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Die Zwölfgötter von Rohrdorf

Auf Rohrdorfer Gemarkung wird eine Schau- und Informationstafel zur Götterhalle aufgestellt

Über den Beitritt der Gemeinde Eutingen zum Verein „Römerstraße Neckar-Alb-Aare“ hat in ihren Sitzungen der Eutinger Bezirksbeirat sowie der Gemeinderat der Gesamtgemeinde zu beraten. Im Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass im Gewerbegebiet Neuer Bahnhof in Nähe der ehemaligen Ausgrabungsflächen auf Rohrdorfer Gemarkung eine Schau- und Informationstafel zur Rohrdorfer Götterhalle aufgestellt wird.

25.02.2014
  • Rainer sattler

Eutingen. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Jürgen Trumm konnte vor mehr als zehn Jahren an dieser Stätte unerwartete Funde buchstäblich aus der Ackerkrume geborgen werden.

Intensive Vorarbeit hat die Gemeindeverwaltung zusammen mit Ortshistoriker Willi Schaupp in die Gestaltung dieser Tafel investiert, um möglichst viele Informationen über die Grabungsfunde darstellen zu können. Überschrieben ist die Tafel mit dem Titel: „Die Zwölfgötter von Rohrdorf – Nothelfer für Roms Weltreich“

Die zwölf olympischen Götter waren im Altertum Götterversammlungen großen politischen Gewichts. Oft wurden die Götter im Relief, als Gemälde und in Form von Statuengalerien dargestellt. Die Statuengruppe von Rohrdorf ist das einzig erhaltene Zeugnis einer großplastischen Statuenserie der Zwölfgötter aus dem Altertum. Sie entstand in den Jahren zwischen 166 und 213 nach Christus, als die hiesige Gegend Tel der römischen Provinz Obergermanien war. Die Fundstelle der Rohrdorfer Skulpturenfragmente liegt östlich des Neuen Bahnhofs von Eutingen. Kennzeichnend für die Anlage ist ein Platz von etwa 175 Meter in der West-Ost-Ausdehnung und etwa 200 Meter in der Nord-Süd-Achse. Die Ausgrabungen von 2001/2002 ergaben im Nordwesten der Anlage eine trapezförmiges Areal mit einer offenen, schmalen, 30 Meter breiten Halle mit zwölf Postamenten.

Die Skulpturenfragmente fand man in und vor dieser Halle, Inschriften konnte keine entdeckt werden. Der Fund umfasst einen Torso des Gottes Mars, acht Götterköpfe, drei Dutzend größere sowie hunderte kleine bis kleinste Fragmente vollplastischer Skulpturen. Sie waren aus Stubensandstein unterschiedlicher Qualität aus der Neckarregion zwischen Pliezhausen und Neckartailfingen gefertigt. Die Skulpturen weisen zwei Größen auf. Stilistisch datiert die größere Serie in die spätantoninische Zeit unter Kaiser Marcus Aurelius (nach 166 n.Chr.). Die Figuren waren um ein Viertel überlebensgroß.

Hierzu gehören Apollo, Diana, Hercules, Iuno, Mercurius und Venus. Vom Gott Mars fand sich ein von Pflugscharen angekratzter Torso. Aus unbekannten Gründen wurde das Heiligtum umgestaltet und fünf Götter in severischer Zeit (190 bis 213 n.Chr.) durch nur noch lebensgroße Figuren ersetzt. Zur kleineren Serie gehören Bacchus, Iuppiter, ein zweiter Mercurius, Minerva und Ceres.

Die flache Halle trug ein Pultdach, war nach hinten und an den Seiten geschlossen und öffnete sich dem Betrachter nach Südosten als eine überdachte Statuenreihe. Jede Gottheit hatte ihren eigenen Sockel. Die Göttergruppe war für den Besucher nur von vorne sichtbar.

Anlass der Stiftung des Rohrdorfer Heiligtums waren die Ereignisse der Krisenjahre um 166 nach Christus mit der aus dem Osten eingeschleppten Pest und dem Beginn der Markomannenkriege. Kaiser Marcus Aurelius veranstaltete in Rom mehrtägige Göttermähler zu Ehren der Zwölfgötter und erbat ihren Schutz für Rom. Damit nahm er ein Ritual aus dem Krieg Roms gegen Hannibal und Karthago auf. Am Forum in Rom stand eine Halle (Porticus) für die Zwölfgötter als vergoldete Bronzestatuen. Diese war das Vorbild für die Rohrdorfer Götterhalle.

Rohrdorf war kein normales Landgut (Villa rustica). Die Mischung von Sakral- und Profanbauten sowie das Übergewicht einer Sakralanlage im Nordwesten des Platzes sprechen vielmehr für eine Besonderheit dieser Gegend, die Rottenburger kaiserliche Domäne (Saltus Sumelocennensis). Hauptzweck einer solchen Domäne war die Versorgung der Truppe. Ein großer forumartiger Platz mit Bauten in der Mitte und einer seitlich angebauten Halle für die Zwölfgötter passte zur dieser kaiserlichen Domäne, deren Gelände zwischen dem Schwarzwald im Westen und dem Areal der Stadt Rottenburg (Sumelocenna) im Osten zu suchen ist.

Die Rohrdorfer Götterhalle stand bis zu den Jahren um 260, als die Römer in Südwestdeutschland den Alamannen weichen mussten. Die Alamannen haben die Figuren später zertrümmert, wenn man auch nicht weiß, wann das geschah, dies aber wohl auf der Suche nach Baumaterial. Glücklicherweise für die Archäologie blieb der Ort ohne spätere Bebauung. Deshalb konnten die Archäologen mit Grabungsleiter Dr. Jürgen Trumm um die Wende zum 21. Jahrhundert diesen sensationellen Fund bergen.

Ein Teil der Skulpturenfragmente sind als Abgüsse im Eutinger Rathaus während der Öffnungszeiten zu besichtigen. Die Schautafel bietet dem Betrachter eine Darstellung der Götterhalle, wie sie ursprünglich ausgesehen haben kann, daneben die Fundsituation der Götterhalle sowie Abbildungen der originalen Fundstücke.

Die Römerstraße Neckar-Alb-Aare führt von Köngen bis nach Windisch (Vindonissa) in der Schweiz, wo Dr. Jürgen Trumm umfangreiche Ausgrabungen leitet.

Auf Rohrdorfer Gemarkung wird eine Schau- und Informationstafel zur Götterhalle aufgestellt
So sieht die Schautafel aus, die auf die Zwölfgötter von Rohrdorf hinweisen soll. Repro: rs

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25.02.2014, 12:00 Uhr

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