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Im Kaffee steckt die Erinnerung

Ausstellung in der Museumsscheuer rund um das schwarze Getränk

Noch fehlt der Duft. Bald aber weht er durch die Sattlergasse. Wenn am Sonntag die Ausstellung „Rund um den Kaffee“ öffnet, werden Bohnen geröstet und die exklusive Ofterdinger Museumskaffeemischung ausgeschenkt.

25.05.2011
  • susanne wiedmann

Ofterdingen. Das Kaffeehaus ist bestückt mit Couch und Stühlen, auf den Tischen feines Porzellan, Kannen, Tassen und Teller, die gerne Blumen tragen, aber keine Spuren des Alltags. Nur an Festtagen wurden sie behutsam aus ihrem Verlies befreit. Aber jetzt im Alter, nach 50 oder 60 Jahren, folgt ein großer Auftritt in der Museumsscheuer.

Die Ofterdinger haben in ihren Schränken gestöbert und Kaffeeutensilien in die Sattlergasse getragen – Milchkännchen und Zuckerdöschen, Kuchenplatten und Kaffeemühlen. „Meist waren es jüngere Leute, die das Geschirr ihrer Eltern und Großeltern als Erinnerung aufbewahren“, sagt Zita Pflüger vom Museumsarbeitskreis. Sie hatte die Idee der Ausstellung, weil in der Museumsscheuer vieles rund um den Kaffee lagert. Aber offensichtlich nicht nur dort.

Im ersten Stock der Museumsscheuer ist nun die Kaffeestube einquartiert. In den Regalen stehen Kaffeedosen Spalier, Behälter des GeKaWe Kolonialwaren-Handels aus dem beginnenden 20. Jahrhundert und eine abgegriffene Metalldose der Rösterei Kaiser, die ab 1880 betrieben wurde. Daneben sind handbetriebene Kaffeemühlen mit Holzgehäusen und Kurbel platziert.

Die Sammeltassen versammeln sich eine Etage höher, die ältesten als kelchförmige Porzellanbecher mit Rosendekor ohne Unterteller. Seit dem Biedermaier wurde ein großes Brimborium um Geschirr veranstaltet und es entwickelte sich der Kult, Sammeltassen zu besonderen Anlässen zu schenken. „Zur Confirmation 1913“ steht in goldfarbenen Lettern auf einer Tasse, auf einer anderen „Dem Silberbräutigam“.

Genauso wurden sie gerne für die Aussteuer, zum Geburtstag oder als Souvenir überreicht. Ein Mokkatässchen erinnert an einen Ausflug zum Schloss Lichtenstein. In Vitrinen wurden die Sammeltassen prestigeträchtig zur Schau gestellt. Noch bis in die 1960er Jahre, fortan galt der Kult um die Sammeltasse als verbraucht.

Tortenschaufeln dienen noch heute. Frühe Exemplare sind kunstvoll gestaltet – mit Griffen aus Horn, Porzellan oder Holz mit Intarsien. Bevor Isolierkannen auf den Markt drängten, trugen die Kaffeekannen sonderbare Mützen (Bild), die sie wärmten. Aus Wolle gestrickt, mit fröhlichen Blüten, oben mit einer Kordel zusammengezogen und herabhängenden Bommeln. Oder Kaffeehauben, die wie wattierte Kissen erscheinen.

Dickbauchige Kaffeekannen mit drei Füßen und Zapfhahn namens Perkolatoren sind in die Sattlergasse gekommen. So etwa ein Stück von 1920, ein Verlobungsgeschenk für eine junge Ofterdinger Frau. Das erhitzte Wasser stieg durch einen Innenzylinder empor, ähnlich wie bei heutigen Espressokannen. Meist waren die Perkolatoren aus Metall, billigere Varianten aus Aluminium, edlere aus Porzellan, verchromtem oder versilbertem Messing. Zu den Perkolatoren gesellt sich die erste moderne Filterkaffeemaschine, der Wigomat. Er kam in den 1950er Jahren in die Haushalte.

Damals war der Kaffeefilter lange schon erfunden. Die Dresdner Hausfrau Melitta Bentz hasste den bitteren Geschmack und den unangenehmen Kaffeesatz in dem schwarzen Getränk. Deshalb experimentierte sie 1908 mit Löschblättern aus Schulheften ihres Sohnes, schnitt sie zu, legte sie in einen Messingbecher und durchlöcherte dessen Boden. Die Geschäftsidee des Kaffeefilters war entwickelt. Unter dem Dach der Museumsscheuer ist Melitta ein ganzes Buffet gewidmet.

In Bauernstuben wurde lange Zeit kein Kaffee aufgetischt, weil er zu teuer war. Kein feines Porzellan war hier zu finden, stattdessen emaillierte Kannen, Kaffeeschalen und Kathreiner Malzkaffee.

Ausstellung in der Museumsscheuer rund um das schwarze Getränk
Alles vorbereitet für das Kaffeekränzchen: Die Ofterdinger Museumsleute haben ein kleines Kaffeehaus aufgebaut. Bilder: Rippmann

Ausstellung in der Museumsscheuer rund um das schwarze Getränk
Perkolator auf drei Beinen, verchromt und mit Porzellangriffen.

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25.05.2011, 12:00 Uhr

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