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Manuel Rongen und der glitzernde Schatz im Boden

Auf der Oberen Viehweide kam Rhätsandstein ans Licht

Dem wunderschönen, glitzernden Rhätsandstein, der unter der Erde auf der Oberen Viehweide liegt, hätte beinahe das selbe Schicksal gedroht wie all dem anderen Gestein, das bei Baustellen ausgebuddelt wird. Er wäre einfach weggeschmissen worden. Dank Natursteinpark-Betreiber Manuel Rongen wird er nun aber verbaut. Vielleicht sogar im historischen Rathaus.

30.10.2014
  • Sabine Lohr

Tübingen. „Ein ganz, ganz toller Stein“ sei der Tübinger Rhätsandstein, schwärmt Manuel Rongen. Nicht nur, weil der hellbraune bis gelbliche Stein so schön glitzert, sondern weil er so widerstandsfähig ist. „Die Tische der Tübinger Chemiker waren früher aus Rhätsandstein, weil dem nicht mal Säure was ausmacht“, so Rongen. Keine Eiseskälte, kein Wasser, nichts kann dem stark quarzhaltigen Baumaterial etwas anhaben. Darum – und weil er geschickterweise in Tübingen abgebaut wurde – hat man ihn auch früher schon gerne verwendet. Die Sockel alter Bürgerhäuser, Unigebäude und des historischen Rathauses sind aus Rhätsandstein gebaut. Und auch für Mauern eignet er sich gut, wie etwa in der Mühlstraße zu sehen ist.

Bis vor etwa fünf Jahren noch wurde Rhätsandstein im Pfrondorfer Hägnach abgebaut. Aber der Steinbruch Nagel dort war nicht die einzige Abbaustelle in Tübingen: Vor rund 120 Jahren wurde auf der Oberen Viehweide ein Steinbruch aufgegeben. Im Laufe der Jahre hat er sich mit Wasser gefüllt, das vor etwa zwei Monaten abgepumpt wurde. Denn an genau dieser Stelle baut jetzt das Max-Planck-Institut.

„Die Erdbaufirma hat mich vor zwei Monaten angerufen und mir dann das Bodengutachten geschickt“, berichtet Rongen. Laut diesem Gutachten liegen rund 40.000 Tonnen Rhätsandstein in der geplanten Baugrube. „Die hätte man ausgebaggert und weggeschmissen“, sagt Rongen – und ärgert sich maßlos darüber. „Da baut man für teures Geld neue Steine ab oder kauft sie im Ausland, statt das zu verwenden, was aus dem Boden kommt.“ Ökologischer Wahnsinn sei das, findet er. Und in Tübingen doch eigentlich undenkbar. „Man darf kein Papier wegschmeißen und kein Glas. Aber so wertvolle Steine darf man einfach wegwerfen.“

Also kauft er der Erdbaufirma den Rhätsandstein ab. Doch wohin damit? In seinem Natursteinpark will Rongen die Steinblöcke nicht haben. „Ich muss ja aus dem Schindhau weg. Außerdem hab ich den Behörden versprochen, den Bestand zu reduzieren und nicht aufzubauen.“ Rongen fragte bei der Stadtverwaltung nach und bekam prompt Antwort und Unterstützung, sowohl von Oberbürgermeister Boris Palmer als auch von Baubürgermeister Cord Soehlke und etlichen Mitarbeitern.

Ganz schnell fand sich dann auch eine Lösung. Die ersten Steine liegen nun schon in Bühl auf dem Siemens-Erweiterungsgelände. Für zwei Jahre hat Rongen die Lager-Erlaubnis bekommen, mit der Option auf Verlängerung.

Soehlke hatte auch gleich eine Idee, wie man den Rhätsandstein verwenden könnte: Als Bodenbelag im historischen Rathaus. Ob daraus etwas wird, hängt allerdings an mehreren Unwägbarkeiten. Zusägen ließe sich der Stein durchaus, aber „wir brauchen genügend große und gesunde Steine dafür“, sagt Rongen. Und es muss schnell gehen, denn die Bauarbeiten im Rathaus sollen wegen des Bodenbelags nicht ins Stocken geraten.

Für Tübingen, findet Rongen, wäre es toll, wenn das Rathaus diesen Bodenbelag aus Tübinger Gestein hätte. Und für ihn ganz besonders: „Ich wäre unheimlich stolz darauf, wenn dort unsere Steine verbaut würden.“

Auf der Oberen Viehweide kam Rhätsandstein ans Licht
Manuel Rongen mitten in der Baugrube des MPI-Neubaus mit Rhätsandstein aus dem alten Steinbruch.

Für sein Betriebsgelände im Schindhau-Wald hat Manuel Rongen keine Genehmigung. Die Behörden drängen deshalb darauf, dass er bis 2019 das Gelände geräumt hat. Die Suche nach einem neuen Areal war bisher aber erfolglos: „Ich habe mir 148 Plätze angeschaut“, sagt Rongen. Doch einen Betrieb, der etwa zwei Hektar Fläche braucht und nur wenige Mitarbeiter hat, will keine Kommune haben – „obwohl alle die Idee hinterm Betrieb gut finden“, so Rongen. Ein Grundstück in Tübingen werde zur Zeit noch auf seine Tauglichkeit als Natursteinpark geprüft. „Aber wenn sich das auch zerschlägt, muss ich den Betrieb wohl abwickeln.“

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30.10.2014, 12:00 Uhr

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