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Es wird noch was kommen

Auch die beiden großen Kirchen in Horb verzeichnen dieses Jahr viele Austritte

Landauf, landab treten viele Menschen aus der Kirche aus – egal ob katholisch oder evangelisch. Auch Horb bleibt von diesem Trend nicht verschont. Schuld ist unter anderem eine Änderung des Steuergesetzes, die viele Bürger fälschlicherweise als Erhöhung interpretieren.

23.09.2014
  • Vincent Meissner

Horb. Die katholische Kirche in Horb ist alarmiert: „Auch wir sind betroffen“, sagt Pfarramts-Sekretärin Ursula Liebetanz. In den zurückliegenden acht Wochen gab es alleine 15 Austritte. „Das ist eine Menge“, sagt Liebetanz. „Das haben wir sonst nicht so.“ Schon jetzt ist die Katholische Seelsorgeeinheit Horb fast bei den Austrittszahlen angelangt, die 2013 am Ende des Jahres auf dem Papier standen. Damals waren es 48. Nun sind es um die 40. „Das werden dieses Jahr aber bestimmt noch um die 60“, prognostiziert Liebetanz. Denn: „Die Zahlen steigen Ende des Jahres immer noch etwas an. Da wird also noch was kommen.“

Liebetanz sieht verschiedene Gründe für die Austrittswelle: „Momentan sind es aber tatsächlich vor allem die Steuern“, sagt sie. Ab 2015 wird die Kirchensteuer auf Kapitalerträge wie beispielsweise Zinsen oder Aktiengewinne direkt von der Bank eingezogen. Bislang war es einfach zu schummeln. Das soll künftig schwieriger werden. Erhöht werden die Kirchensteuern allerdings nicht.

Per Brief fragt die katholische Kirche Austrittswillige nach ihren Motiven. Die Kirchensteuer ist generell häufig das Motiv für Kirchenaustritte. „Gerade bei jungen Leuten, die ins Berufsleben einsteigen und merken, dass da nun Geld weggeht“, sagt Pfarramts-Sekretärin Liebetanz.

Und dann wäre da noch das leidige Thema Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der Limburger Bischoff, der nach heftiger öffentlicher Kritik als „Protz-Bischoff“ sein Amt verlor. Viele Mitglieder kehrten der Kirche im Zuge dieses Skandals den Rücken. Zuvor hatte es mehrere Austrittswellen bei Bekanntwerden immer neuer Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gegeben.

Gemeindemitgliedern, die aus der Kirche raus wollen, bietet die katholische Kirche in Horb ein Gespräch an. „Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben“, sagt Pfarramts-Sekretärin Liebetanz. Allerdings sind dazu gerade mal etwa zehn Prozent bereit. Die meisten davon jedoch auch nur am Telefon. Nur ganz, ganz wenige willigen zu einem persönlichen Gespräch ein. Insgesamt hat die Seelsorgeeinheit Horb gut 8000 Mitglieder. Austritts-Schwerpunkte in bestimmten Gemeinden kann Liebetanz nicht feststellen.

Auch das evangelische Pfarramt Horb hatte zuletzt erhöhte Austrittszahlen zu verzeichnen: 25 Austritte waren es im Jahr 2013. Im ersten Quartal 2014 waren es allein neun Austritte. „Das sind außergewöhnlich hohe Zahlen“, sagt Pfarrer Michael Keller. Das zweite Quartal hat das Pfarramt Horb noch nicht ausgewertet. Aber grob geschätzt seien es fast doppelt so viele wie im Vorjahr, sagt Keller.

Er macht ganz ähnliche Gründe geltend wie Pfarramts-Sekretärin Liebetanz bei der katholischen Seelsorgeeinheit – vor allem die Änderung des Steuergesetztes. „Viele Leute denken fälschlicherweise, dass es sich um eine Erhöhung handelt“, sagt Keller.

Interessanterweise macht auch die Affäre um den Tebartz-van Elst der evangelischen Kirche zu schaffen. Obwohl die mit dem katholischen Limburger Bischoff gar nichts zu tun hat. „Es gibt wohl Leute, die nicht unterscheiden zwischen den Kirchen“, sagt Keller.

Auch bei der evangelischen Kirche bekommen diejenigen einen Brief, die austreten möchten. Allerdings melden sich auch dort nur relativ wenige zurück. „Ich bin nicht mit allen im Gespräch“, sagt Keller. Seine Mittel sind begrenzt: „Wir können nur versuchen, eine einladende Kirche zu sein.“

Auch die beiden großen Kirchen in Horb verzeichnen dieses Jahr viele Austritte
Dunkle Wolken auch über den Kirchen in Horb: Mehr Mitglieder als sonst sind in jüngster Zeit ausgetreten.Archivbild: Kuball

Zur Katholischen Seelsorgeeinheit Horb gehören die Gemeinden St. Konrad in Ahldorf, Zur schmerzhaften Mutter Gottes in Bildechingen, Heilig Kreuz in Horb mit St. Jakobus in Ihlingen, St. Stephanus in Isenburg, Herz Jesu in Mühlen, St. Gallus in Mühringen, St. Mauritius in Nordstetten und St. Johann Baptist in Rexingen.
Das Evangelische Pfarramt in Horb ist verantwortlich für die Betreuung der Gemeinden in Altheim, Bildechingen, Grünmettstetten, Isenburg und Nordstetten.

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23.09.2014, 12:00 Uhr

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