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Urnengräber, Baumbestattungen, Gräber nach muslimischem Brauch

Auf dem Mössinger Stadtfriedhof kehrt der Zeitgeist ein

Damit die Mössinger ihrer Heimatstadt auch über den Tod hinaus erhalten bleiben, plant die Stadt einige Neuerungen auf ihrem Friedhof.

20.06.2012
  • Eike Freese

Mössingen. Die Reihen auf dem Mössinger Friedhof lichten sich zusehens, wenn die Angaben des Bestattungsunternehmers Jochen Werner stimmen: Etwa zehn Prozent der Beisetzungen, meldet Werner, wandern derzeit auf Friedhöfe in anderen Kommunen ab. Weil der Mössinger Friedhof, so wird vermutet, Menschen auf der Suche nach einem Grab nicht das bietet, was sie suchen: Auswahl nämlich.

„In großen Städten ist der Trend ganz deutlich, in kleineren jetzt auch wahrnehmbar“, sagt Sigrid Herrmann von der Mössinger Friedhofsverwaltung. „Die Bestattungskultur in Deutschland ändert sich und wird immer vielfältiger.“ Am Montagabend stellte Herrmann die Ideen der Stadt für einen bunteren Friedhof dem Bau- und Umweltausschuss vor. So soll jetzt im Einzelnen geprüft werden:

Wie kann ein Gemeinschafts-Urnen-Grabfeld in Mössingen aussehen? Städte wie Tübingen bieten die Bestattungsform bereits an, sie gilt als etabliert. Dabei werden – anonym oder nicht – mehrere Urnen an einem mehr oder weniger gestalteten Ort aufbewahrt. Häufig wird versucht, die Orte kunsthandwerklich aufzuwerten und mit Namen wie „Fluss der Zeit“ zu versehen. Das ist Geschmackssache. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Charme des Parks damit zerstören“, warnte deshalb Rätin Gabriele Dreher-Reeß (Grüne) bei der Aussprache. „In Tübingen etwa gibt es ganz gefühllos gestaltete Anlagen.“

Wie ist die Idee der Baumbestattung in Mössingen und Belsen umsetzbar? Hier werden Urnen unter neu zu pflanzende oder bereits ausgewachsene Bäume platziert. Auch diese Bestattungsform kann, muss aber nicht anonym erfolgen. Ein metallenes Buch mit Gravuren neben einem Baum auf dem Ofterdinger Friedhof gilt der Stadt als geschmackvolles Beispiel für die Gestaltung dieser Bestattungsform. Vorteil Mössingen: Baumbestattungen würden der vorhandenen Gestaltung des Friedhofs entsprechen und kaum ins bisherige Ambiente eingreifen. „Wir machen die Baumbestattungen anstatt eines Friedwaldes“, wirbt OB Michael Bulander für den Plan. Friedwälder wie der in Entringen etwa gelten derzeit als große Konkurrenz und als ein Grund für den Exodus der Bestattungen in Mössingen.

Das Land Baden-Württemberg hat mit Änderungen im Bestattungsgesetz die Bestattung nach muslimischem Brauch erleichtert. Die aktuelle Landesregierung will mit der Aufhebung der Sargpflicht einen weiteren Schritt in diese Richtung tun. Noch, so Gorden Richter vom Bereich Hochbau, würden gerade viele ältere Muslime in den Herkuntfsländern bestattet, auch begünstigt durch preiswerte Versicherungen. Die Stadt Mössingen rechnet aber mit großer Nachfrage in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, wenn die derzeit jüngeren Generationen eine letzte Ruhestätte in ihrer deutschen Heimat suchen.

Der Bau- und Umweltausschuss stimmte am Montag der Planung eines Urnengrabfeldes zu. Ein Konzept zur Baumbestattung soll erstellt, der Bedarf für ein muslimisches Grabfeld geprüft werden. Auch die Möglichkeit für einen eigener Platz für Früh- und Fehlgeburten steht im Raum.

Auf dem Mössinger Stadtfriedhof kehrt der Zeitgeist ein
Konkurrenz im Kreis: Friedwald bei Entringen.

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20.06.2012, 12:00 Uhr

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