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Der Horber Standort von Electronic Riese schließt endgültig

Aus!

Eines der wichtigsten Merkmale einer Tragödie ist ihr desaströser Ausgang – die Katastrophe. Das Drama um die Firma Riese Electronics geht nun ähnlich zu Ende. Was bleibt ist die Hoffnung für einen Teil der 50 Mitarbeiter, von einem Unternehmen in der Umgebung übernommen zu werden. Für Horb bedeutet die Abwicklung des Unternehmens allerdings den Verlust von 50 Arbeitsplätzen.

23.06.2015
  • Benjamin Breitmaier

Horb.Auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE bestätigt der Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß von der Kanzlei Wallner Weiß den bitteren Ausgang der Unternehmensgeschichte: Für Horb gehen 50 Arbeitsplätze verloren, ein großer Teil der Belegschaft wird vorraussichtlich seine Arbeitsstelle verlieren.

Ende Mai wurden die Kündigungen zugestellt. Das erfuhr die SÜDWEST PRESSE in Gesprächen mit ehemaligen Mitarbeitern. Auf Anfrage heißt es in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters: „Aufgrund der insolvenzspezifischen Besonderheiten war zunächst allen Arbeitnehmern zu kündigen, da sich zu diesem Zeitpunkt keine dauerhafte Lösung abzeichnete. Hierzu wurde mit dem Betriebsrat ein Interessensausgleich sowie ein Sozialplan ausgehandelt.“

Vom Insolvenzantrag über das Scheitern der Planinsolvenz bis zur jetzigen Abwicklung verging nur ein Jahr. Im Gegensatz zum Bühnenstück war der Ausgang für die Öffentlichkeit nicht vorherzusehen. Die Firma um den umstrittenen Geschäftsführer Oliver Riese und dessen Vater Reinhold Riese hatte schon immer eine bewegte Geschichte. Mitarbeiter berichten von desaströsen Arbeitsbedigungen und einem kompromisslos autoritären Führungsstil. Vor dem Arbeitsgericht werden mehrere Kämpfe um rechtswidrige Kündigungen ausgefochten.

Im April 2014 kam dann die Insolvenz. Doch es gab Hoffnung: Ein neues Gesetz zu einer möglichen Insolvenz in Eigenregie war damals erst seit zwei Jahren verabschiedet. Geschäftsführer Oliver Riese startete den Versuch der sogenannten Planinsolvenz als einer der ersten Unternehmer in Deutschland. Die Sanierung scheiterte sechs Wochen vor Abschluss. Die Schuld schieben sich die beiden Köpfe der Familie Riese und der damalige Sachwalter und jetzige Insolvenzverwalter gegenseitig zu. Am 23. Feburar 2015 wurde das Planinsolvenzverfahren gestoppt und der bisherige Sachwalter Rüdiger Weiß als Insolvenzverwalter bestellt. In der Begründung des Rottweiler Insolvenzgerichtes heißt es: „Ohne dass eine Prüfung der Zulässigkeit der Begründetheit für den Aufhebungsantrag nach Paragraf 272 Abs. 1 Ziffer 3 InsO gesetzlich erfolgen müsste, wird festgestellt, dass bei dem vorhandenen Zerwürfnis zwischen den Geschäftsführern kaum davon ausgegangen werden kann, dass das eigentliche Ziel einer Eigenverwaltung, die angestrebte Sanierung, erreicht werden kann.“

Es waren turbulente Tage: Mehrere Hausverbote wurden ausgesprochen. Zuerst gegen den Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß, dann von anderer Seite gegen Oliver Riese selbst. In einer außerordentlichen Betriebsversammlung am 19. Februar eskalierte der Streit endgültig.

Die Insolvenz lief währenddessen weiter. Immer wieder gab es Gerüchte um verheißungsvolle Investoren, die Riese Electronics hätten retten können.

Dann kam der 31. März 2015. Ein schwarzer Tag – für Rüdiger Weiß, für die Belegschaft, für Horb. Der letzte Großinvestor sprang ab. Die Gründe hierfür sind bis heute nicht ganz geklärt. In der Mitteilung der Anwaltskanzlei des Insolvenzverwalters Rüdiger Weiß ist von einem „überraschenden Ausstieg eines Traditionsunternehmens aus der Region“ die Rede. Mit dem Rückzug des Investors stirbt der letzte Funke Hoffnung. Es lief alles auf die Abwicklung hinaus.

Der gestrige Mittag 17 Uhr in der Junghansstraße 16 auf dem Horber Hohenberg. Das graue Gebäude wirkt leblos. Laut Aussage von Rüdiger Weiß soll hier im Juni, dem letzten Produktionsmonat, noch unter Vollast gearbeitet werden – er spricht von 350 000 Euro Umsatz. Ende Juli soll dann alles vorbei sein. Eine Mitarbeiterin öffnet die Tür. Sie wirkt nervös als von „Presse“ die Rede ist. Der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Burt ist in einer Besprechung. Er war am gestrigen Montag nicht mehr zu erreichen.

Auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE äußert sich Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß zur aktuellen Situation. Er erklärt das weitere Vorgehen: Das Bisinger Unternehmen CM Manufactory GmbH soll die Hauptkunden von Riese Electronics weiterführen. Mit „etwa 20 Riese-Mitarbeitern“ sollen neue Arbeitsverträge abgeschlossen werden. Mit der genauen Zahl an Mitarbeitern, die in Bisingen arbeiten sollen, hält sich Weiß bedeckt.

Der zweite Standort im Thüringischen Langenwolschendorf ging schon Anfang Mai an CM Manufactory. Hier wurden alle Mitarbeiter übernommen. Der Standort mit etwa 14 Angestellten wird weitergeführt. Die Situation in Horb ist anders. Zur Schließung des Standorts heißt es in der Mitteilung: „Aufgrund der unmittelbaren Nähe des Produktionsstandortes der CM Manufactory GmbH in Bisingen sowie der ungeklärten Rechtslage bezüglich des Objektes in Horb a.N., Junghansstraße 16, welches sich im Eigentum der Dr. Reinhold Riese & Sohn GmbH & Co. KG befindet, ist eine Fortführung des Geschäftsbetriebs der riese electronic gmbh in Horb a.N. nicht möglich.“

Aus!
Bald steht das Gebäude in der Junghansstraße 16 auf dem Hohenberg leer. Bild: bbm

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23.06.2015, 12:00 Uhr

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