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Ermittlungen nach dem Anschlag von Berlin

Auf der Suche nach dem Täter

Am Abend siegten die Zweifel. Ein Pakistani, der verdächtigt worden war, den Anschlag verübt zu haben, kam frei. Zu vieles passte nicht zusammen.

21.12.2016
  • DPA

Nur der Tathergang ist einigermaßen klar: Bei einem Terroranschlag mit einem Lastwagen auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Rund 50 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen lebensgefährlich. Unsicher war die Polizei, was den Täter betrifft. Hinweise, die zu einem noch in der Nacht festgenommenen Pakistani führen, erwiesen sich als nicht stichhaltig. Man müsse sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Festgenommene nicht der Fahrer des Lkw sei oder zur Tätergruppe gehöre, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Nachmittag. Inzwischen nimmt der IS die Tat für sich in Anspruch. Ein Überblick:

Was wir wissen

Gegen 20 Uhr fährt ein Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt. Der Fahrer legt eine Strecke von 50 bis 80 Metern zurück, überfährt dabei viele Menschen und zerstört mehrere Marktbuden. Bundesregierung und Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei der Todesfahrt um einen Terroranschlag handelte.

Der Fahrer flüchtet, ein Verdächtiger wird nahe der Siegessäule gefasst. Ob er aber wirklich der Täter ist, ist unklar.

Von den elf toten Weihnachtsmarktbesuchern waren am Dienstagnachmittag sechs identifiziert. Sie waren nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch deutsche Staatsbürger.

Bei dem zwölften Opfer handelt es sich um den ursprünglichen Speditionsfahrer aus Polen. Seine Leiche wird auf dem Beifahrersitz gefunden. Der Speditions-Eigentümer identifizierte den Fahrer – seinen Neffen – auf einem Polizeifoto.

Der ursprüngliche Fahrer wurde wohl mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen. Er war laut Speditions-Eigentümer seit etwa 16 Uhr nicht mehr zu erreichen.

Nach dpa-Informationen reiste der festgenommene Pakistani am 31. Dezember 2015 in einer Gruppe von etwa 15 Flüchtlingen nach Deutschland ein. Seine Personalien wurden von der Bundespolizei im bayerischen Passau aufgenommen. Am 19. Februar habe er in Berlin einen Asylantrag gestellt. Im Asylverfahren sei er als renitent aufgefallen, sei zu Anhörungen nicht erschienen und habe erklärt, er verstehe die deutsche Sprache nicht.

Als Islamist ist der Festgenommene den deutschen Sicherheitsbehörden bislang nicht aufgefallen, aber wegen sexueller Belästigungen.

Der Festgenommene konnte gestellt werden, weil ein Augenzeuge den flüchtenden Mann verfolgte und die Polizei per Handy über dessen Standort informierte. Allerdings erklärte die Bundesanwaltschaft am Abend, dass eine Lückenlose Verfolgung des Lkw-Fahrers durch den Augenzeugen nicht erfolgt ist. Möglicherweise hat ihn der Verfolger für einen Moment aus den Augen verloren und ist dann einer anderen Person gefolgt.

Der Lastwagen der Marke Scania gehört einer polnischen Spedition und hatte Stahlkonstruktionen geladen.

Im Führerhaus des Lastwagens wurde blutverschmierte Kleidung gefunden. Bei dem später in einiger Entfernung vom Tatort Festgenommenen sei keine mit Blut befleckte Kleidung gefunden worden. Auch konnten bei ihm keine Schmauchspuren festgestellt werden.

Das Bundeskriminalamt übernahm im Auftrag des Generalbundesanwalts die Ermittlungen.

In der Nacht durchsuchte die Polizei die Flüchtlingsunterkunft im früheren Berliner Flughafen Tempelhof. Der Festgenommene soll dort untergebracht gewesen sein. Laut Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt wurde dort ein Mobiltelefon beschlagnahmt.

Weil die Verdachtsmomente nicht ausreichen, wird der Verdächtige am Abend schließlich wieder auf freien Fuß gesetzt. „Die bisherigen Ermittlungsergebnisse ergaben keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten“, teilte der Generalbundesanwalt mit. „Die durchgeführten kriminaltechnischen Untersuchungen konnten eine Anwesenheit des Beschuldigten während des Tatgeschehens im Führerhaus des Lkw bislang nicht belegen.“

Was wir nicht wissen

Berlins Polizeipräsident Kandt sagte auch, es sei möglich, dass ein gefährlicher Straftäter noch im Raum Berlin sei.

Ebenfalls war unklar, ob es sich bei dem Amokfahrer um einen Einzeltäter handelt oder ob es eine größere Tätergruppe gibt und der oder die Täter von außen angeleitet wurden.

Offen ist auch das Motiv für die Todesfahrt – damit ist unklar, ob der Anschlag einen islamistischen Hintergrund hat. „Wir haben noch kein Bekennervideo“, betonte Frank.

Der zeitweise Festgenommene soll 23 Jahre alt sein und aus Pakistan stammen.

Offen ist, wann der Speditionsfahrer getötet wurde.

Ungeklärt ist noch, wie und wo sich der Täter des Lastwagens bemächtigt hatte. Polnische Medien berichten unter Berufung auf die Spedition von GPS-Daten, die zeigten, dass der Wagen in Berlin am Tattag ab etwa 16 Uhr auffälligerweise mehrmals gestartet worden sei. dpa/gä

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21.12.2016, 06:00 Uhr

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