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Schlager und Retro-Mode der Siebziger waren Trumpf

Auftritt von Dieter Thomas Kuhn war ein Erfolg auf allen Ebenen

Feiertagsstimmung in Tübingen: Die gute Laune des Konzerts von Dieter Thomas Kuhn am Freitag schwappte nach dessen Ende mit einem guten Teil der 8000 Besucher in die Innenstadt hinüber.

28.06.2015
  • Michael Sturm

Tübingen. „Ich danke Marc Oßwald, dass es nicht regnet.“ Die süffisante Anspielung von Dieter Thomas Kuhn verstand im Publikum jeder, der die Berichterstattung über das Konzert von Bob Dylan fünf Tage zuvor an derselben Stelle verfolgt hatte . Bei ihrem Heimspiel traten der Tübinger Schlagersänger und seine Band den Beweis an, dass ihr langjähriger Manager und Tourveranstalter Oßwald ein gutes Näschen gehabt hatte: Die Fläche neben dem Sparkassen Carré taugte sehr wohl zur Freiluftarena für gut 8000 bestens gelaunte Konzertbesucher.

Zuschauer loben DTK-Konzert und Veranstalter

Dieter Thomas Kuhn ließ am Freitagabend das Tübinger Sparkassen-Carré wieder aufleben, nachdem es in der vorigen Woche nach Bob Dylans Auftritt zu massiven Beschwerden gekommen war.

© Video: Ambrosius 01:49 min

Viele kamen als Gruppen in ähnlichen Verkleidungen: Retro-Mode aus den bunten 1970er-Jahren war neben der damals populären Musik Trumpf. Die Ammerbucherinnen Nicky Matzner, Melanie Schneck und Franziska Fleischer kamen extra früh, um zu bewundern, was andere trugen. Etwa den engen, bunt gemusterten Hosenanzug von Brigitte Gebhardt aus Hamburg. Deren Gatte Markus trug einen stilechten hellblauen Smoking, der im normalen Leben eine Beleidigung für jedes Auge wäre. Oder die schönen Regenbogen-Overalls von vier Frauen aus Albstadt. Der aus Köln stammende Wahl-Tübinger Guido Ritter war bei seinem ersten Besuch eines Kuhn-Konzerts überwältigt: „Ich hätte nicht gedacht, dass es mit der Verkleidung so extrem ist.“

In Zivil kommt kaum einer zum Kuhn-Konzert

Am Merchandising-Stand neben dem Einlass war Carina Helm vor allem mit dem Verkauf von Blumenketten, Sonnenblumen und Tour-T-Shirts beschäftigt. Recht gut gingen auch grüne Strohhüte. Wenige trauten sich, in Alltagskleidung zu erscheinen. Jan Wachsmuth, Trainer des Fußball-Landesligisten TB Kirchentellinsfurt und seine Freundin Tamara Schneider kamen unverkleidet und wollten es auch bleiben. Tamara Schneider sagte schwäbisch-knapp: „Mir kaufet nix!“

Der Rasen auf dem Areal war in gutem Zustand, die Bühne im Vergleich zum Dylan-Konzert fünf Tage früher etwas erhöht, und es gab Tribünen. Weit vor Konzertbeginn hatten die für die Bewirtung zuständigen Fußballer der TSG Tübingen ordentlich zu tun. Neuzugang Jan Binder musste sich dem Tempo der anderen anpassen: „Ich bin gerade dabei, die Karte auswendig zu lernen.“

Fast Punkt 19.30 Uhr schallte die Erkennungsmelodie von „Musik ist Trumpf“ aus den Boxen. Überall hielten Fans Sonnenblumen in die Luft. Begeisterungsrufe füllten das Areal, als Kuhn, die singende Fönwelle, und seine Mitmusiker zu „Quando, Quando, Quando“ von der Showtreppe herab auf die Bühne sprangen und zeigten, wie man das Tübinger Publikum anheizt.

Gleich ein erster, genüsslich ausgeführter Hieb in Richtung Bob Dylan: „Tübingen! Könnt ihr uns sehen?“ Selbstredend, Dieter! Bestens! Und noch einer: „Auf der Bühne wurde bisher nicht viel gesprochen. Das ändert sich heute.“ Und: „Ihr dürft fotografieren, so lange ihr wollt!“ – Spiel, Satz und Sieg Kuhn.

Geht ja auch nicht anders, wenn man, wie Kuhn behauptete, in dieser Stadt fast jeden persönlich kennt. Da hat man dann genügend launige Schoten auf Lager. So erzählt Kuhn, dass er beim Hotel Domizil einen Radfahrer mit dem Bandbus in die Hecke gefahren habe. Der habe ihn nicht gekannt, sich aber über das Versprechen, einen Ramazzotti zu bekommen, gefreut. Ob er denn da sei, der Ludwig? Es erhoben sich mehrere Stimmen: „Ich bin Ludwig!“ – „Nein, ich!“

Udo Jürgens‘ „Griechischer Wein“ begann als Sirtaki. Kuhn holte sich eine Frau aus dem Publikum auf die Bühne und kommentierte das später so: „Das sollte ich in Tübingen nicht machen, das spricht sich zu schnell herum.“ Andererseits konnte so elegant zum Lied „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ übergeleitet werden. Wer im Publikum hat den Film „50 Shades of Grey“ gesehen? Kreischende Frauenstimmen signalisierten: einige im Publikum. „Ich verstehe den Jubel nicht“, hält Kuhn entgegen. „Im Bandbus sehen wir Erwachsenenfilme.“

Der Schlagzeuger gibt höllisches Tempo vor

Die Band ist in Topform. Schlagzeuger Frank Stoeger gibt bei mancher Nummer wie „Amigo Charlie Brown“ ein höllisches Tempo vor. Gitarrist Philipp Feldtkeller, Bassist Joachim Schaitel sowie die beiden Bläser Raimund Göggel (Trompete) und Marc Lorenz (Saxophon) führen ihre lässigen Choreografien vor. An den Tasten ist Sebastian Demmin neu dabei. Sein Nebenmann Rainer Tempel führt die Band, etwa beim Intro mit elektronisch verfremdeter Stimme zu „Das Model“ (im Original von Kraftwerk), mit Freude in Richtung neuer deutscher Welle. Zwei Zugaben-Blöcke, die das Konzert auf über zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung strecken. Danke, Dieter, danke!

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28.06.2015, 12:00 Uhr

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