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Haus der Kunst

Architekt Chipperfield rudert zurück

Niemand verlangt mehr, dem Münchner Museum sein ursprüngliches NS-Aussehen zu geben.

26.01.2017
  • PATRICK GUYTON

München. Soll das geschichtlich kontaminierte Münchner „Haus der Kunst“ (HdK) tatsächlich äußerlich in seinen Originalzustand von 1937 zurückversetzt werden? Die 13 großen Linden wirklich abholzen, damit die NS-Architektur ihre Monstrosität wieder entfalten kann, wie es der britische Architekt David Chipperfield vorgeschlagen hat? Nein, das ist vom Tisch, hat die gestrige Debatte im Kunstausschuss des Bayerischen Landtags gezeigt. Auch Chipperfield scheint sich mit den Linden zu arrangieren: „Wenn wir sie behalten, dann sollten wir sie feiern.“

Der Plan Chipperfields, unterstützt vom Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), hatte zu Protesten von Historikern, Architekten und der israelitischen Kultusgemeinde geführt. Das 175 Meter lange Monstrum mit dem einstigen Namen „Haus der Deutschen Kunst“ am Südende des Englischen Gartens war ein Lieblingsprojekt Adolf Hitlers. Der Architekturhistoriker Winfried Nerdinger, Gründungsdirektor des Münchner NS-Dokumentationszentrums, bezeichnete das Vorhaben gegenüber dieser Zeitung als „nur noch geschichtsblinde Perversion“.

Jetzt wird zurückgerudert. Chipperfield sagte dem Kulturausschuss, 98 Prozent seiner Aufgabe bestünden in der Innen-Sanierung: Energiekonzept, Klimaanlage, Feuer-Notausgänge. Viel Zustimmung erhält er von den Abgeordneten für den Plan, den bisher schlecht genutzten Westflügel des Hauses umzubauen, zur „Universalbühne“ für Performance, Konzerte oder Diskussionsveranstaltungen. Den Zugang zum Englischen Garten, bisher von einem grauenhaften Parkplatz versperrt, will Chipperfield öffnen. Auch das stößt auf Lob.

Die Wendung des Ministers

Was bleibt vom Vorschlag, der die meiste Kritik hervorgerufen hat, die 13 schön und groß gewachsenen Linden an der Vorderfront zu fällen? Ohne sie wäre der Blick frei auf monströse NS-Architektur, sie würde viel näher in die Stadt eingebunden. „Alles, was wir machen, hat damit nichts zu tun“, meint Chipperfield nun ganz zurückhaltend.

Ähnlich gibt sich Minister Spaenle, der es ursprünglich sehr gut fand, den „grünen Vorhang“ zu beseitigen. Er ruft jetzt nach einer Debatte über das äußere Erscheinungsbild, er will „den demokratischen Diskurs anstoßen“.

Innensanierung toll, wie man mit dem Äußeren umgeht, bleibt offen – so das bisherige Fazit. Die SPD-Abgeordnete Isabell Zacharias sagt: „Wir müssen etwas machen mit der Fassade, etwas ändern.“ Die Bäume „einfach abzuhauen“, hält der Grünen-Abgeordnete Sepp Dürr für „völlig absurd“. Patrick Guyton

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26.01.2017, 06:00 Uhr

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