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Audi-Ingenieure müssen vier Wochen nachsitzen
In aller Welt verkauft Audi seine großen Wagen und hat sich in den USA Ärger eingeheimst. Foto: Audi
Abgasaffäre

Audi-Ingenieure müssen vier Wochen nachsitzen

Der zuständige US-Richter will am 1. Dezember konkrete Vorschläge haben, wie die großen Dieselmotoren auf legale Technik umgerüstet werden können.

04.11.2016
  • DPA

San Francisco/Ingolstadt. Wieder eine Frist für VW und Audi. Der US-amerikanische Richter Charles Breyer bescheinigte dem VW-Konzern gestern „erhebliche Fortschritte“ beim Versuch, eine Lösung für die großen Dieselmotoren zu finden, die in den USA von der Affäre um manipulierte Abgaswerte betroffen sind. Er sei „sehr optimistisch“. Breyer gab dem Autobauer bis zum 1. Dezember Zeit. Dann soll die Ingolstädter VW-Tochter Audi darlegen, wie die illegale Abgastechnik beseitigt werden soll.

Bislang war Audi im Abgas-Skandal relativ unauffällig im Schatten der Konzernmutter VW gefahren. Gestern aber sollte Audi dem zuständigen Gericht konkrete Vorschläge zur Beseitigung der illegalen Abgastechnik unterbreiten. An dieser Aufgabe sind die Ingenieure bisher gescheitert. Eine Lösung könnte womöglich teuer werden.

Worum geht es?

In den USA, wo „Dieselgate“ im September 2015 ins Rollen gekommen ist, hat sich die Affäre bislang vor allem um etwa 475 000 VW-Dieselautos mit 2,0-Liter-Motoren gedreht. Um den Abgas-Rechtsstreit beizulegen, hat VW mit US-Klägern einen Vergleich ausgehandelt: Bis zu 14,7 Mrd. Dollar (13,2 Mrd. EUR) sollen Kunden und US-Behörden erhalten, für weitere 1,6 Mrd. EUR entschädigt der Konzern Autohändler und US-Bundesstaaten.

Was ist noch offen?

Den Behörden zufolge haben auch rund 85 000 größere Dieselautos eine verbotene Abgastechnik an Bord. Deren 3,0-Liter-Motoren stammen von der Konzerntochter Audi, die sich deshalb darum kümmern muss. Auch in diesem Fall läuft alles auf einen teuren Vergleich hinaus. Nach monatelangem Abwarten hatte der US-Richter Charles Breyer Audi ein Ultimatum gestellt: Gestern wollte er detailliert erfahren, wie die Autos in einen legalen Zustand umgerüstet oder aus dem Verkehr gezogen werden können.

Warum braucht Audi so lange?

Die Vorwürfe gegen Audi waren erst später aufgekommen, deshalb hatte Breyer mehr Zeit für eine Einigung zugestanden. Zudem ist der Fall etwas anders gelagert. Obgleich die US-Behörden sowohl VW als auch Audi den Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung zum Austricksen von Emissionstests vorwerfen, sind die Programme nicht identisch. Audi wies die Anschuldigungen zunächst zurück und machte ein Versäumnis beim Zulassungsverfahren verantwortlich. Betrugsabsichten streitet man in Ingolstadt aber ab.

Was kann Audi tun?

Die Angelegenheit ist technisch hochkomplex, sagt der VW-Anwalt Robert Giuffra. Eine Umrüstung aller zehntausender Dieselautos scheint unmöglich, monatelanges Getüftel der Audi-Ingenieure war bisher vergeblich. Doch Breyers Geduld neigt sich dem Ende zu. Dass die Autos noch unterwegs seien, obwohl sie gegen US-Umweltrecht verstießen, hat er bereits im August als „untragbar“ bezeichnet.

Was für ein Szenario droht Audi?

Es geht in den Verhandlungen jetzt vor allem um die Frage, wie viele der 3,0-Liter-Autos – teure Dickschiffe wie Porsche Cayenne, VW Touareg und etliche Audi-Luxusmodelle – zurückgekauft werden müssen. „Man muss sich auf eine Größenordnung von 2 bis 4 Mrd. Dollar einstellen“, schätzt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer (Universität Duisburg-Essen). Er orientiert sich am Vergleich für die kleineren VW-Autos.

Audis Rückstellungen fallen bislang deutlich geringer aus. Doch letztlich würden die Kosten ohnehin bei der Volkswagen AG auflaufen. Sollte eine Einigung mit den US-Behörden ausbleiben, könnte Breyers Gericht einen Prozess gegen VW eröffnen. Dass sich VW doch noch auf der Anklagebank wiederfindet, gilt zwar als sehr unwahrscheinlich. Doch als Drohkulisse schwingt dieses Szenario weiter im Hintergrund mit, das machte Klägeranwältin Elizabeth Cabraser bereits deutlich. dpa

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04.11.2016, 06:00 Uhr

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