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Ausbildung in Alemania
statt Stempeln in Spanien
José Ramón Ginés Muñoz aus Granada ist in etwa einem Jahr mit seiner Ausbildung bei Bosch fertig. Im Moment kann er sich gut vorstellen, auch danach in Stuttgart zu bleiben. Foto: Simone Dürmuth
Arbeitslosigkeit

Ausbildung in Alemania statt Stempeln in Spanien

In Spanien sind noch immer mehr als 40 Prozent der Jugendlichen ohne Job. Bosch will etwas Abhilfe schaffen.

11.11.2016
  • SIMONE DÜRMUTH

Stuttgart. José Ramón Ginés Muñoz ist im Stress. Noch am selben Tag soll er seine selbst entwickelte Maschine abliefern, die die mechanische Belastbarkeit von Batterien überprüft. „Der Klotz schlägt immer wieder auf die Batterie, bis sie kaputt geht“, erklärt er. Der 23-Jährige stammt aus Granada in Spanien und macht bei Bosch eine Ausbildung zum Mechatroniker.

Vor drei Jahren, als José Ramón Ginés Muñoz nach Deutschland gekommen ist, lag die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien bei über 55 Prozent. Bislang der Spitzenwert seit Beginn der internationalen Finanzkrise 2007. „Wir wollten ein Zeichen setzen“, erklärt Siegfried Czock, Abteilungsleiter der Aus- und Weiterbildung bei Bosch in Stuttgart. Und darum habe man sich dazu entschlossen, zusätzliche Ausbildungsplätze anzubieten. Zunächst seien insgesamt 50 Stellen in Spanien, Portugal und Italien geschaffen worden und dann noch weitere 50 in Deutschland.

Als Ginés Muñoz von dem Angebot hört, will er sofort mitmachen. Zwar hat er zu diesem Zeitpunkt eine Elektrotechnik-Ausbildung in Spanien gemacht, doch seine Chancen, danach auch Arbeit zu finden, seien sehr schlecht gewesen. Am Anfang sei es schwierig gewesen in Deutschland. „Die Kultur und das Wetter sind anders und meine Familie ist sehr weit weg“, so der 23-Jährige. In Spanien hat er bei seinen Eltern in der Nähe von Granada gelebt.

Für viele der Jugendlichen sei es am Anfang schwer gewesen, erinnert sich Ausbilder Hartmut Hahl und fünf von ihnen hätten auch innerhalb des ersten halben Jahres ihre Ausbildung abgebrochen. Trotzdem könne man stolz sein auf die Abbrecherquote, die bei etwa 15 Prozent liege, so Czock.

Zwar liege die im Schnitt bei allen Bosch-Azubis deutlich niedriger, doch im bundesdeutschen Vergleich würden, über alle Ausbildungsberufe hinweg, etwa 25 Prozent ihre Lehre abbrechen. Und der Schwund bei anderen Programmen, die Auszubildende oder Fachkräfte aus Spanien nach Deutschland bringen wollen, liege bei bis zu 40 Prozent.

Die Zahl der Beschäftigten mit spanischer Staatsangehörigkeit in Deutschland hat sich seit März 2011 stetig erhöht, teilt eine Sprecherin des Landesministeriums für Wirtschaft und Arbeit mit. Allerdings habe sich der Anstieg zuletzt etwas verlangsamt. Gründe für Frust können zum Beispiel die unterschiedlichen Ausbildungen in den beiden Ländern sein. So haben Pflegekräfte in Spanien in der Regel eine akademische Ausbildung. Manche sind dann frustriert, wenn sie in Deutschland nicht die gleichen Kompetenzen haben wie zu Hause.

Czock ist überzeugt, dass der Erfolg des Ausbildungsprogramms bei Bosch vor allem auf der guten Vorbereitung vor dem Umzug nach Deutschland sowie dem großen Engagement der Ausbilder und Betreuer beruht. Diese seien zu regelrechten Ersatzeltern geworden. Neben den eigentlichen Ausbildern kümmern sich auch noch Paten und externe Sozialpädagogen um die Auszubildenden.

Denn auch wenn sie schon etwas älter als die meisten einheimischen Azubis sind – Voraussetzung für das Programm ist die Volljährigkeit, die meisten waren bei Beginn aber schon Anfang 20 – sind viele von ihnen zum ersten Mal weg von zu Hause und brauchen Unterstützung beim Suchen einer Wohnung, beim Eröffnen eines Kontos und beim Abgeben der Steuererklärung.

Im Moment werden wieder 50 Auszubildende in Spanien rekrutiert und die jetzigen Azubis sind mitgefahren, um ihre Erfahrungen weiterzugeben. Im Grunde werde das Konzept nicht verändert, sagt Czock. Nur der Sprachunterricht, der noch vor Antritt der Ausbildung in Spanien absolvieren muss, soll von 400 auf 600 Stunden aufgestockt werden.

Ginés Muñoz kann sich im Moment gut vorstellen, in Deutschland und vielleicht sogar bei Bosch zu bleiben, wenn er seine Ausbildung in etwas mehr als einem Jahr beendet haben wird. Dazu trägt bestimmt bei, dass seine Freundin ihm inzwischen nach Stuttgart gefolgt ist. Sie hat eine Stelle als Au-Pair gefunden und lernt an der Volkshochschule Deutsch.

Ein weiterer Grund dürfte sein, dass sich die Situation in Spanien in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verbessert hat: Wie die EU-Statistikbehörde Eurostat Anfang November mitteilte, liegt die Arbeitslosenquote in Spanien noch immer bei 19,3 Prozent und die Jugendarbeitslosigkeit bei 42,6 Prozent. Spanien ist damit, kurz hinter Griechenland, in Europa noch immer am stärksten betroffen.

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11.11.2016, 06:00 Uhr

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