„Auch die Stars sind ganz menschlich“

Der temperamentvolle kroatische Mezzo Diana Haller (29) ist auf dem Weg zu einer großen Karriere. In Stuttgart hat sie in Bellinis „Puritanern“ Premiere.

07.07.2016

Von JÜRGEN KANOLD

Diana Haller hat morgen in Stuttgart Premiere. Foto: Martin Sigmund

ULM. Als Ensemblemitglied der Oper Stuttgart feiern Sie große Erfolge – und auch an der New Yorker Met waren Sie schon.

DIANA HALLER: Die Einladung war eine Ehre. Für Rossinis Cenerentola war ich das Cover von Joyce DiDonato. Wäre sie krank geworden, hätte ich einspringen müssen auf der größten Bühne der Welt!

Wie darf man sich das vorstellen: Sie machen die Proben mit und dann sitzen Sie vor den Vorstellungen nervös im Hotel und warten auf den Anruf?

HALLER: Man darf sich höchstens eine Viertelstunde von der Met entfernt aufhalten, aber ich war sowieso im Haus und schaute mir die Vorstellungen an, um zu lernen.

Bei den Salzburger Festspielen sangen Sie an der Seite von Anna Netrebko und Placido Domingo in Verdis „Trovatore“. Wie nahbar sind die Superstars?

HALLER: Sie sind ganz menschlich, normal. Sie haben eine so große Erfahrung! Domingo etwa, der ist ein netter, fröhlicher Kollege. Ja, ich habe ganz viel gelernt auf diesen Reisen. Aber nicht nur die großen Namen und Häuser sind wichtig. Manchmal sieht man auch einen Sänger, der sich auf der Bühne quält, und man sagt sich: So darf ich das nicht machen!

Am Freitag haben Sie in Stuttgart Premiere mit Bellinis „Puritanern“, was ist das Besondere an der Partie der Enrichetta?

HALLER: Sie ist die Witwe des Königs, eine extravagante Frau, sie sitzt im Gefängnis und wartet auf ihre Hinrichtung. Aber es gibt noch Hoffnung?.?.?. Die Enrichetta ist mein Einstieg ins schwere Belcanto-Fach, zum Glück keine so lange Partie, wobei es in der Regie von Jossi Wieler und Sergio Morabito keine kleinen Rollen gibt.

Sie machen eine internationale Karriere, vergessen aber auch Ihre Heimat Kroatien nicht.

HALLER: Natürlich bin ich eine Patriotin und traurig, dass Kroatien bei der Fußball-EM so früh ausgeschieden ist! Ja, ich nehme mir viel Zeit, in Rijeka oder auch Zagreb aufzutreten und mit Studenten zu arbeiten. Bei unserem slawischen Temperament ist die Gefahr groß, mit der Stimme zu drücken, zu laut zu singen. Aber beim Belcanto geht es nicht um laute Töne, sondern um die Klangfarben, auch um Pianissimi . . .

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Erstellt:
7. Juli 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Juli 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Juli 2016, 06:00 Uhr

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