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Biosphärengebiet (1): In Münsingen laufen die Fäden zusammen

Auf Pantoffeln im Kugelwald

Vor drei Jahren hat die Unesco das Biosphärengebiet Schwäbische Alb anerkannt und damit eine dynamische Entwicklung gefördert. Über 100 „Biosphärenpartner“ fühlen sich der Modellregion bereits verbunden. Ein Netzwerk von 16 Informationszentren vermittelt Einblicke in nachhaltiges Wirtschaften und die Pflege der Ressourcen.

09.08.2012
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Münsingen. Große Schilder am Straßenrand markieren seine Grenzen, Wegzeiger weisen die Richtung zu seinen Informationszentren. Das Wort „Biosphärengebiet“ ist sperrig zwar, doch längst ein alltäglicher Begriff. Regierungspräsident Hermann Strampfer ist sicher: „Es wird einmal chic sein, hier zu leben.“ Bei einem Pressegespräch am Dienstag im Pfullinger Trachtenmuseum sagte er aber auch: „Das Biosphärengebiet erschließt sich einem nicht sofort.“

Was aber macht denn nun das Biosphärengebiet Schwäbische Alb aus, das um den ehemaligen Truppenübungsplatz herum entstanden ist? Um das herauszufinden, lohnt es sich, die Internetseite www.biosphaerengebiet-alb.de und die unzähligen Prospekte zu studieren, die inzwischen aufgelegt wurden. Mehr noch empfiehlt es sich aber, eines der 16 Informationszentren zu besuchen.

Wer den Anfang in Münsingen-Auingen macht, steht gleich mitten im Zentrum des Biosphärengebiets. Von hier aus wird das Modellgebiet verwaltet. Hier wird entschieden, wer Informationszentrum sein darf und wer nicht.

In der Regel sind es bereits bestehende Initiativen und Einrichtungen, die als Partner gewonnen werden und als eine der wesentlichen Voraussetzungen ein spezielles Thema bearbeiten sollen und bereit sind, das Zentrum von Mai bis Oktober sonnt- und feiertags zu öffnen. Das Freilichtmuseum Beuren mit dem Thema Landwirtschaft gehört dazu wie Marbach mit seinen Pferden, Pfullingen mit dem Trachtenmuseum und das Naturschutzzentrum Schopfloch mit ökologischen Themen – aber auch das Reutlinger Umweltbildungszentrum Listhof, das etwas zur Stadtökologie, nachwachsenden Rohstoffen und zur Bildung für nachhaltige Entwicklung zu sagen hat.

Sogar die Rolle der Konfessionen wird nicht ausgespart. Wen das interessiert, ab nach Zwiefalten! Je nach Größe des Informationszentrums hat man es mit Ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Gesprächspartnern zu tun, mit Hauptamtlichen sicher im Münsinger Biosphärenzentrum. Das spezielle Thema dort ist der generalisierende Blick auf die Modellregion.

Sogleich im glashellen Foyer werden die Besucher von einer Kollektion an Produkten empfangen, die ihren Ursprung irgendwo im Biosphärengebiet haben: von Emmernudeln zum Beispiel, Palmischbirnenbrand, Weinen, Backerbsen nebst Gelee und Marmeladen – von Musmehl, einem grießig gemahlenem braunen Vollkornmehl aus geröstetem Dinkel und Weizen.

Eine mit Flyern gespickte Tafel verspricht Einblicke in das Leben von Hirschkäfer und Alpenbock und empfiehlt Wanderrouten nach Bad Urach, Sankt Johann, zur hohen Warte und ins Emstal. Noch aber hat der auf diese Weise in erste Nachhaltigkeitskriterien des Modellgebiets eingestimmte Biosphärenforscher das entscheidende Erlebnis vor sich. Es erschließt sich mit Filzpantoffeln im nächsten Raum: eine den ganzen Fußboden füllende Karte des Biosphärengebiets (Bild).

Schon durch ihre Dimension bemerkenswert, erweckt die mit mehreren Informationstafeln gerahmte Installation durch rund ein Dutzend Pins genannter Pflöcke mit kugelförmigen Köpfen den Eindruck zentraler Bedeutung. Und so ist es. An dieser Stelle befindet sich der alle Zentren repräsentierende Mittelpunkt des Informationsnetzwerks: jede Kugel mit Plexiglasaufsatz ein Informationszentrum mit jeweils einem Schwerpunktthema – interaktiv, versteht sich, und bewegend, je nachdem, welcher Knopf gedrückt und an welcher Kurbel gedreht wird. Und aus den Lautsprechern pfeift der Albwind.

Einen Raum weiter klopfen Spechte und zwitschern Vögel. Kopfhörer geben Hinweise an den Stationen. Die Geschichte des Truppenübungsplatzes und Gruorns wird aufgerufen, „Gschwätz“ von Städtern über Älbler und andersherum, das tägliche Energiebudget des Römersteiner Bürgermeisters Michael Donth – privat und beruflich.

Straßenverkehr, Pendlerströme, Warenströme, Versorgungsnetze, die Auswirkung von autofreien Sonntagen, Hengstparade und Schäferlauf – per Touchscreen werden an dieser Station die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verflechtungen sichtbar, eine andere verweist auf Biosphärenbotschafter und Blumenwiesenkönigin.

Ein Landschaftsmodell lässt auf Knopfdruck geologische Schichten sichtbar werden, „Highlights“ wie Berge, Klöster und Schlösser, und unterteilt die Nutzung von Grund und Boden in Wälder, Grün- und Siedlungsflächen – und in Streuobstgebiete. Ein stilisierter Buchenwald lädt zum Liegen unter einem Bildschirm ein. Gegenüber werden Waldmärchen erzählt.

Hier kann sich lange aufhalten, wer etwas über rotkernige Buchen erfahren will und über Forstwirtschaft ganz allgemein. Am Ende hat sich der Besucher an über 30 interaktiven Ausstellungselementen geschult und durchaus einen Eindruck von dem, was mit dem Biosphärengebiet gewollt ist. Im Übrigen helfen die zahlreichen Publikationen weiter, die am Tresen ausliegen.

Nun könnte sich ein Wunsch des für die Informationszentren zuständigen Tobias Brammer erfüllen: „Das Schönste wäre es, wenn sich Familien jetzt die gastronomischen Angebote der Alb schmecken lassen und sich dann in einem Freilichtmuseum über den Anbau von Alb-Laisen informieren würden.“

Auf Pantoffeln im Kugelwald

Auf Pantoffeln im Kugelwald
Ute Bletzinger, Mitarbeiterin im Münsinger Biosphärenzentrum, inmitten der Pins genannten und nur in Pantoffeln zu erreichenden Info-Kugeln. Jede verweist auf ein Informationszentrum und ein spezielles Thema für die Modellregion. Bild: Haas

Wer sich das Biosphärengebiet erschließen will, findet im Münsinger Biosphärenzentrum und den ihm angeschlossenen Informationszentren eine Fülle von Material. In unserer Serie stellen wir in lockerer Folge einige dieser Zentren vor. In dem heutigen Artikel geht es um das Münsinger Zentrum, in dem das Biosphärengebiet als Ganzes repräsentiert wird, während sich die Informationszentren auf jeweils ein Schwerpunktthema spezialisiert haben. Das Biosphärenzentrum Münsingen ist April bis Ende Oktober von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet und ab November bis Ende März von 11 Uhr bis 17 Uhr. Für Autofahrer ist die Strecke ab Münsingen ausgeschildert. Ansonsten ist die Haltestelle „Vorlager, Münsingen-Auingen“ drei Gehminuten vom Zentrum entfernt.
Siehe dazu auch www. biosphärengebiet-alb.de.

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09.08.2012, 12:00 Uhr

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