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Auerhahn-Volk um ein Viertel geschrumpft

Auerwild-Experten berichten von beunruhigender Artenschutz-Lage / Nationalpark könnte das Problem

Laut Klaus Roth besitzt Baiersbronn das größte und wichtigste Auerhuhngebiet weit und breit. Doch in der möglichen Nationalparks-Gemeinde ist der Höchststand mit 110 Auerhähnen im Jahr 2007 auf 83 Hähne aktuell um fast ein Viertel zurück gegangen.

04.11.2011

Von hpz

Unter den Fachleuten bei der Jahresversammlung des Auerwild-Hegerings vor wenigen Tagen in Besenfeld (von links nach rechts): Patrick Stader (Naturschutzzentrum Ruhestein), Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband, Charly Ebel, stellvertretender Leiter des Naturschutzzentrums Ruhestein, Klaus Roth, Biologe und Auerhuhn-Hegeringleiter der Kreisjägervereinigung sowie Forstdirektor Dr. Rudi Suchant von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg.Bild: hpz

Besenfeld. Dies entspricht leider der Entwicklung im ganzen Schwarzwald. Gründe für den Rückgang des Auerwilds sind laut Roth die tierischen Feinde wie Fuchs, Marder und Habicht, aber auch die zunehmende Verschlechterung der Habitatverhältnisse, aslo des „Wohnumfelds“. Das Zuwachsen der Lebensräume mit jungen Fichten ist hier ein Hauptfaktor.

Hegeringleiter Karl Günther aus dem Landkreis Calw berichtete von entsprechenden Entwicklungen. Der Hegeberater des Landesjagdverbandes, Johann Belsch, wurde konkret: „Die Füchse vermehren sich immer stärker. Eine Gefahr für das Auerhuhn ist aber auch das Rotwild, das dem Vogel die Früchte wegfrisst.“

Hauptredner in der Hegering-Versammlung war der Leiter der Arbeitsgruppe Rauhfußhühner, Dr. Rudi Suchant, von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg. Dieser äußerte sich vor allem zur Problematik des Auerwilds im geplanten Nationalpark und zu den Themen Windkraftanlagen (WKA) und Pumpspeicherkraftanlagen (PSKW). Suchant zu den Gründen für die Habitatsprobleme beim Auerwild: „Immer mehr Menschen wollen immer mehr von Natur und Wald haben. Gleichzeitig wollen alle an ihren Gewohnheiten festhalten.“ Sein Ratschlag: „Wir sollten das Auerhuhn als unser Auerhuhn sehen“; das Auerwild sei Kulturfolger großer, menschengemachter Wälder. Es erhalte dann eine Chance, wenn man ihm seinen zusammenhängenden Lebensraum positiv gestaltet, erläuterte Suchant. Der gesamte Schwarzwald sei zwischenzeitlich ein abgegrenzter, vernetzter Lebensraum mit einer Auerwild-Population von rund 600 Individuen (darunter 300 Hähne). Und um die müsse man kämpfen. Denn, wenn die momentane Entwicklung so weitergeht, werde das Auerhuhn in 100 Jahren im Schwarzwald ausgestorben sein.

Bei der Entwicklung des „Aktionsplans Auerhuhn“ wurde das landschaftsökologische Lebensraumpotenzial zunächst untersucht.Daraus entstand dann ein Flächenkonzept, das nun auch in der Diskussion um den Nationalpark „im Hinterkopf präsent sein sollte“, erinnerte Suchant. In diesem Aktionsplan sind auch die Kriterien für WKAs definiert.

Im Gegensatz zu den WKA liegen die vorgesehenen drei PSKW allerdings allesamt in kritischen Räumen, die das Auerhuhn benötigt. Vom Nationalpark betroffen seien indes alle Auerhuhnhabitate. „Die Zielsetzungen zur Habitatgestaltung müssen im Kontext zur Planung des Nationalparks stehen“, resümierte der Auerhuhnexperte. Er schloss seinen Vortrag mit einer schelmischen Frage: „Was hat die Schwarzwälder Kirschtorte mit dem Auerhuhn zu tun?“ Antwort: Sie haben beide dieselben Farben und sind Kennzeichen des Schwarzwalds.

Die anschließende Diskussion über die Problematik des Auerwilds sowie der regenerativen Energien und des Nationalparks wurde von Klaus Roth moderiert. Allerhand Fragen tauchten dabei auf: Wenn das Auerhuhn ein Kulturfolger der letzten 200 Jahre ist, was war dann vorher? Hat es vor 200 Jahren schon eine Borkenkäferbekämpfung gegeben?

Wieso war das Hitzejahr 2003 das beste Brutjahr des Auerhuhns? Könnten nicht WKA und PSKW sich verstärkt im Schwarzwald breit machen, wenn der Nationalpark so stark umstritten ist? Warum überhaupt die starken Aversionen? Soll in der Kernzone des Nationalparks der Urzustand nach der Eiszeit wieder hergestellt werden? Wer steuert den Wildbestand in der Kernzone?

Unter den Antworten: Auch ein Urwald, wie er im Schwarzwald einmal geherrscht hat, besaß Freiflächen; das Auerhuhn ist eben nicht nur ein Kulturfolger, es war schon vorher da.

In der fachlich fundierten Diskussionsrunde wurden die Meinungen über forstliche Erfahrungen bezüglich der Käferproblematik und der notwendigen Pflege von Auerhuhnschutzgebieten ausgetauscht. Zur Entwicklung eines Nationalparks bemerkte Charly Ebel: „Auch die Entwicklung braucht ein Maßnahmenkonzept, und niemand kennt den Wald so gut, wie die Förster, die ihn betreuen.“ Daher würden diese auch in das Konzept eines Waldumbaus eingebunden. Letztlich heiße das: „Wir stehen nach 2040 genau am Anfang.“ Um das Maximale für den Nationalpark herauszuholen, sollte man das Thema aktiv angehen, nachdenken, sich ein Bild machen und die nächsten 30 Jahre das Ganze einfach mitgestalten.

Schlussendlich lautete das Stimmungsbild im Saale etwa so, dass es zu früh ist, sich festzulegen und Fronten aufzubauen. Zuerst müsse das Gutachten der Landesregierung zum Nationalpark abgewartet werden. Man muss wissen, welche Flächen betroffen sind. Kreisforstamtsleiter Georg Jehle war die Definition von Zielen wichtig.

Er richtete daher die Bitte an die Förster, den Diskussionsprozess offen zu begleiten. Das Defizit an Grundlagenwissen müsse aufgearbeitet werden.

Laut Ebel wird kommendes Jahr erst eine Vorentscheidung getroffen. In den dann folgenden drei bis vier Jahren folgt die Detailplanung fußend auf dem vorhandenen Erfahrungswissen.

Anschließend beginne die Managementplanung. Und erst dann werde der Schritt zurück schwierig. Ein Konsens sei nichtsdestotrotz unabdingbar.

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Erstellt:
4. November 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. November 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. November 2011, 12:00 Uhr

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