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Bewerbung geht nächsten Monat raus

Auch Tübingen will Fairtrade-Stadt werden

Der Kölner Verein Transfair verleiht die Auszeichnung Fairtrade-Town. Tübingen will dieses Siegel unbedingt haben – nicht nur, weil die Nachbarstadt Rottenburg den begehrten Titel bereits hat. Allerdings muss die Unistadt ihre Bewerbung dafür noch fertigmachen und absenden.

24.09.2010
  • Lutz Bergmann

Tübingen. Tübingen will noch in diesem Jahr Fairtrade-Stadt werden. Diese Botschaft verkündete Oberbürgermeister Boris Palmer in seiner Einladung zu der Fairen Woche, die am Montag in Tübingen startete. Die Auszeichnung verleiht der Kölner Verein Transfair, der bundesweit über das Fairtrade-Siegel wacht. Am Mittwoch besuchte die Leiterin der Kampagne Fairtrade-Towns, Kathrin Bremer, Tübingen, um für das Projekt zu werben.

Auch Tübingen will Fairtrade-Stadt werden
Der Tübinger Weltladen auf Rädern verkaufte gestern vor dem Rathaus Fairtrade-Produkte. Besitzer Winfried Brugger (rechts) gehört zur Steuerungsgruppe. Bild: Metz

Bei einer Veranstaltung im Gemeindehaus Lamm erklärte sie, wie Tübingen es schafft, die Auszeichnung zu bekommen. Die Stadt muss fünf Kriterien erfüllen: Der Rat darf während seiner Sitzungen nur noch gerecht gehandelten Kaffee trinken und muss ein weiteres Fairtrade-Produkt verwenden. Zudem soll sich eine Steuerungsgruppe gründen, die das Projekt in Tübingen koordiniert. Um das dritte Kriterium einzuhalten, braucht eine Stadt je nach Einwohnerzahl eine bestimmte Anzahl von Geschäften und Gaststätten, die gerecht gehandelte Waren verkaufen. Tübingen benötigt 18 Einzelhändler und neun Restaurants oder Cafés. Zudem muss eine Schule, ein Verein und eine Kirche Fairtrade-Produkte nutzen. „Das können auch gerecht gehandelte Blumen oder Bälle sein“, sagt Bremer. Das fünfte Kriterium verlangt, dass örtliche Medien in mindestens vier Beiträgen pro Jahr über die Aktion berichten.

Ulrich Narr, der Referent des Oberbürgermeisters, glaubt, der Auszeichnung steht nichts mehr im Weg: „Nach unserer Auffassung haben wir alle Kriterien erfüllt, sogar übererfüllt.“ Das meint auch Michael Lucke. „Tübingen ist eine Stadt die schon seit Jahren den fairen Handel unterstützt – uns fehlt nur noch das Siegel.“

Lebensmittel zum Spottpreis geht nicht

Der Erste Bürgermeister Tübingens erklärte bei der Begrüßung Bremers, warum es notwendig ist, Fairtrade-Kampagnen zu unterstützen: Die Lebensmittelausgaben der Menschen seien in der Vergangenheit stark zurückgegangen. Schuld daran habe vor allem die „Aldisierung“. „Es kann nicht sein, dass wir Lebensmittel zum Spottpreis kaufen, ohne dass Menschen darunter leiden.“ Deshalb müsse künftig wieder mehr auf Gerechtigkeit im internationalen Handel geachtet werden.

Auch Tübingen will Fairtrade-Stadt werden
Katrin Bremer von Transfair. Bild: Metz

Das sprach Bremer augenscheinlich aus der Seele. Sie lobte besonders die vielen Fairtrade-Verkaufsstellen in Tübingen. „Da sind Sie hier gut aufgestellt.“ Die Besucher des Infoabends am Mittwoch interessierte, ob noch weitere Anforderungen – wie etwa die Aufklärung über fairen Handel – an die Auszeichnung geknüpft seien. Das verneinte Bremer. Transfair freue sich jedoch, wenn Städte sich über die geforderten Kriterien hinaus engagierten. Als Beispiel für solche Fälle nannte sie die erste deutsche Fairtrade-Stadt Saarbrücken, die sie Anfang 2009 auszeichnete. Mittlerweile rüste die dortige Verwaltung ihre Präsentkörbe mit Artikeln aus dem Weltladen aus.

Ob die Saarbrücker diese Aktion aus purer Überzeugung gestartet haben, ist unklar. Schließlich versuchte die saarländische Landeshauptstadt im letzten Jahr, die bundesweit größte Ehrung des fairen Handels zu bekommen. Die verleiht die InWEnt gGmbH und heißt „Hauptstadt des fairen Handels“. Gewonnen hat dabei jedoch Marburg. Die Idee Städte auszuzeichnen, hat Transfair aus dem Vereinigten Königreich übernommen. Dort erhalten bereits seit dem Jahr 2000 Kommunen das Siegel. In Deutschland scheiterte ein früherer Kampagnenstart am fehlenden Personal. Als das Projekt endlich 2009 anlief, konnte sich Bremer vor Bewerbungen kaum retten. Neben ihr arbeiten mittlerweile noch eine Auszubildende und eine Praktikantin an der Aktion. Bis heute wurden 26 deutsche Städte ausgezeichnet. Allein drei davon in der letzten Woche. Weltweit gibt es bereits 750 Fairtrade-Towns.

Nicht nur Städte können mitmachen

Neben Städten zeichnet Transfair auch Kreise und Gemeinden aus. Das Dorf Rumbach hat zum Beispiel nur 480 Einwohner. Es brauchte nur einen Laden und eine Gaststätte, um das Siegel zu erhalten. Eine Schule gibt es in dem Ort gar nicht, sodass dieses Kriterium wegfiel.

Wie berichtet, war die erste Stadt, die in Baden-Württemberg die Auszeichnung bekam, Tübingens Nachbarstadt Rottenburg. Dazu meinte Lucke bereits bei der Ankündigung zu Tübingens Fairer Woche: „Was die können, können wir schon lange.“ Allerdings in diesem Fall – selbst wenn alles glatt läuft mit der Tübinger Bewerbung – über ein halbes Jahr später.

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24.09.2010, 12:00 Uhr

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