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Ausbilder in der Kritik
Strammstehen bei der Bundeswehr. Foto: imago stock&people Imago Stock&P
Bundeswehr

Ausbilder in der Kritik

Ein Bericht über einen Geländelauf von Rekruten der Kaserne Pfullendorf erhebt Vorwürfe gegen Vorgesetzte.

22.03.2018
  • PETRA WALHEIM

Pfullendorf. Sie hatten sich dazu entschlossen, in der Spezialausbildungs-Kompanie 209 der Staufer-Kaserne in Pfullendorf eine Ausbildung zum Feldwebel zu machen und waren gerade mal sieben Tage in der Kaserne. Am 9. Januar wurden die 36 Rekruten auf einen 15 Kilometer langen Geländelauf geschickt. Nicht in voller Montur, sondern in Trainingskleidung. Trotzdem war die Aufgabe für sieben der neuen Rekruten zu anstrengend. Sie mussten schon nach kurzer Zeit wegen Erschöpfung oder Verletzung aufgeben. Einer wurde bewusstlos und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Der Fall hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Nun gibt es einen Bericht der Bundeswehr, in dem den Ausbildern schwere Vorwürfe gemacht werden.

Der „Spiegel“ hat gestern zuerst über das Papier geschrieben. Es handelt sich um einen Bericht des Verteidigungsministeriums an den Verteidigungsausschuss. Darin heißt es, der Trainingslauf sei von den Ausbildern der Spezialausbildungskompanie 209 „überfordernd“ und mit Blick auf den Trainingsstand der Rekruten „nicht angemessen durchgeführt“ worden.

Zudem bestehe der Verdacht, „dass der Geländelauf als ,Selektionslauf' angelegt und zumindest die Überforderung einiger Rekruten beabsichtigt gewesen sein könnte“. Zu diesem Punkt war bis Redaktionsschluss von der Pressestelle des Kommando Heer keine Stellungnahme zu bekommen. Eingeräumt wird aber, „dass dieser Lauf einige Soldaten überfordert hat und individuelle Fehler von Ausbildern festgestellt werden mussten“.

Manche Ausbildungsabschnitte seien fordernd, dürften aber nicht überfordern, heißt es in der Stellungsnahme des Kommando Heer. Die Ausbilder seien zur Fürsorge und Überwachung verpflichtet. Bei dem Geländelauf sei festgestellt worden, „dass ein zielgerichtetes Training vor diesem Lauf fehlte und der Lauf nicht in nach Leistungsstand eingeteilten Laufgruppen, sondern geschlossen absolviert wurde“.

Ein Ausbilder sei von seinen Aufgaben entbunden worden, gegen einen zweiten „wurde eine Disziplinarmaßnahme ausgesprochen“, heißt es in der Stellungnahme. Er bekam eine Geldstrafe von 2000 Euro. Alle Ausbilder seien für diesen Themenkomplex sensibilisiert worden, betont das Kommando Heer. Die Staatsanwaltschaft Hechingen prüft strafrechtliche Maßnahmen.

Ausfälle häufen sich

Aus gut informierter Quelle war zu erfahren, dass die Ausbilder bei dem Geländelauf nicht auch die waren, die vom 26. Februar bis 1. März einen Überlebens-Lehrgang für Offiziersanwärter geleitet hatten. Bei diesem Training waren 36 Offiziersanwärter bei zweistelligen Minusgraden im Gelände gewesen und mussten im Freien übernachten. Zwölf der Anwärter fielen aus, eine Soldatin musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Da sich die Ausfälle bei Trainingsläufen und Lehrgängen häufen, wird eine Reform der Bundeswehr-Ausbildung diskutiert. Die hatte der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels in seinem Jahresbericht 2017 gefordert. Auch der Koalitionsvertrag sieht diese Reform vor. „Der Reformbedarf ist erkannt“, sagt Bartels. Es sei klar geworden, dass die Leistungsstände zu unterschiedlich sind. „Das muss zu Konsequenzen in der Ausbildung führen.“

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22.03.2018, 06:00 Uhr

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