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Südwestverband fordert einen Systemwechsel bei der Energiewende

Auflagen bremsen Textilfirmen

DieTextiler im Südwesten ziehen Bilanz: Trotz guter Prognose belasten der Fachkräftemangel und Kosten durch die Energiewende die Branche.

13.07.2016
  • MAIK WILKE

Stuttgart. Die Stromkosten für Unternehmen seien nicht länger tragbar, schimpfte Bodo Bölzle am gestrigen Dienstag. „Strom ist hierzulande allein wegen der stetig steigenden EEG-Umlage teurer als in den meisten anderen Industrieländern“, betonte der Präsident des Verbands Südwesttextil bei der Jahrespressekonferenz in Stuttgart. Dadurch entstehe ein Wettbewerbsnachteil für die deutsche Industrie, der sich auch auf die Bekleidungs- und Textilbranche auswirke.

Südwesttextil fordert deshalb ein Umdenken: Das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) des Bundes soll durch eine Steuerfinanzierung ersetzt werden – um das zu erreichen, hat Südwesttextil über seinen Dachverband auf Bundesebene gemeinsam mit fünf weiteren Gemeinschaften das „Bündnis faire Energiewende“ ins Leben gerufen. „Noch gibt es eine Akzeptanz für die Energiewende“, erklärte auch Südwesttextil-Hauptgeschäftsführer Peter Haas. „Diese wird aber geringer, wenn die Kosten ungerecht verteilt werden.“

Mit dem von der Regierung geplanten Klimaschutzpaket, das bis ins Jahr 2050 reichen soll, drohten der Industrie weitere 90 Zwangsmaßnahmen, die die Produktionskosten erhöhten. Dies sei Politik ohne Augenmaß, so Bölzle.

Noch ist die Auftragslage der Bekleidungs- und Textilunternehmen im Südwesten trotz der aktuellen Herausforderungen allerdings stabil. 60 Prozent der Unternehmen hätten bei der jüngsten Befragung von Südwesttextil angegeben, dass ihre Kapazitäten ausgelastet sind. Im ersten Halbjahr 2016 haben die etwa 200 Unternehmen im Verband ein Umsatzplus von 1,2 Prozent erwirtschaftet – bis zum Jahresende geht Bölzle von einer zweiprozentigen Steigerung aus. 2015 lag der Branchenumsatz bei insgesamt 7,37 Mrd. EUR . Viele setzen dabei eher auf den heimischen Markt, beim Auslandsumsatz rechnen ein Viertel der Unternehmer mit geringeren Erträgen. „Das hat aber wenig mit dem Brexit zu tun“, sagte Bölzle – die Hälfte der Befragten mache sich wegen des EU-Austritts Großbritanniens noch wenig Sorgen.

Die gute Prognose ist vor allem den Textilern zu verdanken: Während die Bekleidungsindustrie mit einem Minus von 5,9 Prozent ordentlich schwächelte, erzielte die Textilverarbeitung 10,3 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr. Der Branchenmotor: technische Textilien. Dazu gehören beispielsweise Wundverbände, die selbst Medizin abgeben, oder vernähte Fensterrahmen von Airbus. „Viele Unternehmen haben sich zu Hightech-Betrieben entwickelt“, sagte Bölzle. Der Umsatz dieser Nischenprodukte habe sich in den vergangenen fünf Monaten um 63 Prozent gesteigert.

Trotz dieser spannenden Aufgaben in der Digitalisierung der Textilbranche, wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger, Fachkräfte zu finden. „Wir laufen da in die demoraphische Schere rein. Der Markt ist leergefegt“, sagte Haas. Außerdem kämpfe die Branche weiterhin mit einem „verstaubten Image“. Um junge Leute zu gewinnen, die sonst in die meist besser bezahlte Automobil- oder Metallindustrie gehen, müsse man die Innovativität der Branche hervorheben.

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13.07.2016, 06:00 Uhr

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