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Die Welt am Bettrand

Auf der "Tour des Lächelns" wollen junge Musiker kranken Kindern helfen

Eine Stunde lang mal das Kranksein vergessen: Um Kindern in Krankenhäusern eine Auszeit mit Musik und Liedern zu schenken, tourt derzeit eine junge Band ehrenamtlich durch Baden-Württemberg und Bayern.

16.11.2015
  • MADELEINE WEGNER

Tübingen Wenn Biene Maja durch den Raum summt, die Affen wie verrückt nach der Kokosnuss suchen und plötzlich Pippi Langstrumpf, das stärkste Mädchen der Welt mit den karottenfarbenen abstehenden Zöpfen, durchs Krankenhaus tanzt: Dann klingt das nach einem Konzert auf der "Tour des Lächelns". Noch bis zum 20. November tourt eine Gruppe junger ambitionierter Musiker durchs Land und spielt für kranke Kinder in 18 verschiedenen Einrichtungen.

Mit Saxophon, Gitarre, Bass, Percussion und Querflöte, manchmal auch mit Verkleidungen bringen sie beliebte Kinderlieder von Tabaluga bis Pippi Langstrumpf in das Spielzimmer der Tübinger Kinderklinik. Unter den Zuhörern sind kleine Patienten vom Armbruch bis hin zu schweren Erkrankungen. Manche sind schüchtern, andere bestaunen mit großen Augen das Konzert.

Christine Unger steht am Bett ihres kleinen Sohnes Pius und ist begeistert von dem Konzert. Seit mehreren Tagen ist sie mit ihrem knapp zweijährigen Sohn im Krankenhaus. "Da ist man schon froh, wenn man ein bisschen Abwechslung hat", sagt sie. Da der Kleine das Bett noch nicht verlassen darf, sei es gar nicht so leicht, ihn die ganze Zeit zu beschäftigen, sagt die Mutter. Auch Sanije Krasniqi freut sich mit ihrem Sohn Lorik: "Er hört so gern Musik", sagt die Mutter, "schade, dass er nicht aufstehen darf, er tanzt so gerne". Der vierjährige Lorik ist wegen Komplikationen bei einer Operation schon seit fast zwei Wochen im Krankenhaus.

"Wir wollen wenigstens für diese eine Konzertstunde den Kindern das Gefühl geben, dass es nur um sie und die Musik geht - und nicht um die Krankheit", sagt Corinna Armbruster. Als Sängerin war sie schon auf der "Tour des Lächelns" im vergangenen Jahr dabei. Wie auch die anderen fünf Hobby-Musiker ist die 29-Jährige berufstätig und hat sich eigens für die Tour Urlaub genommen. Ihre Konzerte geben sie kostenlos.

Die ehrenamtlichen Musiker übernachten während der zwei Wochen meist in Vereinshäusern auf Matratzenlagern - aus Kostengründen. "Dafür muss man sich schon gut verstehen", sagt Franziska Nadler. Sie hat das Projekt zusammen mit Ralf Müller vom Verein "choice" organisiert. Der Verein trägt das Projekt auch finanziell. Schon im März hatte Nadler mit den Vorbereitungen begonnen. Die Suche nach engagierten Musikern war dabei gar nicht einfach, berichtet die 29-Jährige. Auf die Aushänge an Universitäten habe sich niemand gemeldet. Besser hat es hingegen über Aufrufe im Internet geklappt.

Warum machen sie das alles ehrenamtlich in ihrer Freizeit? "Es macht echt Spaß, man kommt rum, das ist mal etwas komplett anderes", sagt die Organisatorin. Mit zwei Kleinbussen geht es zwei Wochen lang durch Baden-Württemberg und Bayern. Auf der Tour von Mannheim über Stuttgart unter anderem nach Ellwangen, Nürnberg und Memmingen macht die Gruppe - in teilweise wechselnder Besetzung von bis zu neun Leuten - 18 Mal Station in Kliniken, Rehazentren für krebskranke Kinder oder auch kleinen Einrichtungen, etwa für dauerbeatmete Kinder. Hinzu kommen zwei öffentliche Konzerte in Freiburg und Freudenstadt.

Bei den Auftritten haben Kinder und Musiker ihren Spaß. Gleichzeitig wollen die Ehrenamtlichen die Botschaft vermitteln, "dass es wichtig ist, sich zu engagieren", sagt Organisatorin Nadler. Deshalb wünschen sie sich Nachahmer.

Andere ähnliche Angebote - zum Beispiel der Besuch von Klinikclowns oder Zauberern - werden meist von Elterninitiativen oder Fördervereinen finanziert. "Es ist aber auch nötig, dass der Alltag an sich ansprechend ist", sagt Monika Stoß. Als Erzieherin betreut sie die kleinen Patienten im Spielzimmer der Kinderklinik. Spielen, Basteln oder ein Laternenumzug durch den Flur - die Erzieherin nennt das: "Die Welt ans Krankenbett holen."

Auf der "Tour des Lächelns" wollen junge Musiker kranken Kindern helfen
Auf ihrer zweiwöchigen "Tour des Lächelns" machten die jungen Musiker vom Verein "choice" auch in der Tübinger Kinderklinik Station. Mit beliebten und bekannten Liedern von Tabaluga bis Pippi Langstrumpf boten sie den kleinen Patienten, aber auch den Eltern eine Abwechslung zum Alltag in der Klinik. Foto: Madeleine Wegner

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16.11.2015, 12:00 Uhr

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