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Schnittschutz und Waldarbeit

Ausbildung an der Rottenburger Hochschule fördert Firmengründungen

Der Mut, Unternehmen zu gründen, ist in Deutschland nicht übermäßig groß. Zwei Firmengründer, die ihre Wurzeln in Rottenburgs Hochschule für Forstwirtschaft haben, stellt das TAGBLATT heute vor. Der eine ist Professor dort, der andere hat als Diplom-Forstingenieur abgeschlossen.

15.09.2010
  • Werner Bauknecht

Rottenburg. Daniel Stark ist 25 Jahre alt und hat ein Jahr nach seinem Studienabschluss 2008 die Südwald GmbH in Münsingen gegründet. Einen Gewerbebetrieb hatte er bereits während des Studiums auf sich angemeldet. Eigentlich wollte er nach seinem Abschluss noch ein paar Jahre Erfahrung bei anderen Arbeitgebern sammeln. „Aber dann habe ich erkannt“, sagt er, „dass die Zeit zur Selbständigkeit günstig ist.“ Er hatte ein Konzept, er hatte bereits Kunden – für eine Finanzierung geradezu perfekte Voraussetzungen.

Der Schwerpunkt des Angebots der Südwald GmbH liegt in der Dienstleistung. Dem Land, den Kommunen, auch privaten Waldbesitzern bietet Stark ein Paket an, das von der Holzfällung oder der Holzernte bis zur Neupflanzung und Jungbestandspflege reicht. Holzhandel, Landschaftspflege und Spezialfällungen runden das Angebot ab. Selbst Motorsägenkurse bietet die Südwald GmbH an.

Noch konzentriert sich der Schwerpunkt des Unternehmens auf den Landkreis Reutlingen. „Aber das wollen wir ändern“, sagt Daniel Stark. „Mittelfristig expandieren wir Richtung Schwarzwald, langfristig wollen wir ganz Süddeutschland abdecken.“

Vier Forstwirte hat er fest angestellt. Bei Bedarf kann Stark Projekte an Subunternehmen vergeben. Mit der Ausbildung auf der Hochschule in Rottenburg, sagt er, sei er gut gefahren. „Die Ausrichtung des Studiums ist sehr praxisbezogen.“ Weil er an der Hochschule auch Betriebswirtschaft lernte, kann der Firmengründer jetzt sogar seine Buchhaltung selber machen.

Studiert hat Stark bei Dirk Wolff, Professor für Waldarbeit und Forsttechnik, der im Januar diesen Jahres das Institut für Waldarbeit GmbH gründete. „Im Grunde macht es im Bereich Forschung, Weiterbildung und Testverfahren das, was die Hochschule nicht leisten kann“, sagt Wolff. Im Moment arbeitet er daran, eine Weiterbildungsplattform zu etablieren.

Unterstützung von der Hochschule

Die Idee, selbst eine GmbH zu gründen, stammt aus seiner Beschäftigung mit so genannten Schnittschutzhosen. „Das sind die Hosen“, erklärt Wolff, „die Waldarbeiter bei ihrem Job tragen.“ Durch ein spezielles Material schützen sie die Arbeiter vor Schnittverletzungen bei Motorsägearbeiten. Derzeit unterstützt Wolffs Institut Hersteller solcher Schutzkleidung bei der Weiterentwicklung des Materials, das noch mehr Sicherheit bieten soll. Aktuell will ein Hersteller beispielsweise wissen, wie sich das Schleudern nach dem Waschen auf die Schutzkleidung auswirkt.

Die Fachhochschule verfügt in ihrem Labor über einen Materialprüfstand für solche Aufgaben. „Sechs Studenten haben das Gerät entworfen und gebaut“, sagt Wolff, nimmt eine Schutzhose und stülpt sie über ein Stahlrohr. Von einem Computerstand aus senkt er eine Motorsäge herab und schneidet mit einer Geschwindigkeit von 20 Metern pro Sekunde in das Material. Der Schnitt wird von einer Kamera und einem Computerprogramm dokumentiert und dann analysiert.

Die zweite Ausrichtung des Instituts liegt in der Weiterbildung. „Wir wollen den Absolventen, die ja später Führungskräfte werden sollen, das bestmögliche Rüstzeug für ihre berufliche Zukunft mitgeben“, erklärt Wolff. Dazu bietet der Professor, der aus einem umfangreichen Trainerpool schöpfen kann, Seminare zum Thema Kommunikation, Personalentwicklung, aber auch Verhaltenstraining an. Sogar über die Rechtsform eigener Gründungen kann man sich bei ihm schlau machen.

„Die Hochschule hat mich in meinen Tätigkeiten großartig unterstützt“, betont Wolff. „Aber es ist ja auch gut für den Ruf der Hochschule, wenn die Industrie uns als Partner akzeptiert.“ Als nächstes strebt er die Zertifizierung von Schnittschutzkleidung an. Das Gütesiegel wird Safe heißen.

Dirk Wolff ist selbst überrascht, dass es so wenige Neugründungen durch Hochschulabsolventen gibt. „Ich habe allerdings vor vier Jahren schon einmal ein Projekt gestartet, das Studenten zur Selbständigkeit führen soll.“ Mangels Resonanz stellte er es wieder ein.

Ausbildung an der Rottenburger Hochschule fördert Firmengründungen
Fasern, die schützen sollen: Dirk Wolff, Professor für Waldarbeit und Forsttechnik an der Hochschule für Forstwirtschaft, beschäftigt sich in seiner neu gegründeten „Institut für Waldarbeit GmbH“ unter anderem mit der Weiterentwicklung von Kleidung für Waldarbeiter. Bild: Faden

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15.09.2010, 12:00 Uhr

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