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Kommentar

Ausliefern oder nicht?

Das Schicksal des katalanischen Politikers Puigdemont liegt nun in der Hand der deutschen Justiz. Sie muss entscheiden.

27.03.2018

Von GUIDO BOHSEM

Berlin. Carles Puigdemont ist eine tragische Gestalt, ein armer Ritter ohne Land. Das Opfer einer bösen Verschwörung oder Missetat ist er hingegen definitiv nicht. Sein Schicksal verdankt er alleine seiner politischen Unfähigkeit. Denn der Plan, Katalonien von Spanien zu trennen (und es gleichzeitig in der EU zu belassen), war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, wie ihm jeder halbwegs Rechtskundige hätte sagen können. Trotzdem setzte Puigdemont auf Eskalation statt auf Kompromiss. Er wagte einen Don-Quijote-haften Kampf gegen spanische Verfassung und Demokratie. Nun steht er da als bedauernswerter Tor vor den Trümmern seiner Existenz und seines Traumes.

Indem er die Sezessionsbestrebungen immer weiter auf die Spitze trieb, zwang er Spaniens Präsident Mariano Rajoy regelrecht dazu, ihm mit voller Härte entgegenzutreten. Im Gegensatz zu Puigdemont bewegte sich Rajoy dabei im Rahmen von Recht und Gesetz. Und das ist selbstverständlich auch der Rahmen, der hierzulande gilt, weshalb der Bundesregierung nichts anderes übrig bleiben wird, als den tapsigen Freiheitskämpfer an Spanien auszuliefern.

Wie jeder andere Mensch hat er ein Anrecht auf ein faires Verfahren. Und tatsächlich gibt es keinen Grund anzunehmen, dass er ein solches in Spanien nicht bekommen würde. Ebenso wie hierzulande ist nämlich auch dort die Justiz unabhängig. Zudem werden die Augen der Welt besonders wach und aufmerksam auf den Prozess gegen Puigdemont schauen, was der Gerechtigkeit zusätzlich auf die Sprünge hilft. Und sollte er das Urteil als ungerecht empfinden, bleibt ihm immer noch der Weg an ein europäisches Gericht.

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Erstellt:
27. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. März 2018, 06:00 Uhr

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