Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Auch James Dean fuhr Reutlinger Porsche
Wilhelm Maybach
Auf den Spuren des Konstrukteurs Wilhelm Maybach

Auch James Dean fuhr Reutlinger Porsche

REUTLINGEN (wal). Autostadt Reutlingen: Hier lernte Konstrukteur Wilhelm Maybach sein Handwerk, hier fertigte Erhard Wendler aerodynamischen Wunderkarosserien, hier gab es nach dem Krieg Autoausstellungen und -rennen. Das Stadtarchiv zeigt jetzt Archivalien und Fotos zur lokalen Automobilgeschichte.

22.04.2011

Anlass der Ausstellung „Wilhelm Maybach in Reutlingen – Automobile auf Fotografien des Stadtarchivs“ ist der Eintritt Wilhelm Maybachs vor 150 Jahren ins Bruderhaus von Gustav Werner. Der Sozialreformer, so Stadtarchivleiter Dr. Heinz Alfred Gemeinhardt, entdeckte rasch die „besondere Begabung“ des Waisenknaben und ließ ihn nach der Schulausbildung von 1861 an im Konstruktionsbüro seiner mechanischen Werkstätte zum technischen Zeichner ausbilden.

Hier lernte Wilhelm Maybach (1846-1929) Gottlieb Daimler (1834-1900) kennen, der 1865 als Vorstand in die Maschinenfabrik zum Bruderhaus gekommen war. Beide entwickelten in Reutlingen ihr erstes Patent. Maybach folgte Daimler 1869 zunächst zur Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe, 1882 gründeten sie in Cannstatt einen Betrieb zur Entwicklung eines schnelllaufenden Verbrennungsmotor – der Rest ist automobile Erfolgsgeschichte.

Bisher gingen die Historiker davon aus, dass Maybach „keine direkten archivalischen Spuren“ in Reutlingen hinterlassen hat. Stadtarchivmitarbeiter Roland Brühl hat nun anhand der Autobiografie Maybachs Dokumente in den Beständen ausfindig gemacht. Denn Maybach besuchte von 1861 bis 1864 sonntags und feierabends die gewerbliche Fortbildungsschule, um seine Kenntnisse in Mathematik, Physik, Mechanik, Freihandzeichnen, Modellieren oder Gravieren zu vertiefen. In den Schulgeldtabellen ist sein Namen verzeichnet, außerdem taucht er später als außerordentlicher Schüler der Oberrealschule auf.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigt Bilder aus der historischen Fotosammlung des Stadtarchivs. Sie umfasst eine Million Fotos, ein „großer ungehobener Schatz“, so Gemeinhardt. Das Archiv will die Schatztruhe nun regelmäßig öffnen, jetzt sind Raritäten aus den Beständen der Fotohäuser Dohm und Näher zu sehen; Peter Dohm war selber motorsportbegeistert und nahm auch an Autorennen teil.

Ein anderer Autofan hat die Fotos im Archiv aufgestöbert: Frank Eberle, der ansonsten beim Stadtmessungsamt arbeitet, stieß zufällig auf eine Kiste mit Bildern und stellte zusammen mit Hubert Huber ein halbes Jahrhundert lokale Automobilgeschichte zusammen, darunter sind Fahrzeuge, die „selbst von eingefleischte Fachleute bisher nicht zu identifizieren waren".

Material zur Verfügung stellten noch Norbert Schwandner, Sohn von Helmut Schwandner, Chefkonstrukteur der Reutlinger Karosseriefabrik Wendler, und Kurt Hammer, Organisator von Motorsportveranstaltungen in der Nachkriegszeit. Die Fotos lassen Kenner mit der Zunge schnalzen: Klassische Automobile zu Beginn der Motorisierung wie das Elektromobil des Fabrikanten Gustav Wagner.

Vor allem aber Karosserien, die zwischen 1937 und 2000 bei Wendler in der Lederstraße auf Chassis von BMW, MG, Porsche, Bugatti oder Bentley gebaut wurden: protzige Maybachs für deutsche Fabrikanten, ein gepanzerter Cadillac für den saudi-arabischen König Ibn Saud, ein Porsche 718 RSK Spyder für den Dirigenten Herbert von Karajan. Und als der Schauspieler James Dean 1955 verunglückte, fuhr er einen in Reutlingen bei Wendler für ihn zurechtfrisierten silbernen Porsche 550 Spyder.

Zu sehen gibt es aerodynamische Wunderwerke, extravagante Karossen mit Reibeisen-Kühlergrill, aber auch zweckmäßig Nutzfahrzeuge; meist handelt es sich um Unikate oder kleine Serien (wir werden einige demnächst vorstellen). Außerdem zeigt die Ausstellung Fahrzeuge der von ehemaligen BMW-Mitarbeitern gegründeten Firma Veritas, die in Messkirch rund 200 Karosserien per Hand produzierte, Bilder vom Ruhestein-Bergrennen 1946 in Baiersbronn.

Und Fotos von den Motorschauen 1949 und 1950 in der Listhalle und auf dem Freigelände drumherum. Diese Veranstaltung wanderte dann nach Frankfurt ab – die heutige Internationale Automobilausstellung (IAA) hat also ebenfalls ihre Wurzeln in Reutlingen.

Auch James Dean fuhr Reutlinger Porsche
Früher Reutlinger Automobilist: Oberamtswundarzt Dr. Appenzeller 1910 im Viersitzer der Marke „Colibri“ mit Ehefrau Emma und Sohn Max. Das von den Norddeutschen Automobilwerken hergestellte Fahrzeug mit Holzspreichen schaffte als Spitzengeschwindigkeit Tempo 50.

Auch James Dean fuhr Reutlinger Porsche
Herbert von Karajans bei Karosserie Wendler in Reutlingen maßgeschneiderter Porsche Spyder 718 RSK.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.04.2011, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball