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Radsport: Wunderschön, aber reifenmordend

Auf alten Stahlrössern durchs Chianti-Revier

Das Abenteuer der besonderen Art genoss am Wochenende eine Tübinger Radler-Gruppe bei der „Eroica“, einem Treffen von Radsport-Nostalgikern. „Es war ganz schön hart, aber ein tolles Erlebnis“, fasst Frank Hecht den sportlichen Ausflug ins malerische Chianti-Revier zusammen.

10.10.2012
  • Bernhard Schmidt

Tübingen/Gaiole di Chianti. Zu viert waren sie nach Italien gefahren, in der Gruppe zu viert, zeitweise begleitet vom italienischen Radsport-Idol Francesco Moser, meisterten sie die höchst anstrengenden 75 Kilometer durchs hügelige Weinland südöstlich von Florenz: Vater Ewald Hecht, die beiden Söhne Frank und Jochen sowie Andreas Stecker, ein Freund der Familie. Und sie konnten sich nach insgesamt 1900 Höhenmetern zufrieden auf die Schultern klopfen. Untrainierte sollten die 75 Kilometer, erst recht nicht die 135 oder 200 Kilometer-Schleife in Angriff nehmen, empfiehlt Ewald Hecht, mit 78 Jahren der Senior der Tübinger Gruppe. „Ebene Abschnitte gibt es nicht, es geht nur rauf und runter – ein anstrengendes, aber faszinierendes Erlebnis“, erzählt Ewald Hecht, der sich üblicherweise mit einigen tausend Trainingskilometern pro Saison fit hält.

Bei der „Eroica“ kommt erschwerend hinzu, dass die insgesamt fast 4000 Teilnehmer auf bis zu 90 Jahre alten Rad-Oldtimern an den Start in Gaiole di Chianti gehen – eine zusätzliche Herausforderung auf einer Strecke, die fast zur Hälfte über helle, nicht asphaltierte Schotterpisten führt, die sogenannten „Strade bianche“. „Die Piste ist reifenmordend“, hat Frank Hecht erlebt, der wie seine Teamkollegen auf über dreißig Jahre alten italienischen Rennrädern mit Stahlrahmen unterwegs war. Bei den Oldtimern werden die schlauchlosen Mäntel aufgeklebt und schlagen dann häufig in den Löchern der Schotterpiste durch. Schwierig auch, wenn der Radler auf der buckeligen Piste zum Schalten eine Hand vom Lenker nehmen muss. So waren Reifenpannen und Stürze keine Seltenheit.

„Ich bin lieber bergauf als bergab gefahren“, erzählt der 46-jährige Frank Hecht, „denn den Berg hinunter schmerzten die Hände vom Bremsen.“ Abgesehen von einem Platten an Jochen Hechts Rad, Marke „Alan“, kurz vor dem Start am Sonntagmorgen kamen die höchst vorsichtig fahrenden Tübinger ohne Pannen und Schrammen durch und nahmen im Ziel eine Urkunde in Empfang.

Mancher Sturz könnte auch durch allzu mutige Abfahrten verursacht worden sein, denn an den zahlreichen Verpflegungsständen wurde neben toskanischen Köstlichkeiten wie Oliven- oder Bruschetta auch Chianti-Rotwein gereicht. „Die Versorgung an den Ständen war super“, sagt Frank Hecht. Und überhaupt: „Da unten geht die ganze Region mit.“

Am Renntag fallen in der knapp 3000 Einwohner zählenden Gemeinde Gaiole inklusive dem Begleittross der Radler bis zu 7000 Menschen ein, darunter viele Amerikaner und Briten. Ein Wochenende lang dreht sich dann alles um die Rennrad-Oldies, um Fahrgestelle, Bremsen, Felgen und Zahnkränze. Auf dem historischen Markt ist dann zu bekommen, was längst unauffindbar schien.

Üblicherweise sind in Gaiole in der Mehrzahl Italiener am Start, die vielen ausländischen Interessenten reißen sich um wenige Startplätze. Deshalb waren die Tübinger auch ganz früh dran und haben nachts via Internet gebucht. „Eine halbe Stunde nach der Ausschreibung war das Teilnehmerfeld schon voll“, erinnert sich Frank Hecht.

Auf alten Stahlrössern durchs Chianti-Revier
Mit großer Übersetzung die Schotterpiste hinauf: das Hecht-Team (vorne Ewald, dahinter Jochen und Frank Hecht) auf buckeliger Schotterpiste. Nach gut fünf Stunden kam das Tübinger Quartett wieder ins Ziel in Gaiole.

Auf alten Stahlrössern durchs Chianti-Revier
Abgekämpft, aber glücklich an einem der vielen Verpflegungsstände (von links): Frank Hecht, Ewald Hecht, Andreas Stecker und Jochen Hecht.

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10.10.2012, 12:00 Uhr

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