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Nehrener Burg · Die Bilanz der Maulwürfe

Archäologen werben um Fördergelder von der DFG

In Nehrens Erde ruht ein altes Gemäuer, das Archäologen brennend interessiert: die Burg in den Weihergärten. Der Gemeinderat nahm am Montag den Bericht des Archäologen Sören Frommer über die letzte Grabung entgegen.

19.11.2015
  • Jürgen Jonas

Nehren. Der in Nehren tätige Archäologe Sören Frommer sieht den großen Saal im umgebauten Gasthaus Schwanen vor sich – gefüllt mit Wissenschaftlern, Archäologen und Historikern. Die sind zu einer Expertentagung über frühe Burgen und die Entstehung des Hochadels zusammengekommend. In Nehren, mit den Überresten eines Burggebäudes im Mittelpunkt, das, in den Weihergärtenwiesen gelegen, interessante Aufschlüsse über diese Themen geben könnte. Eine Zukunftsvision.

Sören Frommer ist „Burgherr“ in Nehren, weil ihm ein Teil des Grundstücks gehört, in dem das Gebäude im Erdreich ruht. Und zusätzlich ist er, ein Glücksfall für die Gemeinde, Mittelalterarchäologe. Weshalb ihn Bürgermeister Egon Betz respektvoll als „unser Maulwurf“ bezeichnet. Am Montagabend erstattete Frommer im Gemeinderat Bericht über die letzte Grabung: Von Mitte September bis Mitte Oktober kamen Archäologie-Studenten aus Tübingen nach Nehren, zu einer Lehrgrabung, die Frommer leitete. Vier öffentliche Führungen hat er angeboten, die großen Zulauf fanden.

Eine erste Grabung hatte bereits im Jahr 2013 stattgefunden, ein Hauptziel der aktuellen Kampagne war die weitere Aufklärung des hochmittelalterlichen Fundniederschlags. Effektiver wurde die Grabung durch tachymetrische und photogrammetrische Befundaufnahme.

Eine ganz, ganz spannende Geschichte

Der zentrale Steinbau ist zu verschiedenen Zeiten entstanden. Das Mauerwerk mit Lehmbindung stammt aus dem 11. Jahrhundert. Unter dem Lehm kommen Gruben und Pfostengruben zum Vorschein, die zur unmittelbaren Vorgänger-Bebauung des 10. Jahrhunderts zu rechnen sind. Die zweite Bauphase des Steinbaus datiert dann ins spätere 13. Jahrhundert. Insgesamt alles eine „ganz, ganz spannende Geschichte“, sagt Frommer.

Die erste Nehrener Burg des 11. Jahrhunderts und eine sehr wahrscheinlich vor das Jahr 1000 zurückreichende unmittelbare Vorgängerbesiedlung seien Entdeckungen, deren Bedeutung über das Dorf hinausgehe. Zumal das Thema der frühen Burgen und die Umstände der Entstehung des Hochadels zwischen Archäologen und Historikern immer wieder intensiv diskutiert wird. „Relevante neue Erkenntnisse“, gerade im Zusammenhang mit neuen Methoden der Naturwissenschaften, die bei den Untersuchungen genutzt werden können, seien zu erwarten, meint Frommer. Viele Fragen sind zu beantworten: Auf welche Weise ist Nehren in den Prozess der Entstehung des Adels eingebunden? Ist Nehren Herkunftsort der Erbauer der Burg First? Gibt es Überreste einer Grablege für den Hochadel? War in Nehren ein frühmittelalterlicher Herrenhof angesiedelt?

Letztlich, meint Frommer, könnten diese und andere Fragen nur im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts einer Klärung zugeführt werden. Was die Gemeinde allerdings keineswegs finanzieren kann. Jedoch: Die Universität Tübingen in Gestalt des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und das Institut für Geschichtliche Landeskunde hat bereits Interesse an einem „Projekt Nehren“ im Rahmen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bekundet. Mit 200 000 bis 250 000 Euro DFG-Geldern wären mehrere erneute Grabungen, Vermessungen und Prospektionen an verschiedenen Stellen (einschließlich der Burg First) möglich. Dazu die umfassende Auswertung und deren Veröffentlichung. Sowie eben eine Fachtagung mit Historikern und Archäologen vor Ort. Allerdings müsste, auf Grundlage von weiteren Auswertungen und geophysikalischer Prospektionen, ein fundierter Antrag an die DFG ausgearbeitet werden, der bis Ende 2016 vorliegen soll. Das würde die Gemeinde etwa 12 000 Euro kosten.

Tafel für den Geschichtspfad

Nun werden die Räte mit dem Bürgermeister beraten, „ob wir dieses Geld im Haushalt haben wollen“, wie Betz sagt. Im Dezember soll eine Ausstellung im Rathaus die neuesten archäologischen Funde präsentieren. Ergänzungstafeln zum Geschichtspfad, die weitere Ergebnisse und Erkenntnisse zur Burg präsentieren, sind in Arbeit.

Archäologen werben um Fördergelder von der DFG
Bei den diesjährigen Lehrgrabungen in Nehren: Für Studenten aus der Universitätsstadt Tübingen gibt es an der Burg Berufspraxis in Radel-Entfernung.Archivbild: Franke

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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