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Aufsichtsrat lässt Rüdiger Grube zappeln
Bahnchef Rüdiger Grube (rechts) bekommt mit Ronald Pofalla ein neues Vorstandsmitglied an seine Seite. Foto: dpa
Deutsche Bahn

Aufsichtsrat lässt Rüdiger Grube zappeln

Erst Ende Januar soll der Vertrag des Konzernchefs verlängert werden. Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla wird zum Nachfolger aufgebaut.

15.12.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. Ronald Pofalla wird der neue starke Mann im Vorstand der Deutschen Bahn AG (DB). Am 1. Januar 2017 übernimmt der Ex-CDU-Politiker das Schlüsselressort Infrastruktur. Das beschloss der Aufsichtsrat in einer langen Sitzung. Damit wird der 57-Jährige insbesondere für das Schienennetz verantwortlich. Er bleibt aber auch für die Bereiche Wirtschaft, Politik und internationale Geschäftsbeziehungen zuständig, die er schon seit August 2015 verantwortet. Pofalla gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Konzernchef Rüdiger Grube.

Es ist ungewöhnlich, dass ein Nicht-Techniker für die Infrastruktur zuständig ist. Pofalla ist Jurist – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Volker Kefer, der zum Jahresende ausscheidet. Der 60jährige Maschinenbauer saß seit 2009 im Konzernvorstand. Kefer profilierte sich in der Öffentlichkeit als besonnener Vertreter der Bahn in den Schlichtungsverhandlungen über Stuttgart 21. Zeitweise galt der ehrgeizige Manager als Kronprinz von Grube, was seine Ernennung zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Mitte 2015 unterstrich. Doch Mitte dieses Jahres stolperte er über das Stuttgarter Großprojekt: Er hatte Berichte über erhebliche Kostensteigerungen nicht rasch genug an den Aufsichtsrat geleitet.

Pofalla ist Seiteneinsteiger aus der Politik: Von 1990 bis 2014 saß er für die CDU im Bundestag. 2009 bis 2013 gehörte er als Chef des Kanzleramts dem Bundeskabinett an. Als er Anfang 2015 zur Bahn wechselte, musste er viel Kritik einstecken, weil er sich im Kanzleramt auch um den Staatskonzern gekümmert hatte. Zunächst wurde er Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen. Bereits am 1. August 2015, früher als erwartet, zog er in den Vorstand ein.

Grube muss sich zum 30. Januar 2017 gedulden, bis sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender verlängert wird. Dann trifft sich das Kontrollgremium zu einer Sondersitzung. Zumindest hat er es jetzt offiziell, dass dies geschehen soll – um drei Jahre, wie aus dem Aufsichtsrat verlautete. Sein derzeitiger Vertrag läuft Ende 2017 aus. Jetzt heißt es, eine Verlängerung sei nach den Regeln für gute Unternehmensführung erst möglich, wenn er nicht mehr länger als ein Jahr läuft. Doch haben dies Aktiengesellschaften mit Tricks immer wieder umgangen.

Grube ist seit 2009 Bahn-Chef. Zwar hatte er immer bestritten, dass er sich um eine Verlängerung bemüht. Das sei Sache des Aufsichtsrats. Aber abgenommen hatte ihm das keiner. Zu deutlich war, dass der Ex-Daimler-Manager gerne weitermachen würde, zumal die Bahn mit jeder Menge Problemen kämpft von Verspätungen und Servicedefiziten bis zur mangelnden Ertragslage. Pofalla sitzt aber wohl noch nicht fest genug im Sattel, und eine Alternative ist nicht in Sicht.

Als wichtige Punkte für seine Vertragsverlängerung gelten die Pünktlichkeit, Wlan im ICE und die Ertragslage. Beim ersten Punkt hat die Bahn im Fernverkehr Grubes selbst erklärtes Ziel noch nicht ganz erreicht, dass mindestens 80 Prozent der Züge mit weniger als 6 Minuten Verspätung ankommen: Bis Ende Oktober waren es knapp 79 Prozent. Das kostenlose Wlan auch in der 2. Klasse des ICE ab Anfang 2017 scheint gesichert zu sein, nachdem die Bahn 120 Mio. EUR investiert hat – allerdings funktioniert dies nur dort, wo die großen Mobilfunknetzbetreiber keine Funklöcher ausweisen.

Beim Ertrag ist die Rede davon, das operative Ergebnis übertreffe die angepeilten 1,9 Mrd. EUR sogar. Im Jahr 2015 hatte die Bahn einen Verlust nach Steuern von 1,3 Mrd. EUR eingefahren, was nicht nur auf die Folgen der Streiks zurückzuführen war, sondern auch auf erhebliche Probleme und Abschreibungen im Gütertransport.

Insbesondere wegen geplanter Einsparungen im Güterbahn-Bereich DB Cargo kämpft Grube mit dem Betriebsrat und der Eisenbahner-Gewerkschaft EVG. Sie sieht bundesweit 2000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Umstritten ist auch Grubes Sanierungskonzept „Zukunft Bahn“, für das er künftig die Federführung übernimmt.

Nicht an Pofalla geht der Bereich Technik und Qualität, für den Kefer bisher mit zuständig war. Hierfür soll ein zusätzlicher Vorstandsposten eingerichtet werden. Bis er besetzt ist, übernimmt dies Grube. Bis Ende 2018 wurde der Vertrag von Personalvorstand Ulrich Weber verlängert. Der 66-Jährige hat gerade die Tarifverhandlungen mit der EVG erfolgreich abgeschlossen. Die Mitarbeiter haben ab 2018 die Wahl zwischen mehr Geld, einer Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche oder 6 Tagen mehr Urlaub.

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15.12.2016, 06:00 Uhr

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