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Serie zum Sparhaushalt und der Kultur

Aus zwei mach eins: die Jazz-Vereine

In der Selbstdarstellung des Vereins heißt es: „Der Jazzclub Tübingen zählt zu den regsten Clubs im Land, er ist eine Institution in der Jazz-Szene und eine Oase in der durch Streichungen immer mehr verödenden Kulturlandschaft.“ Nun ist der 1984 von hiesigen Jazzern um Helmut Müller gegründete Jazzclub seinerseits von finanziellen Einschnitten bedroht, denn die Stadt will ihm die Hälfte des bisherigen Zuschusses (5500 Euro) kürzen.

26.08.2010

Das hat der Jazzclub mit dem noch sieben Jahre älteren „Jazz im Prinz Karl“ gemeinsam, dem gleichfalls die Hälfte des städtischen Förderbeitrags (4800 Euro) abhanden kommen soll. Zählt man noch eine leichte Kürzung bei den Jazz- und Klassiktagen dazu, wird der Tübinger Jazz empfindlich zur Ader gelassen. Sagen die Jazzer.

Aus zwei mach eins: die Jazz-Vereine
Der Kultur-Check.

Die Stadt wiederum meint, es gebe ja zwei Vereine: „Doppelfinanzierung“ sei doch nicht nötig. Falsch, antwortet etwa der Jazzclub-Vorsitzende Dizzy Krisch: Das seien ganz verschiedene Sparten. „Wir sind für die lokalen und regionalen Musiker da, ,Jazz im Prinz Karl‘ für die internationalen.“

15 bis 20 Konzerte pro Jahr veranstaltet der Jazzclub, betreibt vor allem auch „Basisarbeit“ mit bewährten Sessions im Jazzkeller. „Und das alles ehrenamtlich“, grollt Krisch, „das ist eine Gratwanderung“. Krisch hat sich mit Boris Palmer mittlerweile ein kleines Scharmützel geliefert, indem er dem Tübinger Rathauschef schrieb, er nehme die geplanten Kürzungen „mit Fassungslosigkeit“ zur Kenntnis. „Was hier geschehen soll, wird die Vernichtung der kulturellen Arbeit an der Basis sein. Kürzungen um 50 Prozent oder – wie auch geplant – Totalstreichungen im Kulturbereich sind inakzeptabel“ oder zeugten „von Unwissenheit über die tatsächliche Kulturszene von Seiten ihrer ,Erfinder‘; in ihrer jetzigen Form sind sie skandalös und nicht hinnehmbar.“

Das wiederum findet Palmer inakzeptabel und nicht hinnehmbar, weshalb er die Wortwahl als „unangemessen“ und „unsachlich“ zurückwies und bat, „auf Beschimpfungen zu verzichten“. Auf der schwach besuchten Informationsveranstaltung zu den avisierten Kürzungen schien ihm in der Mensa Uhlandstraße solcher Protest aus der Musiker-Ecke Beleg dafür, wie man sich im Ton vergreifen kann.

Die unüberhörbaren Dissonanzen kommen nicht von ungefähr. Denn der Jazz ist seit längerem in der Defensive: Nicht nur Zuschauerschwund, sondern auch erlahmende Unterstützung des öffentlich-rechtlichen Rundfuunks, früher eine Stütze der Szene, setzen ihm zu. An die wahren Highlights, die – wie etwa John McLaughlin auf dem Schlosshof oder das Modern Jazz Quartet – fast ein Vierteljahrhundert zurückliegen, konnte „Jazz im Prinz Karl“ trotz aller Bemühungen nie wieder anknüpfen.

Doch wer Dave Holland, Charles Lloyd oder auch Helen Schneider in letzter Zeit nach Tübingen gelotst hat, muss sich nicht verstecken. Helmut Burkhardt von „Jazz im Prinz Karl“ warf auf der Bürgerversammlung jedenfalls der Stadtverwaltung mangelnde Kommunikation vor, und sein Vorstandskollege Richard Kaiser orakelte gegenüber der Kulturamtsleiterin, da werde „im Moment viel kaputtgemacht“. Dizzy Krisch erwartet wiederum vom Kulturamt „Einsatz für die gebeutelten Vereine“. Dabei kommen die Kürzungsansätze hauptsächlich und zwangsläufig aus gerade diesem Fachbereich.

Palmer schwante im öffentlichen Dialog mit der Jazzfraktion, dass noch nicht alles ausgestanden und ausgehandelt ist. „Vielleicht ist das ein falsches Prinzip, nur noch eine Institution zu fördern“, sagte er da. Aber es sei doch auch nicht gut, wenn „drei oder vier dasselbe machen, und alle kriegen Kleckerlesbeträge.“

Dizzy Krisch gibt sich inzwischen auch wieder deutlich moderater und friedlicher: Palmer solle seine Äußerungen „als emotionalen Kraftsatz“ ansehen, oder als „provokativen Ansporn zur Diskussion“ .

Wilhelm Triebold

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26.08.2010, 12:00 Uhr

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