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Bittere Bohnen waren unbeliebt

Auch im Tropicarium des Botanischen Gartens reifen Kakaofrüchte

Seinen Produkten begegnet man gerade in der Weihnachtszeit besonders häufig, auch das Tübinger Schokoladenfestival dreht sich eigentlich nur um ihn: der Kakaobaum (Theobroma cacao).

15.12.2012
  • Alexandra Kehl

Tübingen. Der kleine Baum, der seinen Ursprung vermutlich in den Regenwäldern des Amazonasgebietes hat, gedeiht auch im Tropicarium des Botanischen Gartens. In der Nähe des Eingangs auf der linken Seite, umgeben von Epiphyten tragenden Stämmen, blüht er regelmäßig und trägt derzeit Früchte.

Bei ihrer Reife sind sie orangefarben und mehr als 20 Zentimeter lang. Darin liegen, eingebettet in weißes, süß schmeckendes Fruchtfleisch, zahlreiche bis 2,5 Zentimeter große Samen, die Kakaobohnen. Damit das typische Aroma entstehen kann, werden Fruchtfleisch und Samen nach der Ernte der Früchte einer Fermentation unterzogen, wobei das Fruchtfleisch zersetzt wird. Anschließend werden die Samen getrocknet und meist auf dem Seeweg in die Verarbeitungsländer transportiert.

Geröstet wird der Rohkakao im Verbraucherland. Aus den sehr fettreichen Samen wird nach Zugabe von Zucker und Gewürzen und nach vielfachem Rühren und Walzen der Masse Schokolade hergestellt. Die enthaltene Kakaobutter sorgt durch ihre besondere Fettsäurezusammensetzung für das angenehme Schmelzverhalten im Mund beim Schokoladengenuss.

Doch schon lange vor der Entdeckung Amerikas, wahrscheinlich schon vor mehr als 3 000 Jahren, verwendeten die Olmeken die Kakaosamen als Nahrung und Genussmittel. Bei den Maya und den Azteken wurden die Kakaobohnen mit Vanille, Chili und anderen Gewürzen zu einem schaumigen Getränk verarbeitet und dienten sogar als wichtiges Zahlungsmittel.

Das „braune Gold“ kam mit dem spanischen Eroberer Hernando Cortéz zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach Europa, stieß aber wegen des bitteren Geschmacks zunächst auf wenig Gegenliebe. Erst nachdem vermehrt Rohrzucker aus Zuckerrohr zum Süßen verfügbar war, fand Kakao in Europa immer mehr Anhänger. Er blieb jedoch lange sehr teuer und wurde in Apotheken verkauft.

Wer sich für die Quelle von Schoko-Nikolaus, Praline & Co interessiert, kann bei einem Besuch des Tropicariums in tropischem Klima das ganze Jahr über die winzigen Blüten, derzeit vor allem die noch grünen Früchte, entdecken. Die Blüten sind kaum einen Zentimeter groß, weiß und filigran gebaut. Sie entstehen in Büscheln an so genannten Fruchtpolstern direkt am Stamm oder größeren Ästen. Durch den besonderen Bau der Blüte ist Selbstbestäubung ausgeschlossen. Diese Arbeit übernehmen in der Natur winzige, zu den Mücken gehörende Insekten, Thripse oder Ameisen. Letztere kommen auch im Tropicarium vor, weshalb auch hier ohne gärtnerische Unterstützung immer wieder Kakaofrüchte reifen.

Auch im Tropicarium des Botanischen Gartens reifen Kakaofrüchte
Junge Frucht am Kakaobaum im Tropicarium des Botanischen Gartens. Bild: Kehl

Alexandra Kehl, die Kustodin des Botanischen Gartens der Universität Tübingen, stellt in dieser TAGBLATT-
Serie regelmäßig eine Pflanze des Monats vor. Mit Hilfe eines Hinweisschilds am Eingang des Gartens können die Besucher dieses Highlight gezielt aufsuchen.
Eine Infotafel neben der Pflanze gibt Aufschluss über deren Herkunft, über Besonderheiten und die Nutzung des Gewächses.

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15.12.2012, 12:00 Uhr

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