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Der Landkreis Tübingen ist Pate der leuchtenden Lurche

Auf den Frosch gekommen

Die Winzlinge sind nur 3,5 bis fünf Zentimeter groß. Doch ihre Stimme reicht bis zu zwei Kilometer weit. Deswegen liegen die renaturierten Tümpel für die Laubfrösche im Kreis Tübingen fern von Siedlungen.

29.08.2012

Von Ute Kaiser

Kreis Tübingen. „Wir wollen den Artenschutz an die Leute ranbringen“, sagt Carsten Dehner vom Tübinger Regierungspräsidium (RP). Deshalb wäre eine zu große Nähe zwischen Menschen und Tieren „kontraproduktiv“ und Konflikte programmiert. Denn die leuchtend grünen und glänzenden männlichen Exemplare der Hyla arborea können in April- und Mainächten, wenn sie ihre Reviere durch Rufe abgrenzen, ganz schön nerven. Sie haben „die lauteste Stimme unter den mitteleuropäischen Lurchen“, so das RP.

Neue Lebensräume für den Lurch-Nachwuchs

Bisher sind dem Pressereferenten keine Klagen bekannt. Obwohl in Reusten und Altingen schon 2010 und im vergangenen Jahr Tümpel angelegt worden sind. Ein weiterer soll im Herbst bei Bad Sebastiansweiler ausgehoben werden. Er ergänze „das Netz der Kleingewässer“, die vor elf Jahren bei der „Biotopvernetzung Bodelshausen geschaffen und mittlerweile vom Laubfrosch als Lebensraum angenommen wurden“, wie das RP mitteilt.

Auf Initiative des RP fördert der Landkreis die Renaturierung oder Schaffung von Tümpeln. Denn die Weibchen legen ihren Laich in fischfreien Kleingewässern ab, die von der Sonne beschienen werden. Derzeit können dort die jungen Laubfrösche beim Sonnen an Schilfhalmen beobachtet werden. „Zum Überwintern“, so das RP, „ziehen sie sich in Stein- und Bodenspalten, Baumhöhlen oder Erdhaufen zurück, bevorzugt an Laubbäumen.“

Weil Tümpel schnell zuwachsen, die Fachleute sprechen von Verlandung, haben sich Naturschutzgruppen im Kreis um den Lebensraum der Laubfrösche gekümmert. Ortsgruppen des NABU baggerten verlandete Tümpel in Ofterdingen, Bodelshausen und Tübingen aus und entfernten größere Gehölze – finanziell unterstützt vom Landkreis.

Biologische Vielfalt und Flaggschiff-Arten

Die Patenschaft für die Laubfrösche geht auf eine Aktion der baden-württembergischen Landesregierung aus dem Jahr 2008 zurück: den „111-Arten-Korb“. Ihr Ziel ist, die Lebensraumbedingungen und die Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zu verbessern. Die Zahl 111 wurde ausgewählt, „um die Liste der Arten überschaubar zu halten“, schreibt das RP. Ausgewählt wurden solche, die im Bestand gefährdet sind, aber mit großen Teilen ihrer Gesamtpopulation im Bundesland vorkommen.

Ein anderes Kriterium war laut RP das Vorkommen von „Flaggschiff-Arten“. Hier wirkt sich die Förderung „auch für viele weitere Arten positiv aus, weil sie den gleichen Lebensraum bewohnen“. Zum Programm der Aktion zählt aber auch die Öffentlichkeitsarbeit.

Der Zollernalbkreis ist Pate der Wanstschrecke (einer Heuschrecke), der Landkreis Reutlingen hat den Alpenbock auserkoren.

Auch junge Laubfrösche im Kreis Tübingen lieben die Sonne. Bild: Döler

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Erstellt:
29. August 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. August 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. August 2012, 12:00 Uhr

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