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10 Tipps für Ihre Filmtage-Planung

Auf dem Wasser, in der Wüste, durch die Wand

Knapp 100 lange und kurze Filme stehen auf dem Spielplan der 32. Französischen Filmtage. Wir haben zehn für sie ausgesucht, die viel versprechen.

05.11.2015
  • tol

Auf dem Wasser, in der Wüste, durch die Wand

Nur fliegen ist schöner

Comme un avion: Es ist Liebe auf den ersten Blick, als der in der Midlife-Krise steckende Michel (Bruno Podalydès, auch Regie) ein Foto von einem Kajak sieht - schließlich sieht es beinahe aus wie eines jener altertümlichen Flugzeuge, für die sich der Mittfünfziger schon immer begeistert hat. Sogleich beschafft er sich im Internet einen Bausatz, montiert ihn auf dem Dachboden zu einem schwimmbaren Untersatz und wagt sich, nachdem seine Frau ihm Mut zugesprochen hat, in die freie Wild(wasser)bahn - auf einen Trip voller skurriler Begegnungen, die sein Leben verändern. "Eine federleichte und doch hintergründige Komödie, vollgepackt mit visuellen Ideen und entzückendem Geplänkel" (Hollywood Reporter).

Auf dem Wasser, in der Wüste, durch die Wand

Auf der Flucht

Dheepan: Nah am Puls der Zeit, erzählt Frankreichs Regie-Star Jacques Audiard in seinem Cannes-Winner von einem Mann, der vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat Sri Lanka nach Frankreich flieht. Gemeinsam mit einer jungen Frau und einem kleinen Mädchen, die er als seine Familie ausgibt, strandet er in einer Pariser Vorstadt, wo er alsbald gezwungen ist, sich und seine Schein-Angehörigen gegen das repressive Regime eines Bandenchefs zu verteidigen. Dabei kommt ihm zugute, dass er in Sri Lanka Mitglied einer Rebellenmiliz war. "Das Flüchtlingsdrama erzählt nicht nur von der Desillusion, sondern ist auch eine rührende Liebesgeschichte, in der zwei einsame Menschen zueinander finden" (Süddeutsche Zeitung).

Der perfekte Todesschrei

Realité: Als House-Musiker (Mr. Oizo) war Quentin Dupieux bereits eine große Nummer, als er vor zehn den Wechsel zum Kino vollzog. Mit "Rubber", einem Thriller über einen mordenden Autoreifen wurde er zu Frankreichs führendem Underground-Filmemacher. Diesem Ruf wird er auch mit seinem neuen Opus gerecht. "Realité" handelt vom Möchtegern-Regisseur eines Horrorfilms, der davon besessen ist, den perfekten, wahrhaft Oscar-reifen Todesschrei zu kreieren. Und das ist nur eine von mehreren Episoden, die Dupieux aufs Absurdeste miteinander verzwirbelt. "Eine brillante Verwirrung der Wahrnehmung. Dupieux rüttelt an den Gewohnheiten unseres sensualistischen Realitätssinns" (Deutschlandfunk).



Auf dem Wasser, in der Wüste, durch die Wand

Dick und Dünn im Tal der Toten

Valley of Love: Nach 35 Jahren (damals "Der Loulou") haben sich Isabelle Huppert und Gerard Depardieu wieder zu einem gemeinsamen Film zusammengerauft. Die Altstars spielen seit langem getrennt lebende Eheleute, die jeweils einen Brief von ihrem jüngst verstorbenen Sohn erhalten: Sie sollen sich zu einer bestimmten Zeit im glühend heißen kalifornischen Death Valley einfinden; dort werde er ihnen nochmals erscheinen. "Der Dicke und die Dünne schreien sich an, mal liegen sie sich heulend in den Armen - bis sie sich schließlich auf einen Trauermodus einigen können, nicht nur über den verlorenen Sohn, sondern auch über ihre verlorene Liebe" (Spiegel).

Liebe geht durch die Wand

Un peu, beaucoup, aveuglément: Kann man sich lieben, ohne sich je gesehen zu haben? Im Regie-Debüt des Schauspielers Clovis Cornillac ("Asterix") ist das so. Machin und Machine, wie die beiden sich nennen, leben zwar Tür an Tür, laufen aber immer aneinander vorbei. Durch die hauchdünne Wand kommt es indes alsbald zum Streit, weil die Pianistin ausgiebig für einen Wettbewerb übt, während der mürrische Erfinder komplizierter Rätselspiele auf absolute Ruhe angewiesen ist. Doch nach einiger Zeit mündet der Zoff in eine Amour par distance. "Man kann davon träumen, was Lubitsch aus dem Stoff gemacht hätte, und kommt trotzdem nicht umhin, diesen schönen Film mit seinen reinen Absichten zu mögen" (Première).

Nachts auf dem Parkplatz

Jamais de la vie: Wieder einmal spielt der große belgische Charaktermime Olivier Gourmet einen vom Leben gebeutelten Mann. Franck war früher ein stolzer Facharbeiter und engagierter Gewerkschafter. Jetzt, mit 52 Jahren, fristet er ein trostloses Dasein als Nachtwächter eines Supermarkts in der Vorstadt. Eines Nachts bemerkt er einen verdächtigen Geländewagen auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums - und ergreift die Chance, seinem öden Leben einen Drall ins Aufregende zu geben. "Ein Hybrid aus Thriller und Sozialdrama vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise - mit einer vieldeutigen Moral" (Cineuropa).

Auf dem Wasser, in der Wüste, durch die Wand

Torwart oder Vater?

Keeper: Gibt's denn in Frankreich keinen Sexualkundeunterricht? Jedenfalls ist die 15-jährige Mélanie, kaum hat sie sich zum ersten Mal verliebt, auch schon schwanger. Das Mädchen will das Kind unbedingt behalten, ganz im Gegensatz zu ihrem gleichaltrigen Freund. Maxime fühlt sich zu jung und fürchtet um seine Karriere als Fußballtorhüter. Nach vielen teils abrupten Meinungswechseln ringen sich die beiden schließlich zu einer gemeinsamen Entscheidung durch. "Ein beeindruckendes Filmdebüt, das den Sturm der Pubertät einfängt, ohne selbst ein Urteil zu fällen oder den Zuschauer zu bevormunden" (Exclaim).

Auf dem Wasser, in der Wüste, durch die Wand

Zähmung eines Wüterichs

La tête haute: Malony, die Hauptfigur des diesjährigen Eröffnungsfilm von Cannes, ist ein Satansbraten. Der Teenager wächst bei seiner drogensüchtigen Mutter auf, die völlig überfordert mit seiner Erziehung ist und ihm keine Grenzen aufzeigt. Während er seinen Hass nicht unter Kontrolle bekommt, Schule schwänzt und Autos klaut, versuchen eine Jugendrichterin (Catherine Deneuve) und ein Sozialarbeiter (Benoît Magimel) über Jahre hinweg, dem Jungen eine Perspektive zu vermitteln. "Der Film ist zugleich ergreifend und nüchtern, gewalttätig und romantisch, sozial engagiert und sinnlich" (L'Express).

Ein Toter geht auf Tour

Je suis mort mais j'ai des amis: Wer sich zu einer Komödie aus Belgien einfindet, muss wissen: Es wird schrill und derb. In dieser wollen vier alternde Rockmusiker mit einer Tournee durch die USA endlich den Durchbruch schaffen. Dass kurz vor dem Aufbruch der Leadsänger auf groteske Art ums Leben kommt (aber in der Urne trotzdem mitfliegt), ist nur der Auftakt zu einer Reihe irrwitziger Ereignisse, die den Trip ins Ungewisse flankieren. "Völlig losgelöst von dramaturgischen Konventionen erzählen die Brüder Malandrin ihre wüste Story mit anarchischem Witz" (Programmkino.de).

Eroberung einer Unnahbaren

Les deux amis: Im Regie-Debüt des Schauspielers Louis Garrel ("Die Träumer") verliebt sich Filmstatist Clément in Mona, die am Bahnhof belegte Brötchen verkauft. Doch die junge Frau weist seine Avanacen zurück, denn sie verbringt, was niemand wissen soll, ihre Nächte im Gefängnis. In seiner Not bittet Clément seinen besten Freund, ihm bei der Eroberung der Unnahbaren zu helfen. "Ein fröhlich lyrisches, manchmal bewusst extravagantes Werk, das von den ersten Szenen an ein rasantes Erzähltempo mit Humor und Zärtlichkeit verbindet" (Arte).

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05.11.2015, 12:00 Uhr

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