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Was d’r Schwob koa

Auftakt der Mundart-Tage in Baisingen

Ein schwäbisches Mundartfest in der Baisinger Schlossscheuer eröffnete die diesjährigen Sebastian-Blau-Tage. Zu Kutteln und Maultaschen gab es am Freitag vor etwa 100 Besuchern Mundart in Wort und Gesang.

22.09.2014
  • bkn

Baisingen. Baisingen entwickelt sich zum Mundart-Zentrum in der Region. Regelmäßig findet ein Stammtisch des Vereins mund.art im Baisinger „Löwen“ statt. Nun gab die Schlossscheuer das Podium für das „Schwäbische Mundartfest“ ab. Renommierte Vortragende der Kleinkunst unterhielten die Zuschauer, die einen Unterhaltungsvorsprung hatten, wenn sie des Schwäbischen mächtig waren.

Die Sängerabteilung des SV Baisingen stimmte die Zuschauer mit einem „Was koa d’r Schwob“ ein, und beantwortet die Frage gleich mit einem „Wie koa man so saudomm froge?“

Dieter Adrion, renommierter Autor im schwäbischen Amateurtheater, trat als sein mundartliches Alter Ego Johann Martin Enderle auf. Er erforschte erst einmal die vielen Bedeutungen, die „heben“ oder „heba“ im Schwäbischen haben kann. Allein an diesem Verb demonstrierte er die Mannigfaltigkeit und den Reichtum der Sprache in ihren vielen Facetten.

Großartig, wie er knitz und ironisch und in Versen des Schwaben Heilixblechle und die Mühen, es zu bekommen, auf die Schippe nimmt: Die Lebenserfüllung des Schwaben ist der eigene Mercedes, am besten selbst im Werk abgeholt, mit einem Söhnlein Sekt um 3,99 begossen – und mit einem Grattl (Stolz) wird er den Nachbarn vorgeführt.

Hinterhältig, wie Enderle den Biedermann im Schwaben anhand eines Wellness-Urlaubsgeschenks an die Oberfläche bringt. Höhepunkt dabei: Am Ende geben sie den Gutschein zurück – und nehmen dafür das Geld. Dafür, dass das vermutlich typischste schwäbische Wort zu seinem Recht kommt, sorgen noch mal die Sänger mit dem Lied „Schaffe.“ Und verlangen Ungeheuerliches: „Schaffe gehört abg’schafft.“ Eins weiß der Schwabe aber genau: „Koiner will was von dir, außer er will was.“

Das Stuttgarter-Balinger Duo Aurezwicker, eine Art Helden der schwäbischen Kleinkunstbühnen, spielten auch ihren Radiohit „Muggaseckele“. Zu „Sah ein Knab‘ ein Röslein stehen“ ließen sie das Publikum mitsingen, ehe der Text dann skurrile Wendungen nahm: „Sah ein Schwab ein Sößlein stehn, Spätzle ihm zur Seite, dann ist es um ihn gescheh’n“.

Ein Höhepunkt war der Auftritt Dieter Huthmachers. Der Liedermacher und Kabarettist, Träger des Sebastian-Blau-Preises 2004, ist ein vifer Textschmied, der harmlos daherkommt, aber doch immer wieder den Zeigefinger in die Wunden seiner Landsleute legt. Er ist ein präziser Beobachter seiner Mitmenschen, und da fällt ihm so einiges auf, das er auf die Schippe nehmen kann. Er erzählt von Verlierern, die das nicht wahrhaben wollen („Hörbie“), gibt sie aber nicht dem Spott preis.

Die Zuschauer waren begeistert vom Programm in Baisingen, das der Vorsitzende des Vereins mund.art Wolfgang Wulz zusammengestellt hatte und moderierte. Vor Beginn des Programms und in der Pause gab es Saure Kutteln oder Maultaschen mit Kartoffelsalat.

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22.09.2014, 12:00 Uhr

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