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„Architektonisch ohne Wert“
Seit Sommer 2013 existiert ein Denkmalpflegeplan für die Wohnsiedlung Aspen. Die Leitlinien regeln, welche bauliche Änderungen erlaubt und welche verboten sind. Viele Bewohner fühlen sich dadurch gegängelt. Foto: Ferdinando Iannone
Musterprozess

„Architektonisch ohne Wert“

Bewohner beantragt vor dem Verwaltungsgericht, den Denkmalschutz für die 50 Jahre alte Siedlung „Aspen“ in Botnang aufzuheben.

19.01.2017
  • RAIMUND WEIBLE

Aspen ist ein Wintersportort im US-Bundesstaat Colorado. Doch auch in Stuttgart gibt es einen Ort dieses Namens, eine waldumschlossene Wohnsiedlung im Stadtteil Botnang mit 31 Häusern. Einer ihrer Bewohner, Rechtsanwalt Ralf Trunk, saß am Mittwochnachmitttag im Saal 1 des Verwaltungsgerichts Stuttgart. Trunk führt einen Musterprozess gegen die Landeshauptstadt.

2011 hatte die Untere Denkmalschutzbehörde Aspen unter Ensembleschutz gestellt – zum Missfallen vieler Bewohner. Denn der Status ist mit Auflagen verbunden. Bautechnischen Veränderungen müssen sich die Eigentümer zuvor von der Behörde genehmigen lassen. Die Eigner befürchten auch einen Wertverlust.

Trunk hat Klage erhoben und vor der 13. Kammer den Antrag gestellt, den Bescheid aufzuheben, mit dem die Stadt den Denkmalschutz festgestellt hat. Drei weitere Bewohner haben ebenfalls das Gericht angerufen. Ihre Verfahren ruhen derzeit. Die Kläger warten den Ausgang des Falls Trunk ab.

In der über zwei Stunden dauernden Verhandlung bezweifelte Trunk die Denkmalwürdigkeit Aspens, die wegen der Farbe ihrer Flachdächer auch „die schwarze Siedlung“ genannt wird. Aspen war von 1963 bis 1966 von der Württembergischen Heimstätten GmbH als Eigentumswohnanlage für Landesbeamte errichtet worden – anfänglich lebten dort Ministerialräte und Professoren.

Die Architekten Hans Kammerer und Walter Belz hatten eine Anlage mit Kettenhäusern in versetzter Reihe entworfen. Nach Ansicht von Trunk ist die Siedlung „architektonisch ohne Wert“. Bei der jungen Anlage handele es sich um „Gegenwartsarchitektur“, nicht um beispielhafte Architektur einer Epoche.

Das Regierungspräsidium Stuttgart hingegen bezeichnete Aspen als die qualitätsvollste Siedlung in Botnang und als eine der qualitätsvollsten Siedlungen im ganzen Regierungsbezirk. Das „herausragende Zeugnis der Siedlungsbaukunst“ besitze exemplarischen Charakter für verdichtetes individuelles Wohnen in einheitlich gestalteten Gebäuden. Konservatorin Ulrike Plate vom Landesamt für Denkmalpflege bezeichnete die Siedlung als wichtiges Beispiel der „Nachkriegsmoderne“.

Trunk allerdings sagte, mit der Bedeutung der Siedlung könne es nicht weit her sein, da über sie in Fachpublikationen nur wenig veröffentlicht worden sei. Darauf kommt es laut Richter Wolfgang Kern jedoch nicht an. Er verwies auf Urteile des Verwaltungsgerichtshofs, wonach es ausreiche, dass die Denkmalschutzwürdigkeit plausibel dargelegt sei. Ende Januar will Kern das Urteil verkünden.

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19.01.2017, 06:00 Uhr

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