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Aufsichtsräte tagen in eisiger Atmosphäre

Aus "Volkswagen - Das Auto" machen Zyniker jetzt "Das Auto - Das Problem"

Mit der Abgas-Affäre ist "das Auto", mit dem VW stolz wirbt, oft zu "das Problem" geworden. Greenpeace schreibt es VW so schon an die Firmenzentrale. Dort gab es nun die nächste Krisensitzung.

10.11.2015
  • DPA

Wolfsburg Wie sich die Zeiten ändern: Vor einem Jahr zurrten die VW-Aufsichtsräte den jüngsten Fünfjahresplan fest, mit dem der Autobauer auf dem Weg zur Weltspitze 100 Mrd. EUR investieren wollte. Ein Jahr später versammeln sich die Kontrolleure noch vor der üblichen Planungsrunde zur Notsitzung, und statt Milliarden-Etats von Brasilien bis China abzustecken, geht es mit dem Abgas-Skandal um die größte Krise der Firmengeschichte - und eine milliardenschwere Bürde.

Ganz so, als wäre das noch nicht schlimm genug, kamen konkrete Informationen für die betroffenen VW-Kunden gestern wieder einmal nicht etwa aus Wolfsburg, sondern wieder vom Verkehrsministerium in Berlin. 540 000 Wagen mit der manipulierten Abgas-Software müssen hierzulande im nächsten Jahr länger in die Werkstatt, weil sie auch neue Bauteile und nicht nur Software-Updates benötigen. Details dazu? Weiß man bei VW noch nicht.

Die Atmosphäre beim Treffen am Stammsitz war mies. "Die Stimmung ist scheiße", verlautete eine ungeschönte Beschreibung aus Teilnehmerkreisen. Als "Eiszeit" umschrieb es eine andere Stimme. Vor allem die Vertreter der Katar-Holding - drittgrößter VW-Aktionärs - hätten "einen richtigen Hals".

Zu allem Überfluss stieg Greenpeace VW gestern auch noch aufs Dach: Über dem Haupteingang der Zentrale verkehrten Aktivisten den Werbeslogan "Das Auto" per Transparent zu "Das Problem".

Drinnen bei den Kontrolleuren berichteten die externen Prüfer der US-Kanzlei Jones Day über Details. Insider beschrieben die Sitzung, die erst mit zweieinhalbstündiger Verspätung begann, als zäh.

Schon die Vorzeichen des Treffens hatten auf Alarmrot gestanden. Der neue VW-Chef Matthias Müller verschärft wegen der immensen Kosten des Skandals den Sparkurs bei Volkswagen. Und weniger der Fakt an sich als das Wie dahinter beschwor vor kurzem den Groll des mächtigen VW-Arbeitnehmerbosses Bernd Osterloh herauf. "Wer die Axt bei Volkswagen an die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten legen will, der gefährdet den sozialen Frieden und die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens." Osterloh schloss auch erstmals einen Wechsel als Personalchef in den Vorstand aus - darüber war lange spekuliert worden. Der Ton seiner massiven Kritik am Top-Management verwunderte die Gegenseite, wie von dort verlautete. Nicht allerdings so sehr der Widerstand an sich.

Bisher sind bei VW noch keine Verkaufseinbußen zu erkennen. Doch der Skandal ist auch noch jung, und die Oktober-Absatzzahlen werden erst für Ende der Woche erwartet. Zumindest beim privaten Autokauf liegen oft Wochen zwischen der Entscheidung und dem eigentlichen Kauf.

Die Absatzzahlen für November und Dezember dürften frühestens zeigen, was Sache ist. In Japan brach der Verkauf im ersten Monat nach dem Aufkommen des Skandals um rund die Hälfte ein. Auch Großbritannien zeigt Diesel-Effekte. Wichtig sind aus VW-Sicht aber vor allem die großen Märkte Gesamteuropa und China - und China ist fast dieselfrei.

Aus "Volkswagen - Das Auto" machen Zyniker jetzt "Das Auto - Das Problem"
Greenpeace steigt Volkswagen aufs Dach und formuliert den bekannten VW-Werbespruch um. Foto: dpa

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10.11.2015, 12:00 Uhr

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