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Karriere

Arbeitsreicher karibischer Traum

Der Horber Bierbrauer Andreas Grieble fühlt sich auf Guadeloupe gar nicht so weit weg von daheim – und hat sich dort auch schon an das Klima gewöhnt.

30.12.2016
  • Gerd Braun

Das Bild beeindruckt, auch wenn von den 150 Metern, die das Wasser nach unten rauscht, nur ein Bruchteil zu sehen ist. Das Foto zeigt Andreas Grieble und seinen Kumpel Lennart Nöller, beide im freien Oberkörper unter einem Wasserfall stehend. Es ist ein Bild von der Karibik-Insel Guadeloupe, wo Nöller seinen Kameraden besucht hat. Andreas Grieble hält sich dort seit Anfang August aus beruflichen Gründen auf. Als junger Braumeister arbeitet er fleißig, um der Biermarke „Gwada“ zu Durst stillendem Geschmack und Erfolg im Ansatz zu verhelfen. Dieses Ziel verfolgt er weiter – dem derzeitigen Plan nach zumindest bis Mitte 2018.

Seine erste Hurrikan-Saison ist schadlos an dem 27-jährigen Braumeister vorüber gegangen. Daran musste sich der Isenburger also nicht gewöhnen. Was für ihn aber tatsächlich eine gehörige Umstellung bedeutete, war der karibische Lebensstil, dem er sich selbst nach wie vor nicht unterordnen möchte. Denn während er sich selbst meist in aller Herrgottsfrüh zur Arbeit aufmacht, beginnt für viele Einheimische der Tag erst am späten Vormittag – um zur Mittagszeit auch schon wieder in eine genussvolle Pause überzugehen. Die Grundeinstellung: Nur kein Stress. Termine: Nicht unbedingt verbindlich. Deutsche Zuverlässigkeit: Die Ausnahme. Was nerven kann, beispielsweise, wenn er mal auf dringend erwartete Ersatzteile oder Zutaten wartet.

Andreas Grieble selbst hat gehörig zu tun. Seit Beginn der Touristen-Saison findet der Stoff, den Grieble braut, trotz des stolzen Preises von zwei Euro pro Flasche einen deutlich höheren Absatz. Neben seinem eigentlichen Job, dem Bier brauen, obliegt es ihm auch, die Getränke abzufüllen, Schankanlagen aufzubauen und vieles andere mehr.

Unverhoffte Herausforderungen

In den vergangenen fünf Monaten seit seinem Start ins Abenteuer Guadeloupe ist der 27-Jährige auch nicht untätig gewesen. Er kreierte ein auf die Karibik zugeschnittenes Pils, gebraut nach deutschem Reinheitsgebot, wenn auch deutlich leichter im Geschmack als das übliche deutsche Pils. Zudem managte er die Produktion des zuvor schon erzeugten Gwada „Original“, bei dessen Herstellung Zuckerrohr statt Malz verwendet wird. Deutsches Reinheitsgebot ist da nicht, für die Insel passe das Getränk dennoch.

Unverhofft zu tun bekam Andreas Grieble, als sein Chef beschloss, die Zusammenarbeit mit der Hamburger Firma, die die Brauanlage installiert hat, zu beenden. Verschiedene Gerätschaften, die danach noch geliefert wurden, musste er zusammen mit einheimischen Helfern irgendwie installieren. Das klappte ebenso wie die plötzlich notwendig gewordene Beschaffung von Zutaten zum Bier brauen.

Ab dem neuen Jahr wird Grieble weitere Aufgaben zu bewältigen haben. Neue Getränkesorten sollen auf den Markt kommen und dazu der Vertrieb ausgebaut und ein neues Marketing-Konzept umgesetzt werden. Im Zuge dessen hoffen der Horber und sein 28-jähriger Chef, die auf eine Kapazität von 250 Hektolitern pro Jahr ausgelegte Anlage weiter auslasten zu können. Die nagelneue Anlage erzeugte 2016 bislang nur rund 50 Hektoliter.

Schnell wird es dunkel

Französisch Guadeloupe ist für Andreas Grieble aber nicht nur Arbeit, sondern auch ein Stück Abenteuer und Lebenserfahrung. Ein Teil dessen ist auch der Umstand, dass es dort in Äquator-Nähe viel schneller dunkel wird als an anderen Orten der Welt. Dies hat er schon zu Beginn bei seiner Ankunft erlebt. Noch als er am Flughafen auf seinen Koffer gewartet hat, war es hell. Als er mit diesem dann aus dem Terminal nach draußen ging, war‘s auch schon dunkel. Und so hat der Braumeister häufig Arbeitstage, die denen im deutschen Winter ähneln: Zur Arbeit noch bevor es hell wird und Feierabend, wenn‘s schon wieder dunkel ist.

Trotzdem mache ihm seine Arbeit Spaß, versichert Andreas Grieble, der erst gestern wieder Besuch aus der Heimat empfangen hat. Seine jüngere Schwester Anja und ein Freund kamen zu Besuch, und seit Mitte Dezember ist auch Griebles neue Freundin, die er noch kurz vor seinem Start in die Karibik kennengelernt hatte, bei ihm.

Viel Besuch in Aussicht

In den kommenden Monaten erwartet er weiteren Besuch, so dass ihm die Heimat gar nicht so fern erscheint. Durch den medialen Kontakt mit den Lieben via Skype und über andere Wegen, die die heutigen digitalten Medien ermöglichen, habe er sich auch an Weihnachten nicht einsam gefühlt. Und von den Einheimischen werde er auch sehr herzlich aufgenommen und voll integriert – auch wenn es mit seinen Französisch-Kenntnissen eher schleppend vorangehe. Sowieso genießt er in der Freizeit die im Job mitunter verteufelte Gelassenheit.

Eigenartige Weihnachten

Weihnachten an sich sei auf Französisch Guadeloupe allerdings eine etwas eigenartige Angelegenheit: Überall sehe man geschmückte, mit Schnee-Attrappen verzierte Christbäume und sehr viel Weihnachtsdeko – „aber das passt halt irgendwie nicht hierher“.

Den Jahreswechsel gedenkt Andreas Grieble mit seinen Gästen entsprechend karibisch zu feiern. Mit dem Boot rausfahren, das Feuerwerk vom Wasser aus beobachten und anschließend noch ein bisschen Party machen.

Das Küchenmesser, das Andreas Grieble bewusst in seinen Koffer gepackt hat, schneidet überwiegend Fisch und Meeresfrüchte. Dies ist dort das bevorzugte Nahrungsmittel, und beispielsweise ist dort frischer Thunfisch nicht nur sehr lecker, sondern auch relativ erschwinglich.

Langweilig wird dem Horber in seiner Freizeit übrigens nicht. Er habe sich recht zügig ein Kajak angeschafft, mit dem er zwischen den recht nahe gelegenen Inseln paddelt. Auch das Abtauchen macht ihm Spaß, und unter Wasser hat die direkte Begegnung mit Wasserschildkröten einen besonders bleibenden Eindruck auf ihn hinterlassen. Ein Naturerlebnis ist aber auch der Vulkan auf dem karibischen Teil der Insel mit seinen schwarzen Stränden, und „fast am liebsten“ durchwandert Andreas Grieble in seiner Freizeit den ausgedehnten Dschungel, einem weitläufigen Nationalpark.

Ist seine Begeisterung also schon so groß, dass er seinen auf zwei Jahre, plus X, angelegten Aufenthalt innerlich schon verlängert hat? Nein, sagt Grieble ziemlich eindeutig. Bis Mitte 2018 plant er auf jeden Fall, in dem speziellen, feucht-heißen Klima zu bleiben. Er werde aber über seine Braumeister-Schule in München versuchen, rechtzeitig einen Nachfolger zu finden, der seine Arbeit auf Französisch Guadeloupe weiterführt.

Gleich zurück in die Heimat zu kommen, ist aktuell aber auch nicht sein Plan. Langfristig, sagt er, könne er sich das schon gut vorstellen; davor aber reizt ihn noch eine berufliche Zwischenstation in Asien – beispielsweise in Thailand.

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30.12.2016, 01:00 Uhr

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