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Auf der Suche nach dem  Glück
Cover Foto: Propyläen
Literatur

Auf der Suche nach dem Glück

Autoren aus 57 Ländern schreiben über eine bessere Welt. Ein ungewöhnliches Buchprojekt.

29.04.2017
  • HELMUT PUSCH

Ulm. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa? Die kennt man, wenn etwa Wahlen beaufsichtigt werden müssen. Doch als Kulturinstitution? Da ist die OSZE eher eine Unbekannte. Zumindest bislang. Denn jetzt hat sie ein Literaturprojekt angestoßen. „Glückliche Wirkungen“ heißt es, und es zitiert damit eine Passage aus einem Brief Goethes an Schiller: „Sein Jahrhundert kann man nicht verändern, aber man kann sich dagegen stellen und glückliche Wirkungen vorbereiten.“ Alida Bremer und Michael Krüger haben das Buch herausgegeben und das Thema ausgewählt, angestoßen hat das Projekt aber Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, als er noch Außenminister war. Eine Anthologie wünschte er sich, um an das Jahr 2016 zu erinnern, in dem die Bundesrepublik der OSZE vorgestanden hatte: mit Beiträgen von Autoren aus allen Mitgliedsländern.

Gar keine so einfache Aufgabe, erklärte Alida Bremer bei der Vorstellung des Buches im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm, das sich der deutschen Kultur in Südosteuropa widmet. „In Italien oder Spanien gibt es tausende von guten Autoren, aber in San Marino oder Andorra?“ Letztlich seien sie und Michael Krüger, der ehemalige Hanser-Verleger, überall fündig geworden. Mit einer Ausnahme: Turkmenistan. „Wir wurden immer wieder damit vertröstet, dass dort im Kulturministerium schon jemand an dem Text arbeitet, aber er kam nicht.“ Und sie lässt auch keinen Zweifel daran, dass ihr ein Text aus dieser totalitären Bürokratie ohnehin unangenehm gewesen wäre. Der hätte wohl auch das Niveau des Projektes gesenkt.

Bissig und humorvoll

Das Buch punktet mit erstaunlich bissigen Beiträgen wie Charles Simics „Das Zeitalter der Ignoranz“ über den Wandel der US-Gesellschaft, der sich wie eine Abrechnung mit Donald Trumps Wahlkampf liest. Simics hat ihn aber bereits 2012 verfasst. Andere Autoren gehen die Suche nach einer besseren Welt humorvoll wie der Spanier Javier Cercas, liebevoll wie der Österreicher Karl-Markus Gauß oder hochintelektuell wie der ungarische Philosoph Tamás Miklós an, der in Ulm auch erklärte, warum Autoren im Osten keine Utopien mögen: „Wir haben jahrzehntelang unter einer Utopie gelitten: Jeder darf seine Religion habe, auch eine sozialistische, solange er sie den anderen nicht aufzwingt.“ Helmut Pusch

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29.04.2017, 06:00 Uhr

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