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Auf der Straße erschossen
Polizei bei der Spurensicherung in der Nacht auf Mittwoch: In dem Wohngebiet in Bissingen ist ein 35-jähriger Mann erschossen worden. Foto: dpa
35-jähriger Kampfsportler tot vor seinem Haus aufgefunden - Polizei rätselt über Hintergründe

Auf der Straße erschossen

Ein 35 Jahre alter Mann ist in der Nacht zum Mittwoch in Bissingen erschossen worden. Nachbarn fanden ihn gegen 22 Uhr vor seinem Haus. Der unbekannte Täter ist flüchtig, die Hintergründe sind völlig unklar.

14.04.2016
  • JULIA SCHWEIZER

Bietigheim-Bissingen. Stille liegt am Mittwochmorgen über dem Wohngebiet in Bissingen - ein krasser Gegensatz zu dem, was sich nur wenige Stunden zuvor in der Wolf-Hirth-Straße abgespielt hat. Dort hatte gegen 22 Uhr ein Unbekannter mehrere Schüsse auf einen 35-Jährigen abgefeuert, der vor den Parkplätzen eines Mehrfamilienhauses gerade aus seinem dunklen Familienwagen stieg. Laut Polizei fanden Anwohner den Mann, Betreiber einer Kampfsportschule mit Sitz in Stuttgart-Neugereut, tot auf dem Gehweg - kurz vor seinem 36. Geburtstag am 13. April, wie aus den Meldedaten auf einer Boxkampf-Seite hervorgeht.

Zeugen wollen gesehen haben, wie der maskierte, etwa 1,75 Meter große und mit Jogginghose und Kapuzenpullover bekleidete Täter zu Fuß in Richtung Panoramastraße flüchtete. Die Polizei löste eine Fahndung mit rund 100 Einsatzkräften und Hubschraubern aus.

In Ludwigsburg wurde eine 45-köpfige Sonderkommission eingerichtet. Der Täter ist bislang unbekannt, ebenso das Motiv, sagen die Ermittler, die sich sonst bedeckt halten. Gerüchte machen die Runde, es handle sich um einen Racheakt oder es gehe um kriminelle Machenschaften. Auch dazu sagt die Polizei nichts, nur: Der Mann sei polizeilich nicht derart in Erscheinung getreten, dass sich ein Zusammenhang mit der Tat vermuten lasse. Vor Jahren habe es aber mal "eine Eigentumsgeschichte gegeben, ich glaube, es ging um Hehlerei", sagt Sprecher Peter Widenhorn.

Am Mittwochmorgen sind nur noch wenige Polizisten vor Ort. Neugierig stehen einige Männer einige Meter entfernt auf einem Firmengelände - sie sind, neben der Presse, die einzigen, die beobachten, was sich tut. Sie sehen, dass eine kleine Fläche rund um die Parkplätze und den Hauseingang abgesperrt und mit Kreide auf dem Gehweg markiert ist, wo das Opfer lag und sein Auto stand. Ein Streifenwagen steht vor dem Haus. Kurz nach neun Uhr biegt die Ablösung mit einem Kleinbus in die Wolf-Hirth-Straße ein.

Wenig später trifft auch die Spurensicherung ein - in der Nacht war schon die Bereitschaft vor Ort gewesen. Ein Beamter entfernt das rot-weiße Band, um von einer Leiter aus Übersichtsbilder zu machen.

Eine Anwohnerin, die zu ihrem Auto will, berichtet, sie habe die nächtlichen Schüsse gehört, den Lärm aber nicht einordnen können. "Ohje, da sind aber viele Böller los", habe ihr Sohn zu ihr gesagt. Erst später bekam sie mit, was geschehen war.

Die Kriminaltechniker haben unterdessen eine Lampe und einen Metalldetektor aus ihrem Transporter geholt. Immer wieder piept es, während der Mann mit dem Gerät die Büsche und die Ritzen der Bordsteine vor dem Haus absucht, die Frau greift immer mal wieder ins Gestrüpp. Irgendwann zeigen sie auf einen Baum, gehen auf das Nachbargrundstück, wo ebenfalls ein Mehrfamilienhaus steht, hinter eine hohe Hecke. Und fotografieren in die Mülltonnen. Sie sollen "weitere Spuren sichern", erklärt eine Polizeisprecherin später. Angaben darüber, ob etwas, wie etwa Patronenhülsen, gefunden wurde, könne sie nicht machen.

Gegen zehn Uhr trifft ein Mann mit Frau und zwei kleinen Kindern ein. Er stellt sich als Geschäftspartner und bester Freund des Toten vor, "alles zusammen", sagt er und schnauft schwer. Er könne sich nicht erklären, was da geschehen sei. "Er war bei allen beliebt", sagt er, sichtlich betroffen. Langsam geht er mit seiner Familie fort, um von der anderen Seite aus näher zum Hauseingang zu kommen, ehe auch die kleine Gruppe hineingeht.

Die Kampfsportschule der beiden Männer war in der Nacht schon überprüft worden, bestätigt eine Polizeisprecherin. Bilder einer Presseagentur zeigen eine versiegelte Tür zu der Einrichtung im Untergeschoss eines Wohnblocks, in der vor allem Boxen, Kickboxen und Mixed Martial Arts ("Gemischte Kampfkünste") sowie Selbstverteidigung unterrichtet wurde. Die Homepage des Clubs weist den Toten als Meister im Kickboxen bis auf Weltebene aus, er habe Boxerfahrung in der Bundesliga und sei schon in seiner Jugend Kasachischer Meister gewesen, ist dort zu lesen. Er sei zudem geprüfter Personenschützer und habe eine Waffensachkundeausbildung, die Grundvoraussetzung sei, um eine Waffenbesitzkarte bei den Behörden zu beantragen. Gearbeitet habe er bei einer Securityfirma, heißt es beim Boxverband Baden-Württemberg, der die Tat schon auf seiner Homepage vermeldete. Im Verband sei er als ein "sehr engagierter Trainer" bekannt gewesen, der gute Arbeit geleistete habe.

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14.04.2016, 06:00 Uhr

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