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Auf leisen Rädern
Tilman Baur hat den „Stella“-Roller getestet und fand das Fahrgefühl „einmalig“. Foto: Ferdinando Iannone
Elektromobilität

Auf leisen Rädern

Wie fahren sich E-Roller, die man in Stuttgart jetzt mieten kann?

21.10.2016
  • TILMAN BAUR

Stuttgart. Wer Lust auf eine Fahrt mit „Stella“ hat, braucht Zeit und Geduld. Denn bislang gibt es gerade mal 15 der Elektro-Roller in der Stadt, und die sind heiß begehrt. Das Problem verschärft sich dadurch, dass mir vom Zeitpunkt der Reservierung an nur eine Viertelstunde bleibt, um zum Roller zu kommen. In meinem konkreten Fall sieht das so aus: Die „Stella“-App zeigt mir zwar einige Fahrzeuge im Stadtgebiet an. Diese sind aber nicht fußläufig zu erreichen: Das nächste steht nahe des Katharinenhospitals im Westen, die anderen sind noch deutlich weiter von meinem Wohnort, dem Marienplatz im Süden, entfernt. Außer dem Standort des Rollers zeigt mir die mobile Anwendung auch, wie voll die Batterie ist (in meinem Fall sind es noch 55 Prozent) sowie die Entfernung zum Roller (859 hügelige Meter) an.

Ich schwinge mich aufs Fahrrad, fahre vom Marienplatz in Richtung Katharinenhospital. Den Roller kann ich aber noch nicht reservieren, denn ob mir 15 Minuten reichen, ist nicht sicher. Auf dem Weg in die Innenstadt schockiert mich der Blick aufs Smartphone: Der Roller ist auf der App nicht mehr zu sehen! War die Anfahrt umsonst? Ich prüfe drei, vier Mal, schließlich taucht er doch wieder auf dem Bildschirm auf. Schnell reserviere ich nun, um sicherzugehen, dass ich ihn bekomme. In der Jägerstraße steht der Roller dann tatsächlich, wie auf der App verzeichnet, in strahlendem Hellblau direkt vor der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Die Hygienehauben fehlen

Ich öffne die Helmbox über die App, es macht „klick“, und der schwarze Deckel der Box öffnet sich. „Bitte überprüfen: Sind zwei Helme vorhanden?“, will die App nun wissen; sie fragt ab, ob ich meinen Führerschein dabeihabe und ob neue Schäden am Fahrzeug erkennbar sind. Neue Schäden entdecke ich nicht, ebenso wenig leider die eigentlich obligatorischen Hygienehauben. So muss ich den Helm meines Vorgängers „ungefiltert“ überziehen – unangenehm, vor allem, weil der dem Geruch nach während der Fahrt geraucht hat. Der Helmbox entnehme ich den Schlüssel, stecke ihn ins Zündschloss und fahre los.

Schon auf den ersten Metern ist alles verflogen, was vorher gestört haben mag. Das Fahrgefühl auf „Stella“ ist einmalig. Der Roller ist leicht und gleitet fast geräuschlos über den Asphalt. Die Steuerung ist selbsterklärend, auch für Nutzer ohne Roller-Erfahrung kein Problem. Von der Jägerstraße geht es über den Hegelplatz Richtung Berliner Platz. Die Vorteile des Zweirads leuchten mir ein, als ich an einer roten Ampel an einer Auto-Kolonne vorbeirolle. Weil der Roller (Höchstgeschwindigkeit 45 Stundenkilometer) keinen Lärm macht, nehme ich Gerüche und Geräusche der Umgebung viel intensiver als auf einem knatternden Motorroller wahr. Einzig die leidigen Ampeln versalzen das Erlebnis etwas – am Berliner Platz dauert die Rotphase so lange wie die halbe Fahrt.

Nachteile der Geräuschlosigkeit

In der Tübinger Straße lerne ich die Kehrseiten der Geräuschlosigkeit kennen: Beim Abbiegen in die Kolbstraße nimmt mich eine Frau mit Kinderwagen überhaupt nicht wahr und überquert die Straße, ohne nach links zu schauen. Ich fahre einen Schlenker um sie, plötzlich zuckt sie zusammen. Für Fahrer motorisierter Roller mag das ein kleiner Vorteil sein: Ihr Knattern hört man schon, wenn sie noch weit entfernt sind.

Während ich den Roller in der Heusteigstraße abstelle, erkundigt sich eine Frau nach dem System: Ob es einfach zu bedienen sei, wie das eigentlich funktioniere, wie teuer das sei, fragt sie neugierig. Die Antwort: 16 Minuten Fahrtzeit über vier Kilometer (die Zeit läuft ab dem Öffnen der Helmbox) kosten mich 2,36 Euro (0,59 Euro pro Kilometer oder 0,19 Euro pro Minute, abgerechnet wird der günstigere Tarif). Effektiv zahle ich nichts, denn die Stadtwerke schenken „Stella“-Kunden 64 Freiminuten.

Fazit: „Stella“ macht Spaß; Nutzer sparen sich eine lange Parkplatzsuche, sind flexibel und zu einem erschwinglichen Preis in der Innenstadt unterwegs. Allerdings braucht man Glück, um einen Roller in der Nähe zu finden. Und muss sich – wie bei allen Sharing-Modellen – darauf verlassen, dass andere Nutzer pfleglich mit den Rollern umgehen.

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21.10.2016, 06:00 Uhr

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