Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Rebekka Diebold - In zwei Welten daheim

Aus einem Abstecher wurde eine Aufgabe

Was als sechsmonatiger „Abstecher“ nach Kamerun geplant war, veränderte nach und nach das ganze Leben der Kusterdingerin Rebekka Diebold.

29.12.2012
  • Bettina Mühlbach

Kusterdingen. Als Rebekka Diebold 2007 ihr Abitur machte, war ihr eins klar: Sie wollte danach ihre Zeit und Energie verstärkt für andere Menschen einsetzen. „Ich habe in meinem Leben so viel bekommen, dass ich auch etwas davon an andere weitergeben wollte“, erzählt sie. Afrika war schon immer der Kontinent ihrer Träume, und durch einen privaten Kontakt ergab es sich, dass sie auf ein Projekt in Kamerun stieß, das sie sofort ansprach. Das Waisenhaus heißt „Garden for Education and Healing“ (GEH), also „Garten der Bildung und Heilung“. Die Kinder im Waisenhaus haben in ihrem jungen Alter schon viel Schweres erlebt, sagt Diebold. So mussten sie sich etwa als Straßenkinder durchschlagen oder sie wurden Opfer von Menschenhändlern.

Aus einem Abstecher wurde eine Aufgabe
Rebekka Diebold mit Kindern aus dem „Garden for Education and Healing“.

Ziel des GEH sei es, dass die Kinder im Heim eine Heimat fänden und sich zu gesunden Persönlichkeiten entwickeln könnten. Großen Wert legt das Waisenhaus auch darauf, dass die Kinder eine gute Schulbildung erhalten, denn „Bildung ist und bleibt der Schlüssel zur Zukunft“, sagt Diebold.

Eigentlich hatte sie nur für ein halbes Jahr dort mitarbeiten wollen. Als „Mädchen für alles“ betreute sie die Kinder, half bei Renovierungsarbeiten und führte die Buchhaltung des Waisenhauses. Nach den sechs Monaten nahm Rebekka Diebold wie geplant ihr Studium der Sozialen Arbeit in Deutschland auf.

Doch das Kinderheim in Kamerun ließ sie nicht los. Also absolvierte sie dort ein Praxissemester während ihres Studiums, und seither besucht sie den „Garden for Education“ in regelmäßigen Abständen. Die Verbindung ist so eng, dass sie sagt: „Das ist ein großer Teil von mir.“

Kamerun sei ihre zweite Heimat geworden. „Ich empfinde das als sehr bereichernd“, so Diebold. Aber sie ist dadurch auch hin- und hergerissen. „Wenn ich hier bin, vermisse ich meine ‚Familie‘ dort, und wenn ich in Kamerun bin, fehlt mir meine deutsche Heimat“, erklärt die 25-Jährige. Auch wenn sie nicht in Kamerun ist, hält sie Kontakt mit dem Waisenhaus, um auf dem Laufenden zu bleiben, wie es den Kindern und ihren Versorgern ergeht. Ihr Blick auf die Welt habe sich durch den jahrelangen Kontakt zu Kamerun sehr geändert, sagt die Kusterdingerin. Die Kinder im „Garden for Education“ seien trotz ihrer Probleme voller Lebensfreude und begegneten allem mit einer positiven Haltung: „Davon kann man sich wirklich eine Scheibe abschneiden.“

Derzeit studiert Rebekka Diebold „Friedens- und Konfliktforschung“ auf Master in Marburg. Ihr Ziel ist es, in der Entwicklungshilfe zu arbeiten, am liebsten von Deutschland aus mit Auslandsaufenthalten. Neben dem Studium hält sie auch das Waisenhaus auf Trab. Der „Garden for Education“ finanziert sich durch Spenden, die noch dazu recht unregelmäßig eingehen. Zudem gibt es in Deutschland keine zentrale Stelle, die die Hilfe für das Kinderheim organisiert.

Das soll sich nun ändern. In Kusterdingen hat sich über die Jahre um Rebekka Diebold ein Kreis von Unterstützern zusammengefunden. Gemeinsam befinden sie sich gerade in der Gründungsphase des „Fördervereins Garden for Education and Healing“. Damit lässt sich die Hilfe für das Waisenhaus dann bündeln und es gibt eine zentrale Anlaufstelle in Deutschland. Die Gemeinde Kusterdingen hat bereits zugesagt, den Verein drei Jahre lang mit 1000 Euro jährlich zu unterstützen.

Rebekka Diebold wünscht sich für den Verein große öffentliche Aufmerksamkeit, damit der „Garden for Education and Healing“ bestmöglich unterstützt werden kann. Und für die Waisenkinder? „Ihnen wünsche ich, dass sie es schaffen, ihre Zukunft aktiv zu gestalten und ihren eigenen Weg zu gehen.“

Das Kinderheim „Garden for Healing and Education“ liegt in der Nähe von Bamenda, der viertgrößten Stadt Kameruns. Im Heim leben 25 Kinder mit zwei Betreuerinnen in einer Art Großfamilie. Das Altersspektrum der Kinder reicht vom Säuglings- bis zum Erwachsenenalter. Die Kinder werden versorgt und begleitet, bis sie eine Ausbildung erhalten haben und für sich selbst sorgen können. Darüber hinaus werden vom GEH rund 500 Aidswaisen betreut, die bei Pflegefamilien in der Umgebung leben. Dies geschieht in Form von Hausbesuchen, Verteilung von gespendeten Hilfsgütern und Seminaren für die Pflegeeltern. Durch die Vermittlung von Mikrokrediten wird den Pflegeeltern außerdem Hilfe zur Selbsthilfe gegeben. Weitere Informationen unter: www.geh-cameroon.org.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.12.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball