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Angst vor dem Plan

Ausbau der Hindenburgstraße in Gomaringen treibt die Anlieger um

Vor dreißig Jahren gab es schon mal einen Anlauf, die Hindenburgstraße in Gomaringen zeitgemäß auszubauen. Damals scheiterten die Pläne am Widerstand der Anlieger. Den Widerstand gibt es immer noch.

18.06.2015
  • Mario Beisswenger

Gomaringen. Warum kann es nicht so bleiben, wie es ist? Emil Rilling ist eigentlich ganz zufrieden mit seinem Häuschen am Ende der Hindenburgstraße. Es liegt mitten in Gomaringen und trotzdem mitten im Grünen. Vom Hauseingang schweift der Blick über Streuobstwiesen, hinten ist ein verwunschener Garten.

Doch die Idylle ist gefährdet. Die Gemeinde plant, die Hindenburgstraße auszubauen. Rilling ist dagegen und nach seiner Auskunft auch die anderen Anlieger. „Eigentlich sind hundert Prozent dagegen.“ Er mindestens stellt sich die Frage, was sich verbessern soll. „Eigentlich ist das eine Fußgängerzone mit der Lizenz zum Fahren.“

Klar, die Straße sei nicht im besten Zustand. „Aber bisher waren Reparaturen immer unproblematisch.“ Für den früheren Lehrer für Ethik und Politik ist es nicht verständlich, was die Gemeindeverwaltung durch einen Ausbau erreichen will.

Vor einer ähnlichen Frage stand die frühere Grünen-Gemeinderätin Susanne Horn. Als der Rat 2013 Ausgaben für eine vorbereitende Untersuchung zum Straßenausbau ausgeben wollte, gab sie eine Stellungnahme zum Etat ab mit dem Schluss: „Wir sehen keinen Grund, 15.500 Euro auszugeben.“

Das Geld ist ausgegeben. Die Ergebnisse der Untersuchung liegen vor und werden den Anwohnern diesen Donnerstag präsentiert (siehe Kasten). Rilling ist gespannt, was an Vorschlägen kommt. Bislang hielt die Verwaltung nämlich ziemlich hinterm Berg. Nach seiner Auskunft gab es nie eine Begründung für die Pläne.

Kein Wunder, dass Spekulationen aufkommen. Eine naheliegende: Alle Gemeinden wollen innerörtliche Baulandreserven erschließen. Ganz am Ende der Hindenburgstraße, nur über einen Feldweg zu erreichen, gibt es ein konkretes Projekt. Anstelle eines kleinen Häuschens sollen dort zwei moderne Häuser hin. Das funktioniert nur, wenn heutige großdimensionierte Baumaschinen auch dort hinkommen.

Deshalb die Ausbaupläne, vermutet Rilling. Mehr als vermuten kann er aber nicht. Er kann aber rechnen. Wenn die Straße neu gebaut wird, könnte es sein, dass er Erschließungskosten zahlen muss. In welcher Höhe sich die bewegen, weiß er offiziell nicht. Ihm ist nur zu Ohren gekommen, dass es so zwischen 25 und 50 Euro sein könnten – pro Quadratmeter eigenes Grundstück.

Rilling hat das überschlagen. Das wäre bei ihm ein hoher fünfstelliger Betrag. „Dafür hab ich kein Geld.“ Nach einem schon 30 Jahre zurückliegenden Anlauf die Straße auszubauen, gab es ein Gutachten der Gemeindeprüfungsanstalt. Das liest Rilling so, dass die Anwohner an der Erschließung nicht beteiligt werden können. Das ist aber nicht sein ganzes Problem. Es gibt eine Ausbauvariante, die quer durch seinen Garten geht. Für ihn eine Schreckensvision. „Die würden den Garten kaputt machen und ich darf dafür noch zahlen.“

Ausbau der Hindenburgstraße in Gomaringen treibt die Anlieger um
Am Ende der Gomaringer Hindenburgstraße geht sie nach rechts in einen Feldweg über. Als Baustellenzufahrt für moderne Baulogistik ist der zu schmal.

Ausbau der Hindenburgstraße in Gomaringen treibt die Anlieger um
In Gomaringen zeigt sich die Hindenburgstraße als dörflicher Weg mit Gärtle. Der Zustand ist nicht der beste.Bilder: Beißwenger

Am Donnerstagabend, 19 Uhr, ist eine Informationsveranstaltung für die Anlieger der Hindenburgstraße. Im Feuerwehrhaus stellt das beauftragte Pfullinger Ingenieurbüro Herrmann und Mang Varianten zum Ausbau der Straße vor.
Gomaringens Bürgermeister Steffen Heß geht den zuletzt vor 30 Jahren akuten Streit um den Ausbau vorsichtig an. 1982 strich sein Vorgänger Manfred Schmiderer die Pläne, weil Anlieger nichts von ihrem Grund dafür abgeben wollten.
Für Heß ist das Verfahren noch in einem nicht-öffentlichen, unverbindlichen Bereich. Die Sache will er schrittweise abarbeiten und zunächst die Anwohner informieren. Deshalb ist die Presse nicht zu dem Infoabend eingeladen.

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18.06.2015, 12:00 Uhr

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