Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Glosse

Augenrollen verboten

Pressekonferenzen beim chinesischen Volkskongress folgen einem strengen Muster. Journalisten sind Stichwortgeber, Politiker antworten mit weitschweifigen Monologen. Doch diesmal meinte es eine Reporterin zu gut mit der Staatsführung.

15.03.2018

Von MICHAEL GABEL

Berlin. In einem nicht enden wollenden Vortrag lobte sie während einer Livesendung Chinas Investitionen im Ausland. Eine daneben sitzende Kollegin war von der Anbiederei derart genervt, dass sie zweimal heftig die Augen verdrehte und fassungslos Richtung Decke blickte.

Schnell gelangte der Ausschnitt ins Internet, wo es wohlwollende Kommentar gab wie: „Ein Augenrollen sagt mehr als tausend Worte.“ Da konnten Chinas Zensoren nicht untätig bleiben. Nach Angaben der USA-Zeitung „China Digital Times“ wiesen sie die streng kontrollierten Medien des Landes an, nicht mehr über die Frau zu berichten. Auf Weibo, dem chinesischen Twitter, löschten sie sämtliche Videos von dem Vorfall.

Halten wir fest: Augenrollen ist in China künftig verboten, zumindest bei hochoffiziellen Anlässen. Aber wie ist es mit Gähnen, Stirnrunzeln und herunterhängenden Mundwinkeln? Ist so etwas ebenfalls tabu? Und was geschieht mit Angela Merkel und SPD-Mann Ralf Stegner, deren Mimik schon im nicht genervten Normalzustand nicht gerade überschäumende Freude ausdrückt? Das Land des Lächelns, es steckt voller Rätsel.

Michael Gabel

Zum Artikel

Erstellt:
15. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. März 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Aus diesem Ressort