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„Auf jeden Fall verdient“
Publikum bei „Carmen“. Foto: Ferdinando Iannone
Auszeichnung

„Auf jeden Fall verdient“

Wie die „Carmen“-Besucher die Wahl des Stuttgarter Hauses zur „Oper des Jahres“ kommentieren.

05.10.2016
  • Tilman Baur

Stuttgart. Feierlich ist die Stimmung am Sonntagabend rund ums Opernhaus. Die warme Herbstsonne strahlt auf den Eckensee, um dessen Ufer Pärchen und Familien flanieren. Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn mehren sich vor Max Littmanns Bau aus dem Jahr 1912 Abendkleider und schicke Dreiteiler.

„Modern, aber doch erträglich“, so kommentiert Jost Müller, 77, die „Carmen“-Inszenierung am Sonntagabend. Trotz verhaltener Kritik an modernen Inszenierungen ist Müller zufrieden mit „seinem“ Opernhaus. Seit Jahren kommt er regelmäßig hierher, für diese Saison hat er sich ein Abonnement geholt. „Gesanglich ist die Oper immer wieder für eine positive Überraschung gut“, findet Müller. Hin und wieder habe es ihn auch nach München verschlagen, einen echten Vergleich könne er aber nicht ziehen. Das Urteil der internationalen Fachwelt spricht ja auch für sich: Diese hatte in der Fachzeitschrift „Opernwelt“ für Stuttgart als „Oper des Jahres“ votiert.

In der Pause von „Carmen“ raunen sich die Besucher Zwischenresümees zu. „Ich habe seit jungen Jahren ein Abo“, erzählt die 77-jährige Gisela Ballenberger, die mit ihrer Tochter gekommen ist. Sie liebe die Oper, das sei ganz einfach. Und besonders ihre Heimoper: „Stuttgart ist da doch seit jeher führend“, ist sich Ballenberger sicher. Schwierigkeiten habe auch sie mit den modernen Inszenierungen. Aber deswegen nicht mehr in die Oper zu gehen, das komme für sie nicht in Frage, versichert sie.

Auch Daniel Etscheid, 45, geht regelmäßig in die Oper. Allerdings selten in Stuttgart. „Ich bin Rheinländer, meistens bin ich in der Oper in Bonn“, sagt er. Seine Frau kommt aus dem Südwesten, und den Besuch bei den Schwiegereltern verbindet das Paar mit dem Besuch der „Carmen“-Inszenierung. „Die Oper hat die Auszeichnung auf jeden Fall verdient“, findet Etscheid, der besonders für das Gebäude schwärmt.

Nach drei Stunden ist alles aus, der Beifall tosend. Eine Frau erhebt sich zum Applaudieren, „Bravo“-Rufe ertönen. Der 22-jährige Patrick Endres wirkt mit Jeans und T-Shirt etwas verloren unter all den Anzugträgern. Ob ihm die Aufführung gefallen hat, darüber ist er sich noch unschlüssig. „Es war jedenfalls mal etwas ganz anderes“, sagt der Student, dem die Eltern das Ticket geschenkt hatten.

Ob er wiederkommt? Endres: „Ehrlich gesagt: Das muss ich mir erst überlegen.“

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05.10.2016, 06:00 Uhr

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