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Allein fasten macht keinen Spaß

Arzu Öztürk macht den Ramadan nicht mit

In der Türkei würde die 19-jährige Arzu Öztürk gerade tagsüber nichts essen und nichts trinken. In Deutschland hingegen hat sie sich entschieden, nicht zu fasten. Dafür hat sie Gründe.

31.07.2012
  • Carolin Deregowski, 18

Die Atmosphäre fehlt: Aus Arzu Öztürks persönlichen Umfeld fastet keiner, während in der Türkei einfach jeder die Regeln des Ramadan befolgt. Ihre Familienangehörigen in der Türkei verzichten untertags beispielsweise alle auf Essen und Trinken, obwohl sie sich auch als eher wenig religiös einschätzen. „Ob streng gläubig oder eher weniger gläubig, einfach alle Muslime in der Türkei fasten. Von dieser Kultur und diesem Zusammengehörigkeitsgefühl ist in Deutschland nichts zu spüren.“ Außerdem lässt sich für Arzu der Schulalltag – beziehungsweise für andere Muslime das Berufsleben – nur schwer mit dem Fasten unter einen Hut bringen. „Es ist einfach zu anstrengend, ohne Essen und Trinken den ganzen Tag auszukommen“, erklärt sie.

Arzu weiß, wovon sie spricht, denn sie hat es selbst einmal ausprobiert. Zwei Tage lang hat sie auf Essen und Trinken verzichtet, aber dann gab sie auf. Deshalb hat die Abiturientin auch großen Respekt vor den Muslimen, die 28 Tage lang nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang essen und trinken.

Besonders viel Ehrfurcht gebühre den Arbeitern, die auch bei 40 Grad in der prallen Sonne ohne einen Schluck Wasser arbeiten müssen. „In der Türkei schließen viele Bars über den Mittag und öffnen erst nach Sonnenuntergang wieder, aus Respekt den Leuten gegenüber. Außerdem trinkt man nicht öffentlich auf der Straße, wenn man nicht fastet.“

In Deutschland werde fastenden Muslimen nur wenig Verständnis und Respekt gegenüber gebracht, sagt Arzu. Wer schlechte Laune hat, weil er ein Loch im Magen hat, solle auch nicht fasten, so die Auffassung vieler Deutscher.

Arzus Verwandte in der Türkei nehmen es hingegen tolerant auf, dass die Jugendliche und ihre Familie nicht an der Fastenzeit teilnehmen. Ihre Eltern haben früher einmal gefastet, aber es dann aus den gleichen Gründen wie Arzu aufgeben.

„Ich kann mir jedoch vorstellen, später einmal zu fasten während des Ramadans,“ sagt die 19-Jährige abschließend.

Arzu Öztürk macht den Ramadan nicht mit

Arzu Öztürk macht den Ramadan nicht mit
Ramadankalender an der Reutlinger Moschee: Am heutigen Dienstag etwa wird es um 4.22 Uhr hell und um 21.09 Uhr dunkel. Eine Regel besagt: Man darf essen und trinken, solange sich ein weißer nicht von einem schwarzen Faden unterscheiden lässt. Das Bild rechts zeigt Arzu beim Beten: Fünf Mal am Tag sollen Muslime ein Gebet sprechen. Dabei müssen Arme und Beine bis zu den Knöcheln verdeckt sein. Bilder: Carolin Deregowski

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31.07.2012, 12:00 Uhr

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