Anwohner schießt auf Papageien

Attacke auf Gelbkopfamazonen im Kurpark

Seit Monaten feuert ein Mann Schüsse aus seiner Schreckschusspistole auf Gelbkopfamazonen. Die Polizei hat den Täter ermittelt, kann aber nicht viel tun. Durch die Schüsse könnten auch Bruten gestorben sein.

29.08.2014

Von NATHALIE BEIER

Stuttgart Sie sitzen aneinandergeschmiegt in ihren Nestern und brüten ihren Nachwuchs aus. Da hallt ein lauter Knall durch den Kurpark. Aufgeschreckt fliegen die mexikanischen Papageien durcheinander.

Das geht bereits seit mehreren Monaten so: Ein Anwohner fühlte sich wohl von dem Gekrächze der Vögel gestört - und wollte dem ein Ende machen. Seit Mai gab er immer wieder Schüsse aus seiner Schreckschusspistole ab. "Daraufhin sind mehrere Anrufe besorgter Anwohner beim Polizeirevier in Bad Cannstatt eingegangen", sagt Polizeisprecher Thomas Geiger. Die alarmierten Beamten hätten den Verdächtigen überprüft. Dieser habe dann auch zugegeben, auf die Vögel geschossen zu haben.

"Schwerwiegende Konsequenzen hat der Schütze nicht zu befürchten", sagt Geiger. Die Gesetzeslage ist hier klar: Auf einem abgeschlossenen Privatgrundstück ist der Gebrauch einer Schreckschusspistole erlaubt. Einen Waffenschein braucht man für eine solche Pistole nicht. "Er muss höchstens ein Bußgeld wegen Ruhestörung bezahlen", sagt der Polizeisprecher.

Doch damit sei es nicht getan, meint Ulrich Tammler vom Nabu Stuttgart. Angesichts eines solch brutalen Verhaltens sei es nötig, zu prüfen, ob der Schütze nicht doch noch zu belangen sei. "Ich habe den Fall an das Amt für Umweltschutz weitergeleitet", sagt Tammler. Dort werde nun geprüft, ob der Vogel-Feind gegen naturschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen habe. "Dann wird es eine Anzeige gegen ihn geben." Denn mit seinem rücksichtslosen Verhalten habe der Schütze massiv in das Brutverhalten der streng geschützten Amazonenart eingegriffen. "Im Mai war die Brutzeit in vollem Gange", sagt Tammler. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch, dass durch den Stress, der bei den Vögeln durch die Schüsse verursacht wurde, viele Bruten gestorben seien. Eine Katastrophe für den Naturschützer, denn die Gelbkopfamazonen in Bad Cannstatt sind die einzige frei lebende Population außerhalb Amerikas. "Der Verkehrslärm vor der Haustür stört niemanden, dafür aber die Natur?" Für Ulrich Tammler sei es ein merkwürdiges Verhalten, das manche Großstadtmenschen da an den Tag legten.

In ihrer Heimat Mexiko sind die Papageien mit dem grünen Federkleid und den gelben Köpfen vom Aussterben bedroht. Im Großstadtdschungel Bad Cannstatts leben rund 50 Gelbkopfamazonen. Seit 1984 ist die Vogelfamilie stetig gewachsen - und damit auch ihr Bekanntheitsgrad. So erzählt man sich zum Beispiel eine besonders makabre Geschichte: In den späten 90er-Jahren soll eine Gelbkopfamazone in einem Garten ermordet worden sein. Weil sie sich zum Frühstück über seinen Haselnussstrauch hermachte, griff ein Bad Cannstatter wohl zum Luftgewehr und erschoss den Vogel. Sein Mordopfer soll er anschließend in die Tiefkühltruhe gelegt haben. Bei einem erneuten Versuch, eine Gelbkopfamazone zu töten, kam ihm die Polizei wohl auf die Schliche und fand den gefrorenen Vogel. Dieser wurde angeblich im Rosensteinmuseum präpariert. Doch die kuriose Geschichte bleibt eine lokale Legende. Weder die Polizei noch das Rosensteinmuseum können sie bestätigen.

Im Kurpark Bad Cannstatt fühlen sich die grün-gelben Gelbkopfamazonen besonders wohl. Foto: dpa

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Erstellt:
29. August 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. August 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. August 2014, 12:00 Uhr

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