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Kommentar · Hirschauer Hohlweg

Asphalt drauf, Asphalt wieder runter

„In der Stadt gibt es noch einige Straßen, die auf eine Sanierung warten“, stellte Cord Soehlke klar. Das TAGBLATT hatte den Tübinger Baubürgermeister kürzlich gefragt: Was sollen diese Streifen von altem Asphalt mitten im neuen Straßenbelag der Fürststraße (Bild unten)? Ein „Vollausbau“ der Straße, so Soehlke, hätte die Sanierungskosten von 500.000 Euro glatt verdoppelt. Keine Frage: Der Fürststraßen-Flickenteppich war längst überfällig.

28.07.2015
  • Volker Rekittke

Allzu viele Radler ohne Crossbike und Geländeerfahrung wichen auf die gesäßschonend geglättete Allee am gegenüberliegenden Steinlachufer aus.

Asphalt drauf,  Asphalt wieder runter

Keine Frage auch: Obschon Tübingen in den vergangenen Jahren viel Geld in seine Straßen steckte, gibt’s immer noch Holperpflaster wie die Lustnauer Steige, den Pfrondorfer Ortseingang oder den nach nur fünf Jahren schon wieder bröckelnden „halbstarren Belag“ auf der Eberhardsbrücke, der demnächst erneuert werden soll.

„Das Graben von Löchern im Erdboden wird nicht nur die Beschäftigung, sondern auch das reale Nationaleinkommen an nützlichen Gütern und Dienstleistungen vermehren.“ Das schrieb einst der britische Ökonom John Maynard Keynes: Löcher auf- und wieder zubuddeln. Das schafft zwar Arbeit, klingt aber nicht sehr sinnvoll.

Eine neuere, immer wieder gern praktizierte Variante des alten Buddel-Spiels sieht so aus: Straßenbelag abkratzen und wieder draufschmieren. Zum Beispiel auf Bundes- oder Landstraßen, auf denen es sich ruckelfrei fährt, in denen aber vermeintliche Haarrisse, Spurrillen, Verdrückungen für eine aktiv antizyklische oder eher zufällige („es ist noch Geld im Topf“) Asphalt-Attacke sorgen.

Die ganz besonders aktuelle Spielart: Asphalt draufschmieren und dann wieder abkratzen – wie beim allzu schnell und noch dazu unrechtmäßig geteerten Hirschauer Hohlweg. Das Geld wäre anderswo besser angelegt gewesen. Wollte da jemand in der Stadtverwaltung der Hirschauer Gütlesbesitzer- und Autofahrer-Lobby gefallen? Hat gar wer aus dem Flecken Druck gemacht?

Keynes hat das übrigens seinerzeit nicht ganz ernst gemeint mit dem Löcher-Buddeln – und den erklärenden Satz hinterhergeschoben: „Es ist aber nicht vernünftig, dass sich ein verständiges Gemeinwesen damit begnügen sollte, von solchen zufälligen und oft verschwenderischen Linderungen abhängig zu bleiben.“

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28.07.2015, 12:00 Uhr

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