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Ausfälle – trotz „Lehrgang light“
In die Schlagzeilen gekommen: die Staufer-Kaserne in Pfullendorf. Foto: Fotos: Johannes Simon/Getty Images
Bundeswehr

Ausfälle – trotz „Lehrgang light“

Obwohl die Anforderungen schon heruntergeschraubt worden sind, halten manche Soldaten die Lehrgänge in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf nicht durch. Ein Insider berichtet.

06.03.2018
  • PETRA WALHEIM

Pfullendorf. Innerhalb von zehn Tagen wurden zwei Fälle bekannt, dass Soldatinnen und Soldaten bei Ausbildungen rund um die Staufer-Kaserne in Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) diese aufgrund von Erschöpfung abbrechen und einzelne auch ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Daher drängt sich die Frage auf, ob die Anforderungen zu hoch oder sie ihnen nicht gewachsen sind. Nach Ansicht eines Bundeswehr-Ausbilders liegt das sowohl am Leistungsstand der jungen Soldatinnen und Soldaten, die mit falschen Vorstellungen in die Bundeswehr eintreten, als auch an Ausbildern, die nicht immer in der Lage seien, die Leistungsfähigkeit der jungen Leute richtig einzuschätzen, um diese schrittweise aufzubauen.

„Lehrgangsanforderungen sind zwar auf das aus unserer Sicht weniger robuste Publikum angepasst worden“, sagt der Ausbilder. Er wisse aber auch, dass die Lehrgangsteilnehmer in vernünftiger Zeit trotzdem ihre Leistungen erbringen müssten.

Nicht leistungsfähig genug

Jeder Ausbilder in Pfullendorf hat die meisten Ausbildungen selbst durchlaufen. „Da hat man sich halt durchgebissen.“ Aus seiner Sicht sind manche der jungen Soldaten, die von der Schule zur Bundeswehr kommen, nicht leistungsfähig genug, um die Lehrgänge durchzustehen. Nicht nur die körperliche Fitness, auch die Psyche müsse systematisch aufgebaut werden. Das sei jedoch schwierig in Einheiten, in denen sowohl sportlich fitte als auch körperlich weniger leistungsfähige Soldaten in einem Zug sind. Aufgabe der Ausbilder sei herauszufinden, wo die körperlichen Grenzen der Soldaten sind. „So dass sie zwar erschöpft sind, aber trotzdem weitermachen können.“

„Die Ausbilder helfen den Soldaten, wo sie nur können“, betont der Informant. Bei dem Lehrgang, den in der vergangenen Woche bei Eiseskälte 12 von 36 Offiziersanwärter hatten abbrechen müssen, sei den jungen Leuten gezeigt worden, wie sie eine Unterkunft im Gelände bauen und Feuer machen können. Ein Teil der Verpflegung sei ein toter Fisch gewesen, den sie hätten ausnehmen und braten müssen.

Das Überlebenstraining für Offiziersanwärter der Luftwaffe sei ein „Lehrgang light“ gewesen. „Ausfälle gibt es immer“, sagt der Insider. Wie bei den meisten Lehrgängen wolle man eine Auswahl, um so die Besten herauszufiltern.

Bei dem Überlebenstraining für Offiziersanwärter in der vergangenen Woche sollten die 36 Teilnehmer vier Tage und drei Nächte bei Eiseskälte im Freien verbringen. 12 von ihnen mussten „aufgrund unterschiedlicher Ursachen“ aufgeben, so informierte ein Sprecher des Heeres. Eine Soldatin musste in ein Krankenhaus und in die Intensivstation gelegt werden. Die Diskrepanzen, die sich zwischen den Angaben eines anderen Informanten zu dem Lehrgang und den Informationen des Presseoffiziers ergeben haben, konnten vom Kommando Heer bis Redaktionsschluss nicht geklärt werden.

Zehn Tage zuvor wurde publik, dass bei einem Geländelauf Anfang Januar sechs Soldaten wegen „körperlicher Erschöpfung oder Verletzung“ ausgefallen sind. Ein Soldat musste ins Krankenhaus gebracht werden.

„Die Ausbildung bei der Bundeswehr ist bundesweit eine Baustelle“, sagt der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels. Es fehle an Ausbildern, so dass keine Leistungsgruppen gebildet werden könnten. Dass Teilnehmer aussteigen, gehöre zum Plan. Bartels setzt auf den Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD, in dem eine Reform der Ausbildung bei der Bundeswehr vorgesehen sei.

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06.03.2018, 06:00 Uhr

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