschluss. Auch in technischen und pflegerischen Ausbildungsberufen fehlt es an Mitarbeitern. Laut Hundt wird sich das Problem in den kommenden Jahren auch auf den Dienstleistungssektor ausweiten. Vom Arbeitgeberpräsident zitierte Experten, sagen der deutschen Wirtschaft für 2030 eine „Arbeitskräftelücke von fünf Millionen Menschen“ voraus. „Wenn wir dagegen nichts unternehmen, drohen unserem Land massive Wohlstandsverluste“, warnte Hundt.

Die Lösung sieht er im Fachkräfte-Import. Kompetente Arbeitskräfte aus Portugal, Spanien oder Italien sollten mit guten Jobangeboten nach Deutschland geholt werden. „Wir brauchen diese Fachkräfte nicht anstatt, sondern zusätzlich zu unseren inländischen Arbeitskräften,“ betonte Hundt. Dem Fachkräftemangel könne man allein mit heimischen Nachwuchskräften inzwischen nicht mehr beikommen.

Damit Deutschland in dem globalen Wettbewerb um die klugen Köpfe punkten kann, müsse jedoch eine freundlichere „Willkommenskultur“ in der Gesellschaft und den Unternehmen entstehen. Das alte Bild vom Gastarbeiter sei überholt, sagte Hundt. Ehemals eingewanderte Arbeiterfamilien lebten inzwischen seit mehreren Generationen in Deutschland und hätten nicht einfach nur ein kurzes „Gastspiel“ auf dem Arbeitsmarkt.

Kinder von Migranten stärker einbeziehen

Um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern müsse die Bundesregierung auch für eine bessere Integration der eingewanderten Menschen sorgen. Dies gelte vor allem für den Schulsektor. „Ich halte es für einen der größten Skandale in Deutschland, dass der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft abhängt,“ sagte Hundt. Sprach- und Schulprobleme bei Migrantenkindern müssten verstärkt angegangen werden, um sie für die Unternehmen zu gewinnen.

Dass Not erfinderisch macht, zeigte Hundt am Beispiel einiger Firmen aus dem Stuttgarter Raum. Sie hatten vor kurzem spanische Ingenieure eingeladen und erfolgreich umworben. An solche Vorstöße will die Industrie künftig anknüpfen und zum Beispiel verstärkt mit den Goethe-Instituten im Ausland zusammenarbeiten. Dort sollen Mitarbeiter in spe die deutsche Sprache lernen.

Arbeitgeberpräsident setzt auf ausländische Fachkräfte
Dieter Hundt

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12.07.2012, 12:00 Uhr

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